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So war's in Köln: Gib den Affen Sugar

Bob Mould Live

Rückwärtsgewandt, viel zu laut, alt - aber zu Recht immer noch eine Ikone. Wie weit kann Bob Mould gehen?
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Rückwärtsgewandt, viel zu laut, alt - aber zu Recht immer noch eine Ikone. Wie weit kann Bob Mould gehen? Felix Scharlau war beim Kölner Konzert dabei.
  
04.06.08, Köln, Luxor


Was bleibt von der Legende übrig, wenn man das Legendäre von ihr abzieht? Anders gefragt: Was hätte jemand, der seine Lebenszeit nicht schon seit 1987 mit dem Hören von 'Zen Arcade' oder 'Candy Apple Grey' bestreitet, für den diese Überalben also nur Wikipedia-Fußnoten sind, gestern wohl vom Konzert von Bob Mould gehalten? Wir werden es nie erfahren. Denn der alte Mann Bob Mould und seine Band zog zu 98 Prozent nur alte (garantiert auch nicht mal schwule) Männer. Und die waren ganz sicher nicht gekommen, um die Zukunft des Rock zu bestaunen oder ihre Vergangenheit zu hinterfragen. Die wollten im halb gefüllten Luxor (Ex-Prime-Club, Ex-Ex-Luxor und zukünftiger Prime-Club?) wie beim letzten Mal schon Hits und die möglichst schnell.

 
Und Hits kamen. Kaum hatten Herrenmagazin ihr schönes Set bei (hinterher) gefühlter Zimmerlautstärke beendet, wurde drei Minuten lang umgebaut. Und gefühlt eine Stunde später erschien die Underground-Haarkranz-Ikone auch schon auf der Bühne. Die ersten Stücke: 'Act We Act' und 'Good Idea'. Nicht weniger als die ersten beiden Stücke des besten Mould-Post-Hüsker-Dü-Nachfolgewerks, Sugars 'Copper Blue'. Doch schon hier wurde deutlich: Man musste schon aufpassen wie ein tauber Luchs, um im Soundbrei Nuancen wie Schaffensphase, Band, Album oder gar Song zu erkennen. Denn obwohl dieses Konzert der Tour zwar nicht UNFASSBAR LAUT wurde, wie zahlreichen Blogs zuvor als Warnung ausgegeben hatten, so war es doch zumindest: unfassbar laut.

Und Moulds Gitarre klang wie ein Mähdrescher durchs Telefon. Kurz: Mould sorgte mit Powerchords und nur wenigen Balladen für ein 80-minütiges Herzrasen bei sich, und Stochern im Geschichtsnebel beim Publikum. Und gegen Ende gab es natürlich auch etliche Hüsker-Dü-Stücke - wenn selbstverständlich auch nur welche von Bob Mould. Am eindrucksvollsten: 'New Day Rising' - der Rauswerfer und im Prinzip das einzige Stück, das man sofort erkennen konnte.



Was bleibt von der Legende übrig, wenn man das Legendäre von ihr abzieht? Bei allem Respekt für Mould auch ein gewisses Maß an Enttäuschung für so wenig Interesse an den Nuancen im eigenen Schaffen. Oder, wie Florian Gelling, Graf-Zahl-Gänger, es im Vorbeigehen sinngemäß formulierte: "Ich mache jetzt eine Bob-Mould-Coverband auf. So fahrlässig, wie der mit seinen tollen Songs umgeht, hätte man da als Kopie leichtes Spiel." Leider hat er so ein bisschen recht.



P.S.: Ob wir das hier eigentlich noch mal erleben werden? Wollen?