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So war's in Köln: Die Prom-Queen wird nicht gefickt

Lana Del Rey live

Als befände man sich in Nordkorea, erregt jemand wie Lana Del Rey neben ihren zwei Web-Hits allein über die vergrößerten Lippen bisweilen schon bizarre Aufmerksamkeit. Das Phänomen kocht über, seine Protagonistin besuchte Köln.
Geschrieben am
12.11.2011, Köln, Gebäude 9

Dass Lana Del Rey aus New Jersey das Pop-Phänomen des ausgehenden Jahres darstellt, daran besteht nach ihren Deutschland-Auftritten nicht mehr der geringste Zweifel. Auf der langen Liste der aktuell stattfindenden Konzerte im Kölner Gebäude 9 findet sich bei nur einem Act der Zusatz »ausverkauft«. Ausschließlich bei Lana Del Rey war also Wochen vorher, zur Zeit des Posterdrucks bekannt, dass bereits alle Karten Abnehmer gefunden hatten. Begründet sieht sich dieser unzweifelhafte Fame dabei auf lediglich zwei Stücke (»Videogames« und »Blue Jeans«), die in Clipform einmal durch die ganze Social-Media-Welt rollen. Okay, unterschätze nie die Macht des Viralen – aber dennoch gibt der immense Zulauf doch einige Rätsel auf. Aber hier steht sie nun. Ihr Erscheinen möge Aufschluss geben.

Die Beamer-Action, die ihre Songs untermalt, wird auf zwei riesige Ballons projiziert. An ihrer Seite eine tighte Band, die größtenteils wirkt, als hätte man Run DMC in einer Schnapslaune dazu gebracht, rockig bis mitunter mal funkiges Backing zu machen, das sich vor allem aber über Bescheidenheit definiert. Denn der Star ist Lana. Und die braucht nicht viel, um zu scheinen. Kaum Gesten, nur den Charme hat sie voll reingedreht. Sie wirkt mit ihrem aufgepufften Hairstyle wie die Prom-Queen von nebenan. Also gleichermaßen schön und modelliert wie aber auch extrem nahbar, ja fast kumpelig. Vereinzelt brüllen Männer - offenbar von jenen beiden lasziven Videos und der damit einhergehender Vorfreude aufgepeitscht – unverständlich Obszönes. Doch deren ekelhafte vom Fickwunsch zerfurchte Fressen können den Abend nicht besudeln. Denn die Prom-Queen macht selbst die Regeln und geht beim ersten Date natürlich nicht über Second Base.

Der theatralische Pop-Spuk, der immer wieder an klassischen 007-Soundtrack erinnert und zwischen Erhabenheit und hübscher Depression (»Born To Die«) flimmert, der ganze Spuk ist dann auch schnell wieder vorbei. Etwas mehr als eine halbe Stunde ist Lanas Programm erst schwer. Aber es wird sicher mit der Zeit mehr werden - alles, was mit ihr zu tun hat, wird die nächsten Monate (das Debüt-Album erscheint im Februar) sehr viel mehr werden. Davon sieht sich das Publikum heute bereits überzeugt. Denn auch wenn das Konzert noch nicht die ganz große Pop-Messe gewesen war, ist Lana doch auf dem Weg dahin, genau diese bald den internationalen Charts lesen zu können.

Nach der kompakten Show steht Lana noch ewig draußen in der Kälte rum und lässt sich von und mit allen ablichten. Schwätzt, bedankt sich, gibt die Paraderolle des Stars zum Anfassen. Auch unsere Fotoredakteurin Martina Kix nutzt die Gunst – und stellt sich (wenn das Management im Vorfeld schon keinem Shooting zugestimmt hatte) mit Freundin zumindest mal neben die Künstlerin. So einfach kann’s plötzlich gehen.



 
Der komische Impuls, dass Frauen in der Öffentlichkeit so lüstern wie gleichermaßen streng über ihren Körper verhandelt werden, gerät bei Lana Del Rey vollends zur Farce. Die aufgespritzten Lippen erregen Widerspruch und Erektionen. Als wäre die Pop-Welt Nordkorea und ausgestellte Weiblichkeit eine völlig rationierte Ressource. Um die ganze Paternalisierung und Objektifizierung hier mal in ihre Schranken zu weisen: Lanas Lippen sahen live völlig normal aus. Regt euch alle bitte ab, ist ja schon peinlich. Was soll die Prom-Queen nur denken? Na, die ist darüber ja erhaben und singt im letzten Stück versöhnlich »Kiss me on my open mouth«.