×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war's in Köln: Ausverkauft und restlos glücklich

Honig live

Der Singer/Songwriter Honig und sein musikalischer Freundeskreis verkaufen das Kölner Blue Shell aus.
Geschrieben am
22.10.2012, Köln, Blue Shell

Das Jahr 2012 läuft gut für den Düsseldorfer Singer/Songwriter Stefan Honig. Nachdem sein aktuelles Album »Empty Orchestra« Ende September beim Festival-Ableger Haldern Pop erschien, steht nun die erste Headliner-Tour mit Band an. In Sachen musikalischer Komplizenschaft kann sich Honig auf den Freundeskreis verlassen, weshalb es wenig verwundert, dass die Band schon am Premierenabend im Kölner Blue Shell bestens eingespielt wirkt.

Aber der Reihe nach. Fangen wir damit an, dass sich bereits eine Stunde vor Konzertbeginn eine Schlange vor dem Club aufgereiht hat. Wer keine Vorverkaufskarte sein eigen nennt, erfährt nach minutenlangem Warten jedoch, dass die Abendkasse restlos leer ist. Ausverkauftes Haus, was im Fall des Blue Shell etwa 180 zahlende Gäste sein dürften. Eine amtliche Ansage für einen Tourauftakt, was auch der Support-Act Hello Piedpiper sichtlich erstaunt kommentiert, als er für sein halbstündiges Set die kleine Bühne betritt. Den Kölner Fabio Bucket könnte man auch als Sänger der Indie Pop-Combo Stereo Inn kennen, heute Abend widmet er sich allerdings, wie schon das ganze laufende Jahr, seinem Soloprojekt. Klanglich grob einzuordnen im Vermächtnis von Woody Guthrie und dem Frühwerk Bob Dylans, strickt Hello Piedpiper seine Songs aus sanftem Gesang und reduziertem Einsatz der Loop-Maschine. Man versteht schnell, warum der Singer/Songwriter in der jüngeren Vergangenheit mit Billy Bragg oder Bill Callahan die Bühne teilen durfte.

Um kurz nach halb zehn ist es dann soweit. Bis in den letzten Winkel des Blue Shell drängen sich die Menschen und fünf von ihnen bahnen sich einen Weg von der Backstage-Nische durch die Massen bis ins Scheinwerferlicht. Honig und Band starten gutgelaunt und lassen schnell spüren, dass sie Lust haben, diesen Konzertabend zu etwas besonderem zu machen. Die Chemie zwischen Bühne und Publikum passt vom ersten Lied an. So was nennt man wohl familiäre Atmosphäre. Kleinere Verspieler werden mit breitem Grinsen kommentiert und als im Verlauf des Auftritts ein Kapodaster unauffindbar ist, steigt kurzerhand ein Freund von Gitarrist Martin Hannaford auf die Bühne, um als Unterstützung die Saiten per Hand zu greifen. Heute kann anscheinend nichts schiefgehen.

Honig spielt das aktuelle Album in Gänze und baut zudem zwei neu arrangierte Stücke vom 2008er Debüt »Treehouse« sowie eine harmonische Coverversion des Sufjan Stevens-Songs »John Wayne Gacy Jr.« ein. Nach über einer Stunde endet das reguläre Set unter großem Jubel, was Stefan Honig dazu veranlasst, ohne lange Wartezeit einige Zugaben folgen zu lassen und Mutmaßungen über ein zweites Kölner Gastspiel am Ende der Tour anzustellen. Den Menschen, die heute Pech an der Abendkasse hatten, wird diese Aussicht gefallen. Alle anderen kommen ohnehin gerne wieder.