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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

So war's In Dortmund: The sound of silence

Alexi Murdoch live

Saisonfinale in Dortmund. Zum Ausklang der Spielzeit 2011/2012 durfte noch einmal der feinere Zwirn aus dem Schrank geholt und das Bier am Büdchen gegen den geselligen Umtrunk im Foyer des Dortmunder Konzerthauses getauscht werden .Bitte nehmen Sie Platz und tauchen Sie ein in die sphärischen Klangkompositionen des schottischen Singer/ Songwriters Alexi Murdoch.
Geschrieben am
01.06.2012, Dortmund, Konzerthaus

Zunächst einmal sollte man an dieser Stelle jedoch  den unbändigen Ehrgeiz und die Akribie der Verantwortlichen der „Pop- Abo“ Reihe nicht unerwähnt lassen, denen es im mittlerweile siebten Jahr gelingt, Künstler von internationalem Format in diese doch  eher genreuntypische Spielstätte zu holen. Anspruchsvoller Akustik- Pop in stilvoll gediegenem Ambiente  fernab der klassischen Clubtour, das ist eine Symbiose, die sich bewährt hat und nicht zuletzt  als weiterer Beleg dafür dienen mag, dass eng gestrickte, antiquierte Genregrenzen in der  zeitgenössischen Popkultur mehr und mehr verwischen. Heute also steht Murdoch auf dem Spielplan und versteht es in unnachahmlicher Manier, der Stille des weitläufigen Saals eine intime Dringlichkeit zu verleihen. Zugegeben – es hatte schon etwas von einer  sakralen Erscheinung: Murdoch, allein in Scheinwerferlicht getaucht, erfüllte die ganze Bühne allein mit seiner erhabenen Aura. Mit sparsam reduzierten Mitteln erreichte der Wahl-New Yorker eine sphärenartige Transzendenz, der sich das andächtig lauschende Publikum kaum entziehen konnte. Neben allerlei Effektgeräten bedient er an diesem Abend virtuos Gitarre, Klavier, Miniharmonium und funktioniert kurzerhand eine Geige zur Ukulele  um.

Ein Mann der großen Gesten ist Alexi Murdoch aber trotzdem nicht. Im Gegenteil, sympathisch entrückt intonierte er mit sonorem Timbre die Songs seiner bisherigen zwei Alben, die trotz aller Ruhe eine Intensität versprühen, die in der heutigen Liga gitarrenschulternder Liedermacher konkurrenzlos erscheint. Nur folgerichtig wird in diesem Kontext dann gern die Referenzkarte »Nick Drake« gezogen. Zu Recht, würde sich der selige Proto-Melancholiker angesichts der ergreifenden Schönheit der Songs eher anerkennend aus dem Grabe erheben, statt sich verächtlich in selbigem umzudrehen.  90 Minuten, die Wirkung hinterlassen haben. Beinahe surreal sind sie vorbeigezogen. Und dann, mehreren begeistert geforderten Zugaben, ist da wieder dieser kurze Moment der Stille: Die Lichter gehen an, zurück im Hier und Jetzt. In Dortmund fiebert man bereits einer weiteren berauschenden Spielzeit entgegen. Auch jenseits des grünen Rasens.