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»Five Stars Out Of Five«

So war es bei den Arctic Monkeys in Berlin

Am Dienstag spielten unsere Titelhelden Arctic Monkeys das erste von zwei Berlin-Konzerten in der Columbiahalle in Berlin. Wer Sorge hatte, Alex Turner würde nun nur noch Balladen croonen und mit einem Whiskeyschwenker in der Hand über die Bühne schreiten, kann sich beruhigen. Es war – Spoiler – ein verdammt gutes Rockkonzert, obwohl senfgelbe Sakkos und maulwurfhügelbraune Hemden getragen wurden. Daniel Koch war Ort.

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Die Arctic Monkeys geben in unserer Titelstory recht offen zu, dass man es jeden Tag bereue, diesen etwas albernen Bandnamen gewählt  zu haben. Was zwar verständlich ist, aber meiner Meinung nach unangebracht, da es die Band über die letzten Jahre geschafft hat, Arctic Monkeys als Marke zu etablieren und diese Worte für mich völlig von ihrer eigentlichen Bedeutung zu entkoppeln. Ich werde jetzt also – auch wenn es mir in den Fingern juckt – nicht schreiben, dass sie arktisch cool seien oder das Alex Turner später beim Hit mit dem Dancefloor (ihr wisst schon) albern mit den Armen wedelt, als sei er ein Zooaffe, der darum buhlt, dass ihm der Pfleger endlich eine Banane zuwirft. »Bear with me, man, I lost my train of thought ...« Worauf wollte ich hinaus? Ach ja: Auf der Bühnenwand steht in großen Leuchtbuchstaben nur der zweite Teil ihres Namens: Monkeys. Ob das der erste Schritt einer neuen Branding-Kampagne ist, bei der man sich am Ende in einigen Jahren des arktischen entledigt? Wir werden sehen.

Nachdem Cameron Ivery, der schon am aktuellen Album der Monkeys beteiligt war, den Abend mit seinem Soloprojekt souverän eröffnet hat, entern Alex Turner und seine Mannen um kurz nach neun die Bühne. Der Jubel ist von Anfang ohrenbetäubend – ungewöhnlich für Berliner Verhältnisse – was natürlich am sehr internationalen und ergebenen Publikum liegt. Wer sich fragte, wie man den opulenten Sound von »Tranquility Base Hotel & Casino«, auf die Bühne bekommt, kriegt eine ebenso opulente Antwort: Beim Opener »Four Out Of Five« stehen und sitzen insgesamt neun Mann auf der Bühne. Ich könnte und sollte an dieser Stelle über den Herrenausstatter der Band sprechen, aber hier geht es ja um die Musik und nicht um die schrecklichen Sakkos und Hemden, die dazu getragen werden – von den Hosen gar nicht zu reden. Und die ist  - also die Musik jetzt – schlichtweg fantastisch. »Take It Easy For A Little While / Come And Stay With us«, croont Turner souverän und wenig später singt die ganze Halle: »It Was Well Reviewed / Four Stars Out Of Five / And That's Unheard Of.«

Ich habe immer noch die Vision, dass Alex Turner dieses seltsam-schöne Album eines Tages solo in den schönsten Bars der Stadt vorträgt, an einem Piano sitzend, die Nummer der »Martini Police« auf Kurzwahl und zwischen den Songs Geschichten aus seinen wilden L.A.-Zeiten und von etwaigen Hotelzimmerdepressionen erzählt. Bis dahin nehme ich aber zu gerne mit Abenden wie diesem Vorlieb. Voller Sound, eine nach wie vor tolle Kernband und eine Setlist, die alle Phasen der Band bedenkt. So lesen sich die ersten Stationen wie eine Ansage, was man so kann und schon so alles gespielt hat.

Gleich nach »Four Out Of Five« folgen »Do I Wanna Know« und das frühe »Brianstorm« und ich frage mich, wann es eigentlich passiert ist, dass man bei den Monkeys nun auch die Gitarrenriffs mitsingt, wie man es sonst nur von »Seven Nation Army« kennt? Das Publikum ist kurz ganz Grölen und Pogo, lässt sich dann aber ebenso willig in ein eher auf den Unterleib zielenden Groove ziehen, während Turner warnt: »Don't Sit Down 'Cause I've Moved Your Chair«. Bei »Why'd You Only Call Me When You're High?« folgt die nächste, offensichtliche Reaktion des Publikums und allein in meiner Nähe stecken sich drei Leute eine fette Tüte an. Die Anzahl der Bühnemusiker schwankt bei all dem zwischen fünf und acht und pendelt sich meistens bei einer Sieben ein.

Mit Liedern wie »505« und dem zuvor genannten beweist Turner dann recht schlüssig, dass die Musik, die er zur Zeit schreibt, nicht unbedingt ein Bruch oder Ausbruch ist, sondern eher eine logische Weiterentwicklung, die man schon in vielen älteren, langsamen Stücken spüren kann. Überhaupt: dieser Alex Turner. Mal ganz abgesehen davon, dass er sich als Songwriter unfassbar entwickelt hat, über die Jahre, muss man ihm zu gestehen, dass er mittlerweile auch ein veritabler Rockstar ist. Ich hoffe zwar immer noch, dass er einige der Posen, die er drauf hat, nicht ganz ernst meint. Aber wer es schafft, nur mal den Elvis-Pelvis kreisen zu lassen, um die Meute zum Johlen zu bringen, um danach mit dem Mikrokabel in der Hand und dem sehr weit offenen Hemd (ca. fünfter Knopf) über die Bühne zu schreiten und einen irren, genialen Text wie den von »One Star Perspective« zu singen – den kann und soll man schon mal Rockstar nennen.

Am Ende der Show, die diese gesamte Band mit sichtbarem und hörbarem Spaß gespielt hat, tropft der Schweiß von der Decke, was nach »Crying Lightning«, »Snap Out Of It« und einem vergnüglich in die Länge gezogenen »R U Mine?« kein Wunder ist. Was an dieser Stelle natürlich nur ein abschließendes Fazit erlaubt, »frei« nach Alex Turner: »It Was Well Reviewed / Five Stars Out Of Five / And That's Unheard Of.«

Setlist des Abends:

  •     Four Out of Five
  •     Do I Wanna Know?
  •     Brianstorm
  •     Don't Sit Down 'Cause I've Moved Your Chair
  •     Why'd You Only Call Me When You're High?
  •     505
  •     She Looks Like Fun (mit Cameron Avery am Klavier)
  •     The Hellcat Spangled Shalalala
  •     I Bet You Look Good on the Dancefloor
  •     Cornerstone
  •     One Point Perspective
  •     American Sports
  •     Arabella
  •     You're So Dark
  •     Pretty Visitors
  •     Knee Socks
  •     One for the Road
  •     Crying Lightning (Zugabe)
  •     Snap Out of It (Zugabe)
  •     R U Mine? (Zugabe)

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