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So war der Sonntag: Iggy, my ass

Greenville 2012

An Tag 3 in Paaren bei Berlin wird dank Iggy Pop und Dizzee Rascal endlich die Stimmungsschallmauer durchbrochen und letzten Endes doch ein positives Resumee gezogen.
Geschrieben am

Auch nach dem deftigen Regen am Sonntagmittag ließ sich das Gelände des Greenville Festivals in Paaren im Glien nicht verwüsten. Auch wenn sich der eine oder andere Besucher sicher eine Schlammlandschaft gewünscht hätte, um endlich die nötige Festivalatmosphäre zu fühlen, blieb diese aus und die große Wiese trocknete innerhalb einiger Sonnenminuten.

Pünktlich zum Ende des Regens trat um 16 Uhr 30 zur vergleichsweise frühen Stunde Cro auf die Bühne und versuchte mit seinen Live-Tricks, die zahlreich erschienenen Besucher zum Mitgehen zu bewegen. Ob es nun am recht hohen Altersdurchschnitt oder den geknickten Gemütern lag ist eigentlich egal, das Publikum wollte nicht so recht tun, was Cro ihm befahl. Trotz seiner niedlichen Aufforderung zog niemand seine Klamotten aus und propellerte damit über seinem Kopf rum und auch bei der Publikumsversion von »Easy« blieb es eher leise, so dass Cro dann doch selbst ran musste.

Die Donots betraten anschließend die gleiche Bühne und konnten ebenfalls trotz ergebenster Bemühungen, die kleine Menge zum Moshpit zu bewegen, keine wirkliche Stimmung auslösen. Sänger Ingo versuchte es schließlich mit Anti-Hipster-Parolen und zu guter letzt sogar mit einem Hutwechsel, bevor etwa nach der Hälfte des Sets endlich einige Zuschauer begannen sich zu bewegen.

In der stickigen Halle spielten den Nachmittag über Fuck Art, Let's Dance aus Hamburg, die zwar ein außerordentlich süßes Set an den Tag legten, aber aufgrund der unerträglichen Luft in der fensterlosen Halle fast alleine waren.

Gegen Abend bekannten dann auch die ersten Turbonegro-Fans Fahne, Jeansjacke und Matrosenmütze. Vor der Mainstage war es trotz einer mehr als soliden Leistung von Hank von Helvete-Ersatz und Turbojugend London-Präsident Tony Silvester so schaurig leer und emotionslos, dass nach einigen Songs selbst Turbojugend-Mitglieder in Richtung Fressbuden verschwanden.

Als bei Einbruch der Dunkelheit Dizzee Rascal die Second Stage eroberte, passierte endlich das, worauf viele Zuschauer das ganze Wochenende über gewartet hatten: Ob es an der Magie des Augenblicks lag oder doch eher daran, dass die Zuschauer in der Hoffnung auf wenigstens einen letzten guten Abend ihr gesamtes Restgeld am Cocktailstand investiert hatten, ist zwar unklar, aber um kurz nach 21 Uhr sprang dann endlich ein Funke über. Dizzee gröhlte »Bonkers« und auf ein Mal waren alle glücklich, sprangen und tanzten.Beim Headliner-Gig von Legende Iggy Pop und seinen Stooges war dann auch die Mainstage im Vergleich zu den Vortagen recht gut besucht. Wer keine Lust auf Festival hatte, musste sich den Iggy & The Stooges Gig nicht zwangsläufig entgehen lassen. Die Tagestickets gab es schon für 45€, ein Preis den viele zu zahlen bereit sind, um Iggy Pop live zu erleben. Trotz seiner stolzen 65 Jahre, die man ihm weder ansieht noch anmerkt, war der oberkörperfreie Iggy so damit beschäftigt, in der Menge zu baden, mit dem Publikum auf der Bühne zu tanzen und seine Hüfte zu verdrehen, dass er glatt vergaß, seine Solo-Songs »The Passenger« oder »Lust For Life« zu spielen, nach denen die Menge so verlangte. Iggy war jedoch nicht solo unterwegs und spielte daher wohl aus Prinzip nur Stooges-Songs.

Und das war die Geschichte von Iggy Pop, der ein mittelmäßiges Festival im letzten Moment in ein Wochenende verwandelte, das man so schnell nicht vergessen wird. Iggy, my ass.