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So war der Samstag: Trotz der Gebrechen

Roskilde 2011

Am Ende stand nur noch der Rollstuhl: Odd Future Wolf Gang Kill Them All befeuern mit der wohl meistbeachteten Show des Samstags ihren Hype, und das trotz des Fußbruchs ihres Vorstehers Tyler, The Creator Mitte Juni in Los Angeles. Man kann schließlich auch problemlos sitzend Frechheiten ausspucken.
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Selten hat sich ein Mann im Rollstuhl derart feiern lassen wie Tyler, The Creator, als er nach dem Intro als regelrechter Main-Act der Odd-Future-Show auf die Bühne kurbelt. Er kann sich das erlauben, schließlich hat die rasant steigende Popularität selbst die Veranstalter des Roskilde Festivals überrascht, die sich genötigt fühlten, den Act wenige Wochen vor Festivalstart auf einen Slot auf einer größeren Bühne zu tauschen. Und selbst der ist zu klein, Spätgekommene müssen sich weit hinten einreihen und sehen nicht, wie Tyler schließlich sogar Fans in Wolfkostümen auf die Bühne zieht und mitfeiern lässt. Natürlich bleibt er trotz der Ovationen verdammt lässig, aber ein wenig weich dürfte sein Herz trotzdem geworden sein.

Während die holländischen DIY-Legenden The Ex auf der Pavilion-Bühne einen ganzen Nachmittag kuratieren dürfen und ihn mit viel visionärem Wahnsinn füllen, spielen in der Arena TV On The Radio. Kaum jemand hätte erwartet, dass sie nach dem Krebstod ihres Bassisten Gerard Smith so schnell wieder auf die Bühne kommen würden. Ansagen zu dem Thema bleiben aus, ihr düster pressender Soul, der sogar ein paar zeitweise einfallenden Sonnenstrahlen trotzt, sagt alles. „Starring At The Sun“ gelingt mit der mit Tour-Bassisten und -Posaunisten angetretenen Band massiv. Sicher eines der atmosphärischen Highlights des Festivals.
 
Das schon den ganzen Tag über dem Festival drohende Gewitter kommt dann wenig später, direkt nachdem die Arctic Monkeys die Hauptbühne Orange-Stage verlassen haben. Die Tropfen prasseln aufs Zeltdach der Cosmopol-Stage, nicht ganz passend zum filigran souligen Dubstep James Blakes. Dessen Show ist überragend besucht, passt aber nicht so recht in einen Outdoor-Rahmen, auch wenn er versucht, seine Stücke mittels ein paar sacht einsetzender Salsa-Rhythmen aufzupeppen. Als der Regen endet, ist es Zeit für die Sonnenbrille des Tages: Julian Casablancas und seine Strokes spielen ihre Best-of-Show mit nach wie vor gut funktionierenden Songs und der hübsch nöligen Stimme. Was Casablancas nach wie vor nicht so gut gelingt, ist Interaktion mit dem Publikum. Seine Witze kommen unsicher, sein gepfiffenes „Winds Of Change“-Thema in Dänemark irgendwie unpassend. Andererseits – ist auch irgendwie sympathisch so.

Spät am Abend, der Regen hat gemeinsam mit den wild tanzenden Congotronics vs. Rockers, einer Kollaboration von afrikanischen Künstlern mit westlichen Acts wie Deerhoof, Juana Molina und Skeletons, sogar die harten dänischen Böden matschig bekommen, erwarten Tausende noch zwei der Publikumshighlights. Deadmau5 entfachen einen riesigen Rave vor der Orange-Stage und beglücken die Dänen mit einem Überraschungsauftritt der Sängerin Medina, die hierzulande ein Star und mittlerweile auch in Deutschland gechartet ist. Und Lykke Li zeigt mit schwarzem Schleier, ausdrucksstarken Tänzen und Rasseleinlagen ihre artifizielle Seite. Zu dieser Zeit ist der Sieger einer der vielen schrulligen Einlagen rund um Roskilde, des „Naked Race“, schon längst mit seiner Trophäe in der Schlafkoje: Ein Däne namens Hans Christian Andersen (tatsächlich!) gewann das traditionelle Nacktrennen gegen etwa 50 Konkurrenten zum dritten Mal in Folge.
 
Am Sonntag endet das Festival in Roskilde mit Auftritten von u.a. Janelle Monáe, Battles und den Kings Of Leon.