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So war der Melt! Freitag: Mit Robyn, Paul Kalkbrenner und vielen mehr

Du, letzte Nacht und die Mainstage

Er war das Highlight des Freitags: Techno-Star Paul Kalkbrenner, vor Jahren noch Berliner Geheimtipp, sorgte mit seinem Set für Ekstase vor der Hauptbühne. Der Siedepunkt eines langen Abends.
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Die Erfolgsgeschichte von Paul Kalkbrenner, der gestern vor Boys Noize als Vorletzter auf der Bench Main Stage auftrat, ist auch die Geschichte des Siegeszuges von Techno quer durch alle Schichten. Noch vor wenigen Jahren galt er als Berliner Geheimtipp für melodiösen Sonntagnachmittag-Techno. Heute füllt er Stadien. „Icke Wieder“, sein achtes Album, verpasste im Juni nur knapp die Nummer 1 der deutschen Albumcharts. Der Auftritt beim Melt! wurde so schon im Vorfeld als einer derer mit dem größten Publikumsandrang aller Zeiten vermutet. Sicher ist: Er wurde der mit der härtesten Vierviertel-Bassdrum, die diese Stage je erlebt hat. Kalkbrenner begann sein Set zunächst unprätentiös. Pünktlich auf die Minute betrat er um 2 Uhr die Bühne. Stadiontechno als Religion – ein Leitsatz, dem die vielen Tausend Zuhörer des Auftritts, der zu Redaktionsschluss noch andauerte, gerne folgten.

Neun Stunden zuvor. Die Festivaltore waren seit knapp drei Stunden geöffnet, der Himmel hatte sich – ohne Folgen – gefährlich zugezogen, und die ersten Bands machten sich bereit für ihren Auftritt.

Unter ihnen, als erster Act auf der Hauptbühne, auch We Have Band. Punkt 17 Uhr betrat das Trio, bestehend aus dem Ehepaar Dede und Thomas WP sowie Darren Bancroft, vor die schon ungeduldig wartenden ein- bis zweitausend Zuhörer aus zahllosen Nationen. In der Folge zelebrierten die ehemaligen Angestellten einer großen Plattenfirma, die den Job für die Musik an den Nagel gehängt hatten, ihren akzentuierten Indie-Rock. Der klang kurzweilig und wie eine konsequente Mischung aus den Rocktrends der vorangegangenen Dekade. Bisweilen sogar wie deren Haupteinfluss – nach einer besser gelaunten, verspielteren Dance-Punk-Version von Joy Division.

Weitaus kontroverser wurde nach 20 Uhr beim Auftritt von Swans im Publikum diskutiert. Kein Wunder: Mit den Swans gab es die erste Geschichtsstunde beim diesjährigen Melt!-Festival, das sich die New Yorker No-Wave-Band ganz selbstbewusst auf der Hauptbühne leistete. Die experimentierfreudigen alten Männer, deren Sound unter Musiknerds bis heute als zitierfähig gilt, bewiesen, dass man auch im Alter würdigen Spaß am Krach haben kann. Publikum und Band standen einander bisweilen zwar ratlos gegenüber. Aber beide gaben sich redliche Mühe, die Kluft zu überwinden. Einige beschlagene Musikfans freuten sich dafür umso mehr.

Bei den süffigen Arrangements der neuseeländischen Elektro-Pop-Band The Naked And Famous strahlte dann ab 21.30 Uhr passend zur einsetzenden Dämmerung endlich das Licht auf der Hauptbühne intensiv. Die in Deutschland vor allem mit ihrer „Young Blood“-Single über die VIVA-Trailer bekannt gewordene Band, genoss spürbar ihre gestiegene Popularität. Das Publikum, das bewiesen auch die vielen Tausend Zuhörer gestern Abend, hat sich für die Band in den letzten Monaten vervielfacht. Spätestens jetzt, bei der Show der Band um Sängerin Alisa Xayalith und Gitarrist Thom Powers, hatte die Hauptbühne Betriebstemperatur.

Es ist erst wenige Jahre her, da spielte Robyn in Deutschland noch Clubkonzerte vor wenigen Hundert Zuhörern. Das, und daran ist auch das Melt!-Festival Schuld, das die 32-Jährige schon mehrfach buchte, ist längst Geschichte. Sie veröffentlichte, befreit vom Druck großer Plattenfirmen, auf ihrem eigenen Label Konichiwa Records mehrere erfolgreiche Alben, tourte im Vorprogramm von Madonna und landete 2007 mit ihrer Hymne „With Every Heartbeat“ einen Nummer-1-Hit in England. Der erwartete Selbstläufer war auch ihr Konzert gestern zur Primetime. Punkt 0:33 Uhr folgte die zierliche Robyn ihren zur Gänze in weiß bekleideten Mitmusikern auf die Bühne. Darunter auch gleich zwei Schlagzeuger. Mit schwarzer Sonnenbrille begann sie ihr Set mit „Fembot“, einem der stärksten Stücke ihres Dreifach-Albums „Body Talk“. Es folgten nahezu alle von den Zuhörern erwarteten Stücke. Etwa „Dancing on my own“, „Call Your Girlfriend“ und – natürlich als krönender Abschluss gegen 1:25 Uhr „With Every Heartbeat“. Dann, das Feld war endgültig bestellt, kam endlich die Zeit von Paul Kalkbrenner.


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