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So war der Freitag: Neues aus den Nischen

Haldern Pop Festival 2012

Das Haldern Pop glänzt auch am Freitag mit perfektem Festivalwetter, seinen ureigenen Geschichten und einer Reihe eigentlich kleiner Bands, die hier ganz groß auftrumpfen.
Geschrieben am

Einer der durchaus zahlreichen Aspekte, die das Haldern Pop so speziell machen, sind seine vielen kleinen Geschichten, die im Mahlstrom der kanalisierten Newsproduktion sonst nie einen Platz finden würden. Von einer dieser Geschichten erzählte gestern, beinahe im Vorübergehen, ein echtes Haldern-Faktotum, der Radiomoderator Klaus Fiehe. Kurz zuvor war er im ortsansässigen Keusgen Tonstudio gewesen, das an das Campinggelände angrenzt, das aber erstmals als Nebenbühne beim Haldern Pop genutzt wurde: Er sah dort einen Act mit dem wenig Glam versprühenden Namen „Helmut“, der einmal mehr die Spürnase der Festivalbooker unter Beweis stellte: Ein Ex-Straßenmusiker mit ungeklärter Herkunft, der mit seinen geloopten Gitarren das ganze Studiopublikum begeisterte und bisweilen sogar an Owen Pallett erinnerte. Ein Name, den man sich merken sollte – zuerst gesehen in Haldern.
 
Überhaupt bietet das Haldern seit jeher einen sehr fruchtbaren Clash aus ganz klein und ganz groß. Auf der einen Seite steht ein Act wie zum Beispiel Honig, ein neues Signing des festivaleigenen Labels. Ein Düsseldorfer Folk-Musiker, der zehn Jahre lang als reiner Fan und Besucher zum Haldern Pop kam und nun am Samstag das erste Mal hier auftreten wird. »Ich habe immer gedacht, dass es für mich das größte wäre, einmal im Spiegelzelt beim Haldern aufzutreten. Dass das jetzt war wird, macht mich unglaublich nervös und unglaublich glücklich« sagt er inmitten des von ihm mit seiner Band und seinen Freunden okkupierten Campingareals. Auf der anderen Seite ein Act wie Two Door Cinema Club, die geradewegs aus Spanien anreisen, bevor es ein paar Stunden später weiter zum Sziget nach Budapest gehen soll. Vor gut zwei Wochen sang ihr Frontmann Alex Trimble noch bei der Eröffnungsfeier der olympischen Spiele – und »wir durften es niemandem verraten, nichtmal unseren Familien«, wie TDCC-Bassist Kevin Baird am Rande eines noch nicht abgeernteten Maisfelds erzählt.
 
Auch musikalisch ist das Haldern Pop insofern besonders, dass hier vermeintlich kleine Bands eine Aufmerksamkeit bekommen wie sonst nirgendwo. Dementsprechend entzückt ist ein Act wie Diagrams, das neue Projekt des Ex-Tunng-Mitgliedes Sam Genders, als ein proppevolles Spiegelzelt das Ende seines Konzertes mit dutzenden von Ballons zum quietschbunten Schlussakt werden lässt. Überhaupt funktioniert das Spiegelzelt nicht selten als Ovationsmotor für kleine Konzerte. Das muss auch Dan Mangan erleben, der letztes Jahr mit einem euphorisierenden Zeltkonzert zu den Gewinnern gehörte, und dessen Reiz dieses Jahr auf der Hauptbühne ein wenig verfliegt.

Gewinner des Freitags waren, wie auch schon beim Melt!, die jungen Briten des Two Door Cinema Club. Auch wenn ihr an Franz Ferdinand erinnernder Sound (auch auf dem kommenden Album »Beacons«) nur allzu sauber und stromlinienförmig scheint, begeistern sie beim Haldern eine Masse, die fast über das ganze Gelände reicht. Allerdings ist dieses auch im Vergleich zu den Vorjahren etwas kleiner, außerdem sind die Sicherheitsmaßnahmen deutlich rigider geworden – Folgen neuer Sicherheitsauflagen, denen sich das immer schon so friedliche Festival beugen musste und die teilweise zu langen Warteschlangen vor dem Eingang führen.
 
Das alles macht aber auch deshalb nichts, weil das Haldern Pop 2012 das Glück eine fast perfekten Festivalwetters hat: Komplett trocken, nicht zu kalt und nicht zu heiß – da wirkt die Schönheit des Niederrheins erst richtig und die Vorfreude auf den heutigen letzten Festivaltag mit Auftritten von Wilco, The Afghan Whigs, Patrick Watson und Grant Lee Buffalo ist noch mal ein wenig größer.