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So war der Freitag: Groß ist egal

Reeperbahn Festival 2011

Headliner? Wer braucht schon Headliner? Das Reeperbahn Festival backt sich seine Höhepunkte selber und ist dadurch unvorhersehbarer und spannender als die meisten Veranstaltungen dieser Art.
Geschrieben am

Egal, was für Auftritte man in einem Bericht über das Reeperbahn Festival hervorhebt – man kann sich sicherer sein als sonstwo, dass die eigene Auswahl höchst subjektiv ist und keinesfalls einem allgemeinen Medieninteresse entsprechen wird. Im Gegenteil: Die eigene Auswahl ist oft genug nicht einmal geplant und mit Bedacht ausgesucht. Wer würde schon einen Besuch in einem auf dem Spielbudenplatz parkenden amerikanischen Schulbus planen, um dort drin mit ein paar zusammengewürfelten Dutzenden anderer Passanten die holländische Ska-Band Bazzookas auf allerengstem Raum zu sehen? Oder irgendwelche Bands, die nach ihrem Club-Gig einen Auftritt auf dem Bürgersteig anschließen lassen? Es ist sicher nicht falsch, sich über das Festival treiben zu lassen und einfach zu schauen, was geschieht.
 
Falsch lag man am Freitag sicher nicht mit einem Besuch im Uebel & Gefährlich. Dort fand das Introducing @ Reeperbahnfestival statt, mit einem Line-up, das einige der namhafteren Bands des Festival aufwies. Neben einem nach mehreren Konzertbesuchen wieder mit neuen Kniffen ausgestatteten Apparat-Gig und einem höchst farbenfrohen und spielerischen Friendly Fires-Konzert richteten sich die Augen der professionellen Besucher besonders auf die Australier The Jezabels. Denen wird allgemein eine große Zukunft prognostiziert, und ihr eingängiger und gefälliger Folkpop mit weiblichem Gesang bringt auch alles mit, um schon bald große Hallen allein zu füllen.


 
Es sind aber auch nicht selten die Konzerte in den kleineren Hamburger Clubs, die größere Aufmerksamkeit erfahren als anderswo. Das psychedelisch dröhnende und keinesfalls leichte Sub Pop-Duo Moon Duo machte das Molotow komplett voll, in das Silber, in der die Ganglians nach anfänglichen Soundproblemen ein hübsch verschlafenes Set spielen, gibt es nach kurzer Zeit schon keinen Eintritt mehr. Und im Moondoo, einer geleckt aussehenden Diskothek, gibt das isländische Apparat Organ Quartet um Johann Johannsson ein wunderbar treibendes und mit vier in einer Reihe stehenden Synthesizern verteufelt an Kraftwerk erinnerndes Konzert. Egal wohin man kommt, ist es überall ganz anders, ganz eigen, ganz unvorhersehbar. Landläufige Festivalbühnen sind dagegen Abzüge eines immergleichen Bildes.