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So war der Donnerstag: Lustreise der Alten

Øya Festival 2011

Zweiter Tag beim Øya: Das Wetter lässt wider Erwarten keine Wünsche offen. Ganz wie Guided By Voices sagen: “Everytime we step onto the stage, sun begins to shine. I promise!” Heute kann ihnen niemand widersprechen.
Geschrieben am

Dieser Tag steht im Zeichen der Altrocker aus Cleveland, Ohio. Zumindest für die drei Handvoll Fans, die sich ihre Øya-Karte vor allem wegen dieser Band gekauft und sehnlichst auf deren erstes und einziges Europa-Konzert gewartet haben. Für Guided By Voices selbst scheint der Trip vor allem eine vergnügliche Kegelclub-Fahrt darzustellen. Vorher und nachher sieht man die grau gewordene Gang am Oslofjord entlang swaggen, sichtbar gut gelaunt und einander ständig stupsend und schulterklopfend. Dazu haben sie auch allen Grund, so schafften sie es, in ihren einstündigen Gig gefühlte 30 Hits zu packen und damit die gut gefüllten ersten Reihen vor der dahinter eher spärlich gefüllten Hauptbühne zu entzücken. Alt sind sie zwar geworden, die Männer, die Frontmann Robert Pollard als „Classic Line-Up“ für die Reunion-Tour um sich geschart hat. Ihren anarchisch-betrunkenen Charme und den Enthusiasmus haben sie aber nicht eingebüßt, und tragen ihn weiter stolz vor sich her.
 
Etwas miesepetriger schauen Hercules & Love Affair, als sie später am Abend vor ihrem Hotel diskutieren. Sie sind Opfer einer Fehlplanung, schließlich hat man sie am Nachmittag auf die kleine Indoor-Bühne des Øya gesteckt. Folgerichtig ist das Klubben-Zelt überfüllt, und ähnlich viele Leute stehen noch mal davor. Da hilft es auch nicht, dass die Glücklichen vor der Bühne die New Yorker feiern, als wäre Mitternacht schon vorbei.

Nachdem Janelle Monáe ihre tolle, aber schon mehrfach aufgeführte Funk&Soul&Kostüme in schwarzweiß-Show aufgeführt hat und die Fleet Foxes ohne Bärte gemerkt haben, dass einem Live-Set etwas mehr Druck im Vergleich zu den Album-Arrangements nicht schlecht tut, treten auf der kleinen Vika-Bühne andere alte Bekannte auf: die Texaner Explosions In The Sky. Einen Novelty Effect können die Gitarrenwall-Postrocker nicht mehr für sich verbuchen, außerdem ist ihr Stil mittlerweile ja nahezu überlaufen. Trotzdem zeigt ihr Set, dass EITS nicht nur die verstiegenste Performance im Genre haben, sondern auch die virtuosesten Arrangements. Sicher einer der Gewinner des Tages, auch weil sie ihre Fans im Anschluss geschmackssicher an Aphex Twin auf der Bühne nebenan verwiesen, die Lokalhelden Kaizers Orchestra auf der Hauptbühne aber ignorierten.
 
Da sich die Norweger ihre Heroen aber nicht madig machen lassen, ist es vor der Enga-Stage voll, bei Richard David James aber nur luftig gefüllt. Wie gewohnt steht der Ire hinter dem Pult alleine auf der Bühne, versteckt sich hinter hervorstechenden Visuals aus Zahlencodes und Laserfeuer und schraubt an seinen Sequenzern herum. Wie gewohnt feiert die eine Hälfte des Publikums den Mann mit den guten Kontakten zu Video-Clip-Regisseuren als Halbgott, während sich die andere halb genervt, halb gelangweilt abwendet.
 
Später am Abend, während der Øya Natt in den Clubs der Stadt, erwartet viele Festivalbesucher noch ein letzter Höhepunkt: The Antlers aus New York spielen im John Dee ein waviges und ausladendes Indie-Set, das ihren Sympathie-Faktor erhöht und die Klasse ihres gerade erschienenen Albums „Burst Apart“ unterstreicht. Wunderbar, um in die Nacht entlassen zu werden und den nächsten Tag zu erwarten.
 
Es geht weiter in Oslo. Heute spielen u.a. Noah & The Whale, OFF!, The Pains Of Being Pure At Heart, Lykke Li und Pulp.