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Exklusiv: Zwei Gewinnerinnen berichten

So war der Amsterdam Dance Event

Sabine Wendler und Katharina Rötler waren die Gewinnerinnen unser ADE-Verlosung und feierten sich am vergangenen Wochenende in Amsterdam die Nächte um die Ohren
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Sabine Wendler und Katharina Rötler waren die Gewinnerinnen unser ADE-Verlosung und feierten sich am vergangenen Wochenende in Amsterdam die Nächte um die Ohren - formidabel beschallt von z. B. den Audio Bullys, Trentemøller, Digitalism und Addictive TV. Hier ist ihr Bericht aus Amsterdam ...

Hallo Leute, von Norden bis Süden, von Osten bis Westen. Wir sind gerade in Amsterdam, das ist eher im Westen. Meine Freundin und ich sind so was wie die offizielle Undergroundpresse des Amsterdam Dance Event. Oder nennen wir uns eher Botschafter, denn der ADE hat uns eingeladen, damit wir uns das Ganze mal anschauen und darüber berichten - gemeinsam übrigens mit Botschafter aus acht anderen europäischen Ländern.

Der Amsterdam Dance Event ist eines der größten Clubfestivals Europas und bespielt von  Mittwoch- bis Samstagabend rund 40 Clubs in Amsterdam. Sage und schreibe 700 DJs stehen hier an den Turntables, um dafür zu sorgen, dass die Beats nur tagsüber mal ein paar Stunden ruhen. Damit auch die Besucher ruhen können. Das machen sie aber nur ein paar Stunden lang, denn der ADE bedeutet für einen Großteil der Besucher, dass man sich zwar gerne die Nächte um die Ohren tanzt, die Tage aber mit Meeten und Greeten verbringt. Im noblen Dylan Hotel und in den wunderbar heimeligen Räumen des Felis Meritis trifft sich nämlich tagsüber die Dance-Branche, treffen sich über 2.000 Booker und Künstler, Labelmacher und Journalisten, Clubbetreiber und auch Dance-Fans.

Was hier so trocken nach Business klingt, ist, wenn man es erst mal sieht, ein wunderbares Kuddelmuddel. Denn die Räume im Felis Meritis sind edel und gemütlich, das Treppenhaus dazwischen eng und heimelig, so dass man meist nicht lange suchen muss, wenn man sich hier mit einem Vertreter treffen will. "Ich hatte hier heute drei Meetings, hatte vorher haarklein per Mail abgestimmt, wie und wann und wo wir uns treffen und erkennen - und dann bin ich jedes Mal schon vorher in meinen Termin reingerannt sozusagen", erzählt Daniel Koch, der für das Intro-Magazin auf dem ADE ist. Aber gerade diese lockere Atmosphäre mache auch das besondere aus, berichtet er weiter. "Die Treffen sind spontaner und lockerer - nicht so steif. Und damit auch ergiebiger."

Das hat sich inzwischen auch herumgesprochen. Gijs Verburg, der als Mitarbeiter von Buuma Cultur das ADE mitorganisiert, berichtet bei unserer Begrüßung beinahe verwundert: "Das ist Wahnsinn da draußen. Die Leute drängeln sich fast vor den Eingängen. Wir haben extra mehr Räume gemietet, und sind trotzdem wieder ausverkauft."

Auch das Clubfestival, das zum ADE gehört, spricht dieselbe Sprache des Erfolgs. Das merken wir, als der Abend einbricht. Während das Abendlicht das wunderbare Amsterdam mit all seinen Kanälen und Grachten in eine wunderbar melancholische Stimmung taucht, drehen die Tanzenden langsam auf und bevölkern die Straßen. Aber auch die Einheimischen genießen die magnetische Anziehungskraft des ADE. Wir fragen einen jungen Mann, der sich vor dem Club Jimmy Woo in der Nähe des Leidse Plein in die Schlange stellt, wie er über den ADE denke. "Macht ihr Witze? Ich find's natürlich großartig! So viele internationale DJs auf einem Haufen - das gibt's nur einmal im Jahr." Und warum das Jimmy Woo? "Da geht's ab und trotzdem ist's gemütlich. Außerdem will ich mir hier heute von den Bässen Audio Bullys den Kopf massieren lassen."

Das Angebot in Amsterdam ist in diesen Nächten also riesig - das merken wir schnell. Und trotzdem kriegen wir schnell raus, dass es auch einen place to be gibt - die eine Party, auf die man am Donnerstagabend unbedingt hingehen sollte. Tja, und wir sind dabei. Ein netter DJ-Promoter, den wir bei unserem nachmittäglichen Schlendern über die Conference des ADEs kennen gelernt haben, hat uns zwei Gästelistenplätze angeboten, die er für den so genannten Network Bash übrig hatte. Fast wären wir gar nicht hingegangen, weil dieser Name so unsexy klang, aber als wir vor der Tür der Partylocation in der Prinsengracht stehen, wissen wir, dass wir genau richtig sind. Die Party war nämlich nicht nur so begehrt, weil es dort Free Drinks gibt, sondern weil sie in einer wahrlich außergewöhnlichen Location stattfindet. Einer Kirche! Außerdem scheint eine ganze Reihe holländischer Prominenz da zu sein - das würde zumindest erklären, warum die ganze Zeit ein Reporter des holländischen Fernsehsenders 1 Varo extravagant aussehende Leute interviewt.

Gegen elf Uhr schreiben wir fröhlich feiernd eine SMS an unsere Freunde, die den Abend eigentlich ganz wunderbar trifft: "Krass, feiern gerade in einer Kirche ohne Bänke, der DJ legt auf dem Altar auf, im Weihwasserbecken steht ein Bacardi-Becher und eine Heineken-Flasche und die Leute gehen zum Knutschen in den Beichtstuhl." Um Mitternacht schwirren die Leute in die Stadt, um in anderen Clubs weiterzufeiern. Die Nacht ist ja auch noch jung. Eher zufällig bleiben wir dabei, in Kirchen zu feiern. Wir beschließen, das Paradiso zu besuchen, ein Club, der auch in Deutschland einen sehr guten Ruf genießt. Was wir nicht wussten: Auch das Paradiso ist in einer ehemaligen Kirche. An diesem Abend drängen sich die Leute, um bei der Stella Polaris Party zu gar nicht unkühler Musik abzutanzen. Mit Trentemøller und Lulu Rouge hat man gleich zwei dänische Acts dabei, die uns genau richtig befeuern. Lulu Rouges düsterschweren Beats und ihre wunderbare Stimme lassen unsere Euphorie langsam hoch kochen, bevor uns Trentemøller mit seinen zärtlichhübschen und kundigen Händen in seinem DJ-Set zur Ekstase treibt. Es muss also nicht "God Is A DJ" heißen, sondern eher "The Priests Are The DJs". Oder so ähnlich …

Am nächsten Tag ist Sightseeing angesagt, nachdem wir erst einmal ein paar Stunden Extraschlaf brauchten. Das ist nämlich das gefährliche am ADE: Die Party reißt nicht ab! Nachdem wir den Nachmittag mit Grachtenschlendern und vielen Stopps in wunderbaren Cafés verbrachten, sind wir abends schon wieder fit, um uns in die Nacht zu werfen. Wir beschließen, zuerst in einer etwas abgelegenen urholländischen Kneipe einzukehren, um bei einem Bier oder einem Glas Wein über dem fast bibeldicken Programm des ADE-Festivals zu brüten. Das Buch liest sich wie eine wunderbare Menükarte für elektronische Musik. Als käme jemand an den Tisch und fragte: "Was darf's denn heute sein, junge Frau?" Wir entschließen uns am Ende für was Mächtiges. Drum'n'Bass also - kalorienschwere Bässe, die uns auch garantiert wach halten. Dieser "Menüwunsch" führt uns ins Melkweg, in dem wir glorios versacken.

Eigentlich wollten wir in dieser Nacht mindestens fünf Clubs schaffen, wir können mit unserem Band ja überall rein, wir wollten mindestens zu Paul van Dyk, Marcus Worgull und Greg van Bueren abtanzen - tja, und dann bläßt uns die Major League "Full on Vinyl"-Night einfach so an die Wand, dass wir hier gar nicht mehr weg können. Statt Terminhetze lassen wir uns von den Drum-and-Bass-Beats jagen und tanzen, bis uns um vier Uhr morgens die Kondition verläuft. Auf dem Rückweg durch die Amsterdamer Nacht, k.o., vergnügt und übervorsichtig, damit wir nicht in einen Kanal plumpsen, können wir gar nicht fassen, was für eine geile Zeit, wir hier gerade haben. Wir fallen ins Bett, fragen kurz, wie wir es schaffen sollen, morgen unseren Bericht abzugeben und schlafen mit einer letzten Frage im Kopf ein: "Und was machen wir morgen Nacht?"

Gut, dass man schon am nächsten Tag eine gute Antwort hat: Erst geht es am frühen Abend zu den Mash-up-Video-DJ-Artisten Addicte TV, die in einem kurzweiligen Set, Kinofilme remixen, Sportbilder mit Beats zerhacken und zum Beispiel Szenen aus Tarantino-Filmen mit einer Live-Aufnahme von "Another One Bites The Dust" zusammenbringen. Anlass der Party, die auch mal wieder "strictly guestlist", ist die Veröffentlichung eines Remixes zum Kinofilm "Max Payne" (Video siehe unten). Nach der wirklich tollen Show steht das Duo noch länger am Mischpult und zeigt Interessierten, wie sie arbeiten. Wir haben's als eher Feierende denn Musikmachende nicht so ganz verstanden, nur, dass sie mit selbst aufgemotzten Gerätschaften arbeiten. Anschließend geht es dann noch ein weiteres Mal in das Melkweg, weil uns da zu ganz später Stunden Digitalism erwarten - ein grandioses Finale eines tollen Wochenendes. Aber jetzt muss es erst mal ein wenig ruhiger zugehen…

Video: Addictive TV vs. Max Payne