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Premiere im Osloer Tøyenpark

So war das Øya Festival 2014

Der Umzug hat sich gelohnt: Das Øya Festival in Oslo bietet die gewohnten Vorzüge wie ein brillantes Line-up, nette Besucher und eine entspannt familiäre Stimmung ab sofort in einer unschlagbar schönen Location.
Geschrieben am
Kämen die Hobbits aus Norwegen, wäre ihr Auenland wohl der Tøyenpark unweit des Osloer Zentrums.

Die schöne Grünanlage neben dem Botanischen Garten nennt das Øya Festival heuer das erste Mal sein neues Zuhause.
  Doch auch vor dem Umzug hat sich das Festival seit seinem Debüt im Jahr 1999 den Ruf aufgebaut, eines der schönsten und angenehmsten Festivals Europas zu sein: ein hervorragendes, Genre übergreifendes Line-up eingebettet in eine entspannte Atmosphäre, wo ein Bier zwar zehn Euro kostet, ein sinnloses Besäufnis aber eh von niemandem angestrebt wird.   Das Eis ist am Mittwoch, dem ersten Festivaltag, spätestens gebrochen, als es sich die Leute bei The National im Abendlicht vor der Hauptbühne gemütlich machen. Und gemütlich ist das richtige Stichwort, denn egal wie voll es vor der Bühne ist, nirgends wird gedrängelt, Sanitätereinsätze sind die absolute Ausnahme und durch die Hügel hat jeder, sitzend oder stehend, einen super Blick auf die Bühnen.  Das Gelände ist nicht nur auffallend sauber, sondern wird regelrecht gepflegt und gehegt – und zwar von jedem. Das liegt wohl zum einen daran, dass die Veranstalter großen Wert auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz legen. Zum anderen kommen etwa 70 Prozent der Besucher direkt aus Oslo. Auch viele der Künstler haben keine weite Anreise, so spielen dieses Jahr neben norwegischen Exportschlagern wie Röyksopp und Todd Terje auch viele lokale Newcomer wie Highasakite, Janne Hea oder Bow To Each Other.

»Viele Bands aus Oslo und ganz Norwegen kennen sich untereinander und beim Øya trifft man immer Bekannte – Nur einer von vielen Gründen, warum das Festival etwas Besonderes ist. Abgesehen davon ist es eine Ehre, zwischen so vielen guten Bands schon um zweiten Mal spielen zu dürfen. Aber auch aufregend, denn beim ersten Mal kannte uns wirklich niemand. Jetzt ist der Druck schon etwas größer«, erzählt Marte von Highasakite.

Zwischen den schier unzählbar guten Shows, z.B. von Slowdive, Darkside oder der Engländerin Lulu James sind es zwei Acts, die ihrem Titel als Headliner alle Ehre machen. Nummer eins: Big Boi und Andre 3000 spielen am Donnerstagabend im Rahmen ihrer Tour zum 20-jährigen Outkast-Jubiläum pünktlich zum Sonnenuntergang. Von »B.O.B.« und »Aquemini« über »Ms. Jackson« bis hin zu »International Player’s Anthem«, dieses Set bedeutet Abriss und beim Mega-Hit »Hey Ya« werden rund zehn Norwegerinnen auf die Mainstage geholt, um zu zeigen, was sie unter »Shake it like a Polaroid picture« verstehen.
Nummer zwei: Das Heimspiel für Röyksopp, die nach bereits vorangegangener Zusammenarbeit im Frühsommer gemeinsam mit Robyn die EP »Do It Again« veröffentlichten. Die erste halbe Stunde dümpelt das norwegische Elektro-Duo eher als Vorprogramm vor sich hin. Das ändert sich schlagartig als Robyn in einer knappen, blau-grünen Sportwear-Kombo und den obligatorischen Plateauschuhen rausstürmt. Der Frauenanteil im Publikum erreicht seinen Höhepunkt und bei »With Every Heartbeat«, »Be Mine« und »Call Your Girlfriend« kennt gefühlt ganz Oslo jede einzelne Zeile. Die Show kulminiert nach fast anderthalb Stunden schweißtreibendem Tanz auf beiden Seiten, einem Kostümwechsel und einer Liasion zwischen Robyn und einem Roboter in Konfettiregen zu »Do It Again«.  

Im überschaubaren Oslo läuft man auch außerhalb des Tøyenparks immer wieder denselben Leuten über den Weg, frühstückt neben Robyn in ihren schwindelerregend hohen Plateau-Badeschlappen, sieht Joey Bada$$ abends vor dem Hauptbahnhof rumstreunen wenn er eigentlich schon bei der von ihm gehosteten Afterparty sein sollte oder trifft auf neue Bekanntschaften wie Fred Fades. Der HipHop-Produzent aus Oslo treibt sich auch abseits von seinem Gig in der Bibliotheks-Stage auf dem Øya rum: »Ich komme seit Jahren her und hatte 2014 jetzt zum ersten Mal die Möglichkeit, auch mal als Artist hier zu sein. Als jemand, der aus Oslo kommt, ist das Event eine große Sache und die Leute hier wissen gute Musik zu schätzen. Und obwohl das Festival schon recht lokal geprägt ist, ist das Øya wegen seines Rufs ein guter Ort, um auch international Aufmerksamkeit zu erwecken.«  

Bleibt eigentlich nur noch eines zu sagen: Takk Øyafestivalen, det var virkelig flott!