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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Aufforderung zur Entdeckung

So war das Open Source Festival 2018

Auch in diesem Jahr brachte das Düsseldorfer Open Source Festival Dinge zusammen, die eigentlich nicht zueinander passen, und wirkte dabei trotzdem mehr als stimmig. (Foto: www.sebastianwolf.photo)

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Zweifelsohne gehört das Knacken und Überschreiten von Genre-Grenzen in der Festival-Landschaft gegenwärtig zu den prominenten Erfolgsformeln. Doch so konsequent, wie es das mit 7000 Besuchern noch recht gemütliche Düsseldorfer Eintages-Festival Open Source umsetzt, trauen sich das die wenigsten Veranstalter: Unter der wegen Größe und Spielzeit zwangsläufig überschaubaren Anzahl an prominenten Namen im Line-up hat kein Act mit dem anderen mehr gemein als die wenigen üblichen Zufallsüberschneidungen. Das ermöglicht für den Besucher ein Maximum an Vielfalt innerhalb von kürzester Zeit – allein muss er/sie auch dafür bereit sein.

Das stellt ein Risiko dar, das die Open-Source-Macher gerne in Kauf zu nehmen bereit sind. Denn sie vertrauen in ihr Angebot, und das können sie auch: Zum einen wegen der so pittoresken wie entspannten Location an der Galopprennbahn Düsseldorf. Zum anderen aber auch wegen des herausragenden Angebots aus Kunst, Design und exquisitem Street Food, das mittlerweile einen Gutteil zum Charakter des Festivals beiträgt. Und nicht zuletzt wegen der geschmackssicheren Auswahl an Bands, die manche überfordern mag, suchenden Charakteren aber immer auch die eine oder andere Neuentdeckung beschert.

Zu diesen Entdeckungen des mit Hochkarätern wie Zugezogen Maskulin und Tocotronic garnierten Line-Ups gehörte für viele Besucher der Brite Kamaal Williams mit einem für Jazz-Verhältnisse unerwartet energetischen Set in Trio-Besetzung, das in seinen dynamischsten Momenten sogar die Ekstase von Bands wie Battles oder PVT erreichte. Bekannter war da schon die für ein erstes Highlight auf den Nachmittag gebuchte Joan As Police Woman, deren Pop angenehm zwischen schmeichlerisch und artifiziell changierte, wobei auch sie zunächst mit einem der typischen Merkmale des Open Source klarkommen musste: Vor der Hauptbühne bleibt besonders bei Sonnenschein ein Gutteil des Publikums auf dem Rasen sitzen. Das mag gerade auf die Künstler wenig teilnahmsvoll wirken, es sorgt aber für eine entspannte Atmosphäre von für Festival-Verhältnisse besonderer Aufmerksamkeit.

Neben der in der Sonne dahinschmelzenden texanischen Dream-Pop-Gruppe Cigarettes After Sex gehörte besonders der Auftritt von Mykki Blanco zu den Höhepunkten, gerade in Hinsicht auf Euphorie und Leidenschaft. Der queere US-HipHop-Act zog auf der zweitgrößten Carhartt-WIP-Stage alle Register, balancierte mit Mikrofonständer wie mit Bühnengittern über den Platz und schaffte es fast, mitten im Publikum den ersten Circle Pit in der Geschichte dieser Open-Source-Bühne zu kreieren.

Wie fast alle Künstler des Festivals war natürlich auch Mykki Blanco kein Act für die breite Masse, auch er bewies Ecken und Kanten und unterstrich seine Eigenheiten. Aber auch darum geht es beim Open Source: Vor dem Hintergrund des für Festival-Verhältnisse unglaublich entspannten Ambientes sollen hier Acts auftreten, die fordern und neue Wege aufzeigen. Das ist auch in diesem Jahr wieder vorzüglich gelungen.