×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Bagger, Bässe, Badehose

So war das Melt! 2016

Spannende Neuerungen, altbewährte Highlights und ein Feuerwerk der etwas anderen Art. So war es beim Melt! Festival mit Disclosure, Tame Impala, Chvrches und anderen.
Geschrieben am
Auch nach vielen Jahren geben die Bagger noch immer eine beeindruckende Kulisse ab. Vor allem, wenn sie nachts in voller Farbenpracht leuchten. Doch neben den bekannten Hinguckern hat das Melt! 2016 einige Neuerungen zu entdecken. Die beiden größten Bühnen haben ihren Platz getauscht und die Melt! Selektor Stage ist nun im steinernen Innenhof eines Gebäude-Ensembles, statt am Strand. Dort gibt es mit Gremmin Beach eine neue Bühne für Freunde treibender Tanzbodenfreude. Mit Sand und Seeblick ein besonderes Erlebnis.  

Besonderheiten auf der Bühne bietet Peaches. Bunte Kostüme, überbordende Energie und druckvolle Bässe sorgen am späten Samstagabend für spektakuläre Momente. Auch Deichkind halten wenig später auf der Hauptbühne die Show-Messlatte weit oben und feiern gewohnt souverän ihre Riesenparty. Was soll man da sagen? »Leider geil!« Ein Urteil, dass sicher auch auf den Auftritt von Jamie XX im Anschluss zutrifft. Der Brite baut sein Konzert wie ein DJ-Set auf, statt einfach sein Album am Stück zu spielen. Im Schatten einer überdimensionalen Disco-Kugel sorgt ein sanfter Windhauch für Abkühlung der tanzenden Menge. Und was ist das bitte für ein außergewöhnliches Lichterschauspiel? Ein Feuerwerk ohne Feuerwerk!
Gänzliche andere Vibes, aber nicht weniger stimmige Visuals und vor allem ein schweißnasses Publikum haben am Samstagabend Ho99o9 zu bieten. Die alternative HipHop-Combo theOGM und Eaddy aus den USA wird live von einem Schlagzeuger sowie zahlreichen scharfkantigen Gitarrensamples unterstützt. Crossover ist zurück und erlebt ein zuckendes, um sich schlagendes Revival in diesem halbstündigen Auftritt. Es grüßen die Bad Brains und Public Enemy, wenn hier im Moshpit die Ellenbogen fliegen. Wann hat man zuletzt eine solche Wut auf dem Melt! erlebt?     

Tame Impala haben mit derartigen Gefühlsausbrüchen nichts zu tun. Sie zelebrieren ihren Headlinerstatus am Freitag auf der Hauptbühne daher lieber mit Konfetti und zurückgelehntem, schillernden Psychedelic Rock. Ähnlich sommerlich geht es auch bei Mura Masa zu, der am Freitagabend unterstützt von einer Rapperin die Medusa-Zeltbühne betritt. Die Anlage ist ein bisschen zu weit aufgedreht, als dass es den filigranen Aspekten seiner Musik gut tut. Der Vorteil der Lautstärke allerdings: die sonst so wattigen Bässe entwickeln einen Druck, dem sich nur wenige entziehen können.  

Eine Stunde früher hatte Roosevelt die zaghaft über das Gelände flanierenden Besucher zur selben Bühne gelockt. Während seines Auftritts füllt es sich stetig vor der Medusa Stage. Am folgenden Abend ist Roosevelt dann zu Gast in der von Intro mit ausgerichteten Block Party und liefert ein DJ-Set mit geschmackvoll mondänem Disco und House ab. Neben unserem aktuellen Coverhelden gibt sich am DJ-Pult der Block Party  natürlich auch wieder DJ Supermarkt (»Too Slow To Disco«) die Ehre. Beeindruckende Fähigkeiten an den Plattenspielern beweist am Freitagabend auch Helena Hauff, die sich wie eine Professorin des Dancefloor auf der Big Wheel Stage durch viele Jahrzehnte elektronischer Tanzmusik spielt.
Die britische Popkultur-Note liefern Sleaford Mods, die wie üblich unterstützt von Desktop-PC und gesteigerter Schnoddrigkeit auf die für diese Set-Up etwas zu große Medusa Stage treten, sowie die australische Band DMA’s, deren sehr frühes Hauptbühnen-Set am Sonntag alle anwesenden Britpop-Fans bereits um 17:30 Uhr aus den Zelten lockt. Später am selben Abend sorgen dann Chvrches für gute Laune. Der fröhliche Disco-Pop der Schotten fängt schnell Feuer auf der Hauptbühne. Luftballons schweben über der Menge und junge Menschen tanzen ausgelassen Hand in Hand.

Ordentlich getanzt wird natürlich auch bei Disclosure, die ihren geschmackvollen Hybriden aus Deep-House und UK Garage bereits seit einigen Jahren virtuos auf die Bühne bringen und auch an diesem Abend nicht enttäuschen. Gewohnt beseelt und catchy spielt sich das Duo durch sein mit allerlei prominenten Features besetztes Euvre  und die Crowd dankt es ihnen mit den entsprechenden Moves.
Eine der spannenden Neuerungen ist der Forest, ein Wald in dem es allerhand zu entdecken gibt: Kino, Bühne, Hängematten. Dieser Ort lädt zur Entdeckungsreise ein. Ebenso bleibt natürlich der Sleepless Floor eine der markanten Ecken des Geländes. Hier küssen auch in diesem Jahr die Nachtschwärmer die Morgensonne. So ist das Melt! 2016 ein Festival! zwischen neuen Erlebnissen und altbewährten Highlights.

Viele weitere Fotos und Artikel zum Melt! 2016 gibt*s hier!