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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Alle Ereignisse und Konzerte im Live-Ticker-Protokoll

So war das Melt! 2013

Das Intro-Team ist beim Melt! 2013 in alle Richtungen ausgeschwärmt um in Echtzeit zu berichten. Ein Protokoll.
Geschrieben am

Der Sonntag

 

23.46 Uhr, Big Wheel Stage, James Murphy

Der ehemalige Chef der mittlerweile leider aufgelösten LCD Soundsystem liefert ein schönes smoothes Discoset ab, das weniger durch Mixing-Skills, aber dafür durch eine geschmackssichere Selection zu begeistern weiß. Oldschool-Classics wie Weekend Express »Going to Chicago« werden mit neueren Discohits kurzgeschlossen. Finaler Track: Der epische Carl Craig-Remix des DFA Stücks »Relevee«, das im Original von Delia Gonzales & Gavin Russom stammt.

 

23:28 Uhr, Main Stage, Atoms For Peace

Eine beeindruckende Licht-Show illuminiert die ohnehin sehr ansehnliche Melt!-Bagger-Kulisse. Atoms For Peace wissen, wie man einen Headliner-Slot ausfüllt. Mangelnde Professionalität hätte bei der Besetzung auch niemand erwartet. Die breite Vielfalt an Percussion-Variationen lässt dasSet zudem treibender ausfallen, als man es mit Blick auf das Album vermutet hätte. Ein würdiger Schlussakzent für das wahrscheinlich wärmste Melt! Festival aller Zeiten!

 

23:01 Uhr, You Need To Hear This Stage, Yast

Käme diese Band aus Brooklyn oder San Francisco und nicht aus der schwedischen Provinz, sie wäre schon längst ein größeres Thema. So müssen Yast sich mit einem leeren Raum zufrieden geben, während das Melt!-Volk lange Schlangen vor den Fressbuden bildet oder sich auf der Main Stage für Atoms For Peace anstellen. Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass Yast im direkten Vergleich die besseren DIIV des Tages sind. Auf den Punkt und doch völlig verballert, entaltet sich der psychedelische Indie-Gitarren-Sound der Schweden bis in den letzten Winkel der Halle.

 

21:43, Mainstage, Flying Lotus

Der Beat-Avantgardist mit dem breiten Grinsen spielt in einer Art Leinwandkäfig, auf den psychedelische Visuals projiziert werden. Die wuchtige Darbietung wird zu einem atemlosen Mash-Up aus Live-Perfomance, DJ-Set und Rap-Darbietung. Ja richtig gehört, der in Sachen Rap sonst so verhaltene Produzent tritt tatsächlich immer wieder vor die Leinwand und gibt wahnwitzige Punchlines zum besten.

 

21:27 Uhr, Gemini Stage, Mark Ronson vs. Riton

Wer mit einem durchgehenden Back-To-Back-Set der beiden gerechnet hatte, dürfte erstmal verwirrt sein. Der deutlich weniger gesichtsprominente Riton haut zunächst ein markantes und sehr gutes Techno-Set raus, in das er erst am Ende zu melodiöseren Momenten und Pop-Appeal mit einfließen lässt. Dann übernimmt  Ronson. Im Shuttle zum Festival sprach er davon, möglicherweise ein Old-School-HipHop-Set aufzulegen. Wort gehalten: nach Ronson-Trademark-Intro gibt es Ragga und HipHop-Flavour und seinen Treck mit Q-Tip. Next up dann b-2b.

 

21:02 Uhr, Intro-Zelt, DIIV

»This song is called Air Condition. It’s for everybody in the audience who is on drugs«, kommentiert Sänger Zachary Cole Smith und er und seine Band starten zu einer siebenminütigen, psychedelische IndieRock-Hymne. Frenetischer Beifall, klaro. Bis dahin hatte die Band aus Brooklyn einige eher verschlurfte Slacker-Pop-Nummern präsentiert, doch ab jetzt scheint das Feuer nicht nur am Ende der Band-Bong zu brennen. Schwebende Gitarren, tragt uns in den Sonntagabend. An diesen Sound werden später Yast auf der YNTHT-Bühne anknüpfen.

 

20:07 Uhr, Main Stage, Charli XCX

Der Chartskracher »I Love It« von Icona Pop wurde von ihr geschrieben, sie macht Musik seit sie 14 ist und ist so etwas wie das absolute Gegenteil des »shiny little Popstars«. Wir sprechen von Charli XCX und genau diese 21-jährige Britin steht bei brüllender Hitze auf der Mainstage und legt eine derart abgebrühte Show hin, dass der ein oder andere trotz der kühnen Pop-Balladen nahezu in entzücken ausbricht. Dabei macht sie keinen Hehl daraus, dass sie durchaus zu der ein oder anderen sexy Pose in der Lage ist und beim wilden herumspringen blitzt auch schon einmal mehr hervor als vielleicht erwünscht – irgendwie will man sie dann aber doch nicht auf ihre Reize herunterbrechen. Denn diese Popkünstlerin ist cooler, abgebrühter und abgedrehter als so manch andere Kollegin im Business es von sich behaupten könnte. Und ihre selbstbewusste Version von »I Love It« zieht  Icona Pop auf dem Schulhof das Taschengeld ab. 

 

 

19:30 Uhr, Intro Zelt, Trümmer

Sexy Diskursboysalarm aus Hamburg. Scheinbar unkaputtbares Trademark zwischen Arroganz, Relevanz, Pose und Politik. "Der Himmel voller Drohnen", dieses Trio textet wirklich unerschrocken. Minimalistisches Rockset und neben allem Style kommt aber auch einiges an Charme rüber.

 

 

 

18:46 Uhr, Main Stage, Ghostpoet

Irgendwie komisch Ghostpoet in derart grellem Sonnenlicht spielen zu sehen. Bei seinen Songs geht es ja eher um die düsteren Seiten des Lebens a.k.a den ganz gewöhlichen Alltag. Gepaart  mit der glühenden Hitze erreichen  seine zähflüssig, verhaltenen Soundscapes hier allerdings fast die Wirkung von Ketamin.  Da hat sein Schlagzeuger einiges zu tun, um die leicht verpeilte Crowd mit gebrochenen Beats und durchgedrückter Bassdrum doch noch in Bewegung zu versetzen. Zusätzlich fordert der Rapper selbst alle immer wieder streng zum Tanzen auf. Entspannung ist einfach nicht sein Thema.

 

 

17.42 Uhr, Gemini Stage, Dan Deacon

Follow the dance instructor! Dan Deacon ruft zum ersten Dance Contest der Show auf. Wer den amerikanischen LoFi-Dance-Geek schonmal live gesehen hat, weiß, dass dies nicht das letzte Mal sein wird, dass die Rolle von Publikum und Künstler zum Wohle der Gesamterfahrung verschmelzen. Kneifen ist unmöglich, ein Konzert, wie eine bunt beleuchtete Gruppentherapie.

 


 

16:21 Uhr, Gemini Stage, Rhye

»Stimmt das wirklich, dass einige von euch schon drei Tage hier sind?« fragt Sänger Mike Milosh ehrlich erstaunt das Publikum. Oh ja Mike, das sind wir tatsächlich! Deswegen sind bestimmt auch einige sehr erfreut über die Bestuhlung vor der Gemini Stage. Zu dem smoothen Set von Rhye kann man sich auch ruhig mal hinsetzen. Mit Streichersektion, stark entschleunigten Beats und samtweicher Kopfstimme lässt sich das einstige Internet-Mysterium von der brütenden Hitze inspirieren und klingt nochmal ein Stück etherischer und entrückter, als ohnehin schon. Wenn man die Augen zu macht, denkt man fast Sade hätte es endlich auch bis auf’s Melt geschafft. Ist seit heute aber eigentlich nicht mehr nötig. Easy, like sunday morning. 

Der Samstag

 

02:03 Uhr, Big Wheel Stage, James Holden

Während die New Yorkerin  deep in vogue ist und zwischendurch sogar den Rave-Klassiker »Born Slippy« von Underworld samplet, zelebriert  James Holden auf der Big Wheel Stage die Ravekultur in ihrem ganz klassischem Sinne und gibt sich deep in love. Der Brite schafft es wieder einmal, Kitsch, Kosmos und Kraut zu einem harmonischen, Flächenlastigen Techno zu bündeln, den man fast Trance nennen könnte.

 

01.57 Uhr, Main Stage, Aezelia Banks

Zusammen mit ihrem DJ Cosmo und drei Tänzerinnen und Tänzern bringt Aezelia den Ballroom-Style von Harlem auf die Mainstage und die Crowd zum bouncen. Diverse Male fallen die Ausdrücke »Bitch« und »Fuck«. Natürlich dürfen auch Hits wie »212« oder »Van Vogue« nicht fehlen.

 

0:25 Uhr, Intro-Zelt, Django Django

Kleiner Tipp, wer aussehen möchte, als gehörte er zur Band Django Django, sollte ein weißes Hemd tragen und es geschmackvoll mit Gaffer-Tape verzieren. Wer liebt Bands in Uniformen nicht? Wenn eine dann noch so tight Pop-Chöre mit geraden Beats vermählt, wie diese hier, ist das Intro-Zelt in Windeseile voll. Schade für die, die draußen bleiben mussten. Bravourös  abgeliefert!

 

0:15 Uhr, You Need To Hear This Stage, Rummelsnuff

Ist es etwa der Techno Viking? Nein, es ist Rummelsnuff! Der Käpt’n sticht in See und dicke Basswogen brechen sich an der steilen Küste deutschen Seefahrerliedguts . Der Türsteher des Berghain ist ein Allround-Talent und sorgt dafür, dass endlich mal Leben in der sonst eher übersichtlich besuchten Halle zu Füßen des Pressebereichs ist. Ein Auftritt, als würde Leni Riefenstahl das Leben von Popeye verfilmen.

 

23:55 Uhr, Main Stage, Babyshambles

Diese Band hat mehr Mitglieder verschlissen, als der durchschnittliche Fahranfänger Reifen.  Die aktuelle Inkarnation der Babyshambles scheint indes ein reibungslos funktionierendes Gewerk zu sein, rumpeln sie doch beinahe leichtfüßig durch das Set. Peter also known as Pete Doherty wirkt gut aufgelegt und mit passendem Pegel ausgestattet. Charme hatte er ja schon immer, schön, dass er jetzt auch wieder eine Band hat. Spätestens bei einer scheppernden Version »Killamangiro« fallen letzte Zweifel.

 

22:40 Uhr, Main Stage, Woodkid

Wie nicht anders zu erwarten konfrontiert Woodkid das Melt!-Publikum mit einem fast schon manischen Stilwillen. Fundament seines streng in Schwarzweiß-Tönen gehaltenen Sets bilden zwei Schlagzeuge mit in Kopfhöhe aufgehängten Bass-Drums. Dazu kommen noch Synthesizer, Tuba, Posaune und Trompete und nach einer angenehm bombastischen Ouvertüre auch Woodkid selbst. Der Franzose wandert Anfangs noch rätselhaft über die Bühne wobei er dem Publikum den Rücken zukehrt, aber das ist nur Teil einer offensichtlich akribisch durchdachten Performance, der es gelingt die Emotionsschraube stetig hochzuschrauben. Woodkid lässt sich Zeit, croont wehmütig, breitet gern emphatisch die Arme aus, zieht sein Orchester-Mimikry bis zum Limit und gesteht dem Publikum seine Liebe. Subtilität ist nicht sein Sache, aber dafür hat er am Ende auch eine euphorische Menge, die zu seinen Tribal-Beats synchron auf und abspringt. 

 

22:33 Uhr, Intro Zelt, Tricky

Okay, Tricky lässt das Publikum die Bühne stürmen und die Band spielt mit einer Hand voll Gitarren »Ace Of Spades« von Motörhead nach. Und dann dasselbe gleich noch mal nur mit Schlagzeug und Keyboards. Ist das noch Trip Hop? Wohl kaum. Vor und nach dieser sensationell überraschend- wie verstörenden Performance läuft das reguläre Set. Das ist mal ein Gig zum Staunen. Illuminiert wird das Ganze von sehr wenig Licht. Ein Konzert, als hätte man die Stromrechnung nicht gezahlt.

 

22.12 Uhr, Big Wheel, DJ Koze

»Track ID anyone? «. Der Säger von St. Georg startet mit angezogener Handbremse in gemütlichem Schritttempo, um wie gewohnt  peu a peu einen Gang höher zu schalten. Zwischendurch immer wieder subtile Breaks, in denen die Bassdrum auch mal mehr als die üblichen paar Takte aussetzt. Er hat ja auch drei Stunden Zeit, sonst wär er ja nicht die ganze Zeit noch hier. Also zumindest bis eins, wenn James Holden übernimmt.

 

22:11 Uhr, Gemini Stage, Disclosure

Disclosure scheinen durch die vorab aufgenommenen Vocals und die vorgefertigten Soundschnipseln  auf der Bühne keine große Anstrengung zu haben. Wenn sie ihr Debütalbum »Settle« mit ihren Drum-Patterns live performen, ist allerdings der Input den die beiden Brüder durch ihr Publikum erhalten mehr als ansehnlich. Vor der Gemini Stage wird getanzt, mitgesungen und das Zelt ist proppenvoll. Unterstützt durch die typischen Disclosure-Visuals mit dem traurig dreinblickenden Gesicht, welches hier und da sogar die Lyrcis in Echtzeit mitsingen kann, kommt der UK Bass der beiden Engländer großartig bei den Festivalbesuchern an. 

 

20:47 Uhr, Main Stage, Kettcar

Nachdem sie ihr Set mit dem hymnischen »Deiche« begonnen haben, spielen sich die älteren Herren von Kettcar durch einige Lieder mit eher gebremstem Tempo. Ob die Songauswahl ursächlich dafür ist, dass noch viel Bewegungsfreiheit vor der Hauptbühne herrscht?

 

20:32 Uhr, Orangerie, Frank Schäfer

Der Musikjournalist und Metal-Nerd liest tapfer und pointiert gegen das grotesk großartige Wetter an. Gags aus der Hardrock-Gegenwelt und in der ersten Reihe sitzen Mutter und Sohn. Sweet.

 

20:21 Uhr, Intro Zelt, Lingby

Ha, Lingby aus Köln im Osten. Jetzt gilt's. Und wie! Posaunen, Hits und schwarze Hemden - und Kleidchen mit Pailletten (schreibt man das so? Darf man für einen Online-Ticker die Lektorin wecken?). Die Stücke sind auf den Punk, die Band findet sich hochkonzentriert und voll Bock. Es endet in einem Crescendo (schreibt man das ... ach, lassen wir das), das jeder Noise-Band zu Ehren gereicht hätte. Star aber natürlich das Songwriting und die leisen Töne. Love Lingby, Punkt, ihr Fucker!

 

 

20:19 Uhr, Big Wheel Stage, Christian Löffler

Christian Löffler spielt den perfekten Soundtrack zum Sonnenuntergang: Trance-Techno, aber von der guten Sorte. Das Set zaubert nicht nur den Tänzern, sondern auch dem Künstler selbst ein breites Grinsen ins Gesicht. Einer dieser magischen Big-WheelMomente. 

 

20:08 Uhr, Melt!Selektor Stage, Siriusmo

Siriusmo auf der Modeselektor-Stage am Sandstrand des Sees, während die letzten Strahlen der Abendsonne über die Hügel scheinen. Ein perfekteres Setting kann sich der deutsche Technoproduzent eigentlich nicht herbeiwünschen. Das Publikum anscheinend auch nicht und so wird zu dem verquerem Electronik-Sound barfuß  und mit erhobenen Händen getanzt.



19:34 Uhr, Backstage

Die Fotografen warten auf Pete Doherrty. Doch der kommt (noch) nicht.

 

19:10 Uhr, Main Stage, Sizarr

Keine leichte Aufgabe, die Hauptbühne um zehn nach sieben zu bespielen. Aber den drei sympathischen Jungs aus Heidelberg ist von Druck nichts anzumerken. Und während sie sich durch die Songs ihres letztjährigen Debütalbums spielen, füllt sich der Platz peu a peu. Der Sound von Sizarr ist perfekt für die glühende Stimmung des Sonnenuntergangs: euphorische Synthieklänge, warme Gesangslinien, Happyness. Es darf getanzt werden – und es wird getanzt!

Der Freitag

 

02:37 Uhr, Main Stage, Trentemøller

Zwar ist Henrik Vibskov nicht mehr Teil der Trentemøller-Band, die Show des Dänen bietet aber auch so ausreichend Glamour. Der Däne gibt erste Ausblicke auf das im Herbst erscheinende neue Album »Lost«, das mit Gästen wie Low, Blonde Redhead oder The Raveonettes aufwarten wird. Eine ätherische Wall of Sound aus Synthies, Gitarren und Schlagzeug gibt den Weg vor – verträumter Indiepop statt Tooltechno. Atmosphärische  Songs, die auch zur Peaktime auf der Hauptbühne perfekt funktionieren.

 

01:46, Intro-Zelt, Die Kosmonauten mit K (Kraftklub)

In der Running Order ist für diesen Moment eine Band namens Special Guests angekündigt. Auf der Bühne stellt sich jene als Kosmonauten vor. Doch die College-Jacken bringen es an den Tag: Ein Secret Gig von Kraftklub zur Prime Time. Alter, what's app, das kommt phatt. Wie wir Ticker-Kids sagen. Das Zelt füllt sich in kürzester Zeit. Wall Of Death (aus versicherungstechnischen Gründen von Sänger Felix Brummer wortlos und nur via Kopfnicken dirigiert) ist genauso on wie ein Salto vom Zeltpfeiler. Wie schon bei Rock Am Ring geht Brummers Felix der Schuh verloren. Könnte ein neuer Tick werden. Gespielt werden alle Songklassiker, Publikum und Band drehen auf. KK rules okay - das ist top secret aber jeder weiß es.

 

01:40 Uhr, Gemini Stage, Metro Area

Elf Jahre ist es her, dass Morgan Geist und Darshan Jesrani mit ihrem stilprägenden Debütalbum das anhaltende Discorevival einläuteten. Unter dem Namen Metro Area spielen und veröffentlichen die beiden nur noch sporadisch, ihre Livesets sind somit eine echte Rarität. Dass Stücke  wie »Miura« oder »Caught up« auch heute noch den Dancefloor beziehungsweise die komplette Gemini Stage zum Pulsieren bringen können, beweist, wie zeitlos der spacige Boogiedisco der New Yorker ist, ohne den auch der Hype um die Norweger Todd Terje und Lindström, die zwei Stunden später an gleicher Stelle reüssieren, nicht möglich wäre. Zwei Laptops, eine Drum Machine, warme Basslines, Handclaps und  Melodien, die auch ein Jahrzehnt nach Erstveröffentlichung nichts von ihrem Endorphin-Potenzial eingebüßt haben.



0:21 Uhr, Intro Zelt, King Krule

Man will King Krule sofort küsen, wenn man ihn da so charmant hölzern auf der Bühne des Intro-Zelts grooven sieht. So viel musikalisches Talent mit 18 Jahren und dann diese unlockere Form der Präsentation. Aber damit wir uns nicht misverstehen: strictly talking moves. Die Sounds klingen so einnehmend und kickend, wie auf dem bald erscheinenden Album. Einer der gekommen ist, um zu bleiben. Wirklich toll zu sehen, wie ernsthaft er das mit der Musik meint. Da steht grad’ einer auf der Bühne, der mit der Welt hadert und daran glaubt, dass sie veränderbar ist.

 

23:34 Uhr Melt! Selektor Stage, Mount Kimbie

Nach einem überraschend zügigen Einstieg bremst das britische Duo sein visuell fantastisch aufbereitetes Set prompt wieder aus: Statt Unentschlossene direkt mit aktuellen Hits wie »Made To Stray« abzuholen, wird eher auf introvertierte Stücke gesetzt, was dem Potential von Uhrzeit und Location leider nicht ganz gerecht wird.

 

23.31 Uhr, Main Stage, Alt-J

Nirgends finden sich heute mehr begeisterte Mädchen auf den Schultern starker Männer als zur Zeit des Auftrittes von Alt-J auf der Mainstage. Verträumt wiegen sich die Zuschauer zu den Indie-Folk-Hymnen unter dem mystisch angestrahlten Himmel – wobei hier verträumt wohl auch der beste Weg ist, die etwas ausgelaugt wirkenden Alt-J zu beschreiben. Bandkopf Joe Newman richtet das Wort kein einziges Mal an die Zuschauer, sondern lässt diesen Job lieber Bandkollege Gwain Sainsbury übernehmen. Die etwas müde Performance der Band lässt aber dennoch die Herzen der angereisten Fans »melten«, die sich ganz entzückt zeigen von so viel zurückhaltender »Indie-Liebe«.

 

 

23:20 Uhr, Gemini Stage, Purity Ring

Purity Ring landeten mit ihrem 2012 erschienenen Album »Shrines« einen unverhofften Überraschungserfolg, der sich vom Internet aus entfaltete und dem kanadischen Duo letzten Endes dann auch in den Plattenläden gute Verkäufe sicherte. Heute Abend spielt die Synth-Pop-Band auf der Gemini Stage und weiß wieder einmal besonders durch ihre aufwendige Bühnendeko zu bestechen, die Lichtinstallationen mit den Instrumenten verbindet und so auch zum visuellen Abenteuer wird. Ein bisschen holprig verhält sich heute Abend der Start - doch schnell zieht dieser düstere Albtraum einen in seinen Bann. Das verwunschene Bühnenbild, das geschickt mit der kindlichen Schauderstimme und den knatternden Beats verbunden wird, ist sein ganz eigener, böser Strudel in eine märchenhafte Gruselwelt.

 

22:22 Uhr, Intro Zelt, Friends

Die hatten wir irgendwie anders in Erinnerung. Vergangenes Jahr auf dem Berlin Festival noch zu fünft und mit weiblicher Doppel-Spitze unterwegs, stürmen die Indie-Popper aus Brooklyn das Intro Zelt auf dem Melt! zu viert, nur Sängerin Samantha Urbani erinnert an die alte Besetzung. Egal. Die Frontfrau klettert auf 25-Zemtimenter-Plateau über die Bühne ins Publikum und bezirzt ihre durchwegs männlichen Fans in der ersten Reihe mit Songzeilen wie »I Wanna Be Your Friend«. Wir wollen auch, Samantha!

 

22:19 Uhr, Main Stage, James Blake

Geschlossene Augen. Üblicherweise eher im Publikum bärtiger Folk-Epigonen verbreitet, weiß auch James Blake diese andächtige Geste gekonnt zu provozieren. So winterlich sein von gezielten Leerstellen geprägter Minimal-Pop auch bei der Albumveröffentlichung im Januar anmutete – beim Melt!  gibt er die croonende R&B-Diva. »Limit To Your Love« ist das »Let’s Get It On« der Generation tumblr. Aber auch die Stücke vom neuen Album »Overgrown« sind trotz Clicks & Cuts-Anleihen und Ausflügen in experimenteller Gefilde perfekt für die Peaktime auf der Hauptbühne geeignet.

 

21.23 Uhr, Melt!Selektor Stage, Zebra Katz

Der Mond schimmert mystisch, als Zebra Katz und seine Rap-Partnerin Virginia Red Fox die Bühne betreten. Die Beats droppen dazu langsam und gebrochen, Katz Stimme klingt düster und gefährlich, die von Fox weicher, aber nicht minder verstörend. Der Beginn: eine einzige kaputte Vogueing-Nummer, so dreckig wie man es mag. Aus motherfucking Brooklyn kommen sie, teilen sie uns mit mindestens fünf weiteren Fucks mit – und wenn sich da alle so bewegen, will man sofort da hin. Super Auftritt! Wer kann, jetzt noch herkommen.

 

20:50 Uhr, Ferropolis, Mykki Blanco

Bevor es um 22 Uhr auf die Bühne geht, entspannt Mykki Blanco am See.

 

20:12 Uhr, Main Stage, Austra

Repetitiver Blockflöten-Folk, die Sonne geht unter, durchatmen, noch mal seriöse Flüssigkeit tanken vor dem großen Schnapsregen. Die Damen (inklusive Bühnenboys) aus Toronto stimmen ein. Ist das ein Knaller oder schon Enya? Das soll der Verfassungsschutz beantworten, die langsam gut gefüllte Main Stage zieht einfach mit.

 

19:52 Uhr, Intro Zelt, Hans Unstern

»Ich schäme mich« skandiert Hans Unstern vor einer noch eher erlesenen denn überbordenden Crowd. Doch jene geht dermaßen ab, dass hier dann doch ein erstes richtig großes Highlight aufpoppt. Unsterns Band mit Tuba-Spielerin und weiteren zum Verlieben kauzigen Vögeln ist vermutlich die Anti-These zum »Clap Your Hands«-Festivalbetrieb, aber gerade darin unschlagbar.

 

19:15 Uhr, Big Wheel Stage, Joy Orbison

Joy Orbison spielt als Eröffnungstrack »Lovely Day« von House-Legende Blaze. Was würde besser zu diesem Tag passen? Wer uns einen besseren Track ins Pressezentrum bringt, gewinnt ein Wassereis.

 

17:09 Uhr, Main Stage, Local Natives

Als erste Band auf der Hauptbühne hat man bekanntlich keinen leichten Stand. Die Local Natives lassen sich die Laune nicht davon verderben, dass erst einige hundert Leute vor der Bühne stehen. Denn wer da ist, tanzt im Sonnenschein zu lichtdurchfluteten IndiePop-Hymnen. 

 

16:04 Uhr Big Wheel Stage, Markus Kavka

Kurz zuvor im stilvollen alten Porsche aufs Gelände gefahren, macht Musik-TV-Urgestein Markus Kavka mit seinem DJ-Set den Auftakt auf der Big Wheel.