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»Weil man das hier gerne tut ...«

So war das Immergut 2018

Trotz nächtlichem Stromausfall am Freitag war das Immergut wie immer ... äh ... sehr toll. Daniel Koch erlebte den perfekten Start in seine Festivalsaison und sah mitreißende Auftritte von Gurr, Pom Poko, Die Nerven, Ilgen-Nur, Kettcar, Olli Schulz, Kat Frankie, Drangsal und Maurice & Die Familie Summen. Und Olli Schulz sang sogar eine Freestyle-Hymne auf das Festival. (Bild: Nina Sartorius)

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Vielleicht bin ich gerade ein wenig anfällig für diese Vibes (wegen ihr wisst schon was), aber auch im Vorfeld des Immergut hört, sieht und merkt man wieder, dass es viel Herzblut und Opferwille braucht, um so ein wundervolles Festival-Kleinod der Indie-Landschaft jedes Jahr zum Blühen zu bringen. Der Markt ist hart, Festivals gibt’s viele und gerade die Kleinen müssen um jedes verkaufte Ticket und um jeden Act kämpfen. Wie in jedem Jahr mauschelt es dann, dass die Vorverkäufe ein wenig besser hätten sein können und ich frage mich wieder, ob der vordere Campingplatz leerer geworden ist. Und dann vergesse ich diese pessimistischen Gedanken, weil das Immergut mich von der ersten Sekunde an wieder in seine liebenden Arme nimmt. Ich gebe zu, dass meine ab Ende Mai aufblühende Festivaleuphorie da mit reinspielt, die immer zuerst auf dem Immergut befriedigt werden kann – aber die Mädels und Jungs dort machen einfach auch immer alles richtig. Wer also keine Lobeshymne hören will, der sollte hier aussteigen.

Dann würde man allerdings das kleine Drama verpassen, das den ersten Abend prägt. Denn da ist es nur den Sexy-Funk-Ironikern von Maurice & Die Familie Summen und Shooting Star Fil Bo Riva vergönnt, die Hauptbühne auf der Waldlichtung zu bespielen. Auch auf der Birkenhain-Bühne ist nach Lesungen von den 11Freunden und Anja Rützel und einem Konzert der tollen Ilgen-Nur Schluss. Mitten im Set von Drangsal im Festzelt fällt um kurz vor 22 Uhr nämlich plötzlich der Strom aus. Auf dem gesamten Festival. Ein Supergau, an dem ein durchgeschmortes Hauptaggregat und ein fehlerhaftes Notstrom-Aggregat Schuld sind. Die Menge nimmt es trotzdem erstaunlich gelassen, obwohl man an einigen Stellen die Hand vor Augen nicht sehen kann. Drangsal machte ebenfalls das Beste draus, wie man hier sehen kann:

Zwei Stunden später läuft wenigstens die kleine Birkenhain-Stage, die eigentlich den nachmittäglichen Lesungen und den Electro-Acts im Morgengrauen vorbehalten ist. Ty Segall & The Freedom Band schrubben mir mit fiependen Gitarren den Kopf, bevor dann das Highlight des Abends die Bühne betritt: Die Nerven. Boah, die Herren sind einfach so dermaßen gut. Und haben so dermaßen Bock. Und kommen sogar damit durch, dass sie »Fly Away« von Lenny Kravitz covern. Man schubst, man singt, man pogt – und geht schließlich zum Morgengrauen ins Zelt.

Am Samstag läuft wieder alles. Nachdem morgens viele den Shuttlebus zum Seebad in Neustrelitz nutzen, sorgen Christiane Rösinger, Das Paradies und Andreas Dorau mit Gereon Klug für gute Unterhaltung im Birkenhain. Überhaupt gibt es keine Ausfälle in Sachen Line-up. Sam Vance-Law gibt den Charmebolzen, Pom Poko machen Pop-Punk great again, Kat Frankie und ihre Band begeistern auch in den letzten Reihen vor der Hauptbühne und Gurr werden immer größer und immer besser. Und sehen immer noch bei jeder Show aus, als hätten sie die Nacht ihres Lebens. Muss man bei ihrem Tourpensum erstmal schaffen. Ein Highlight ist der Auftritt von Olli Schulz, der dank Podcast- und Circus-HalliGalli-Fame inzwischen natürlich heimlicher Headliner ist. Zu Recht. Denn Schulz war immer schon ein guter Schnacker und Entertainer – aber eben nicht nur, sondern auch ein Musiker, der liebt, was er tut, der sich mit guten Musikerinnen und Musikern umgibt und der inzwischen eine Setlist hat, die Lachfalten und Tränendrüsen gleichermaßen bedienen kann. Das Publikum gewinnt er freilich schon mit diesem schönen Einstieg:

An dieser Szene lässt sich gut ausmachen, was das Immergut so liebenswert macht: Die Acts auf der Bühne sagen immer wieder, wie gut es ihnen dort gefällt, erinnern die Gäste daran, dass es eben nicht leicht ist, so was auf die Beine zu stellen und verneigen sich vor der Herzlichkeit der Macherinnen und Macher. Der krönende Abschluss des Festivals ist dann die Show von Kettcar, die sich lachend freuen: »Endlich mal Leute unter 30 vor der Bühne!« Zum Dank gibt es ein Greatest-Hits-Set, mit vielen Songs vom Debüt.

Und jetzt genug gelobt. Nur das noch: Liebes Immergut, ich hoffe, du machst noch ein paar Jahre immer so weiter. Ich werden auf jeden Fall am Start sein, auch wenn es Intro dann nicht mehr geben wird.

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