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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

A Hundred Million Suns

Snow Patrol

Nein, so ganz haben wir alten Fans Gary Lightbody und den Seinen noch nicht verziehen, dass sie damals vom braven Belle&Sebastian-Folk auf typisch britischen Breitwandpop umschwenkten.
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Nein, so ganz haben wir alten Fans Gary Lightbody und den Seinen noch nicht verziehen, dass sie damals vom braven Belle&Sebastian-Folk auf typisch britischen Breitwandpop umschwenkten.

Es ist auch bis heute nicht wirklich zu verstehen, weil gerade Lightbody als ausgewiesener Kenner von Indie-Rock gilt und via Bandwebseite gerade Bon Iver und die Fleet Foxes abfeiert, mit seiner eigenen Band aber gänzlich andere Musik fabriziert. Fakt ist: Lightbody fühlte sich damals von seinem alten Indielabel Jeepster zugunsten von Belle & Sebastian vernachlässigt. Und er beteuert heute immer wieder, dass er "Run", den Durchbruchshit des dritten Albums "Final Straw", schon vor dem Release der zweiten Jeepster-Platte "When It's All Over We Still Have To Clear Up" schrieb, es also nicht den großen Bruch in der Bandgeschichte Snow Patrols gab, schon gar nicht aufgrund von kommerziellen Erwägungen.

Nun gut. Jetzt sind Snow Patrol auf jeden Fall Superstars, vor allem dank des Megahits "Chasing Cars", aber so ganz scheint ihnen auch dieser Status nicht recht zu sein. Lightbody betont jedenfalls die Komplexität des neuen Albums, das Fehlen einer herausgehobenen Single zugunsten von ambitionierter Homogenität und ein paar soundforschenden Schrullen wie dem 16-minütigen Schlussstück "The Lightning Strike". Er hat recht mit dieser Einschätzung, und die zugrunde liegende Erwägung tut dem Album auch sehr gut. Sicher haben Snow Patrol nicht von den großen Gesten, der todsicheren Rückversicherung für Massenkompatibilität, gelassen, in ihren Arrangements sind die meisten der neuen Stücke aber vielschichtig und gewieft. Gerade die Synthiesounds und Rhythmen erinnern an die Klangexperimente des Peter Gabriel der 1980er, und besonders in den ruhigen Stücken wie "Set Down Your Glass" haben Snow Patrol sich die Freiheit genommen, unkonventionelle Parts unterzubringen. Ansonsten ist "A Hundred Million Suns" ein klassischer Britpop-Megaseller in spe, aber einer der besseren Sorte. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Rockern und Schmusern, mit Schmalz und Street-Fighting-Man-Attitüde und mit deutlich positiveren Texten als zuvor. Musik also, die man im deutschen Formatradio etwas lieber über sich ergehen lässt.

Ihr habt das Album in den Hansa Studios in Berlin aufgenommen. Wieso gerade dort?
Wir wollten zunächst mal aus der Einsamkeit Irlands weg, deswegen mitten ins Herz Berlins. Wir lieben die Stadt, seitdem wir dort ein paar Gigs gespielt haben, und wollten sie besser kennenlernen. Außerdem wurden in dem Studio schon so viele tolle Platten gemacht, U2 und Bowie arbeiteten dort schon.

Was sind die Hauptunterschiede zwischen der neuen Platte und "Eyes Open"?
Sie ist viel zuversichtlicher. Es geht nicht mehr nur um meine Selbstzerstörung, sondern darum, verliebt den Sommer zu genießen. Sie fordert den Hörer aber auch viel mehr heraus, es gibt nicht den großen Song wie "Chasing Cars". Die Platte lebt von den unterschiedlichen Parts in jedem Song, sie ist nicht so sehr auf Hits fokussiert.

Die Platte klingt so, als ob ihr gerade an den Synthie- und Keyboardsounds viel gearbeitet habt. An wem habt ihr euch in dieser Hinsicht denn orientiert?
Ja, das ist richtig. Wir haben viel LCD Soundsystem und Friendly Fires gehört, auch Miracle Fortress oder Reigns, deren Alben einen großen Eindruck auf uns gemacht haben. Diese schräg klingenden Platten hatten einen Einfluss auf uns, deshalb geriet "A Hundred ..." auch verhältnismäßig schräg. Ein paar der neuen Songs, z. B. "Engines" und "The Golden Floor", werden viele Leute überraschen. Wir haben insgesamt deutlich mehr Einflüsse von Bands zugelassen, die wir auch privat hören. Wenn wir den Dingen einen natürlichen Verlauf gelassen hätten, wäre ein ziemlich normales Popalbum dabei herausgekommen. Das ist die Musik, die in uns steckt, obwohl wir eigentlich all diesen verrückten Kram hören. Wir haben also versucht, die Klarheit unserer Musik so weit wie möglich zu verzerren. Es ging darum, die Struktur und das Soundgewand der Stücke in alle möglichen Richtungen zu verändern, um ein Album zu machen, das anders klingt als das, was wir vorher schon gemacht haben.