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Was würde Fiona Apple tun?

Snail Mail im Gespräch

Ob an den sechs Saiten oder auf dem Eis: Lindsey Jordan von den US-Indierock-Newcomern Snail Mail musste sich schon oft durchboxen. Mittlerweile spielt die 18-Jährige auf dem Coachella Festival, bringt ihr erstes Album heraus und redet im Akkord mit Journalisten, beispielsweise mit Nina Gierth. Nehmt das, ihr Hater!

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»Ich bin nicht wild darauf, ein Sprachrohr für sexistische Erfahrungen zu sein.« Lindsey Jordan steckt bis zum Hals in Telefoninterviews für ihr Albumdebüt »Lush«, und vermutlich wird sie heute nicht das erste Mal zum Thema Alltags-Sexismus befragt. Die queere Sängerin, Gitarristin und Songwriterin aus einem Vorort von Baltimore hat erst letztes Jahr ihren Highschool-Abschluss gemacht, und doch ist sie bereits eine Art Veteranin. Inspiriert von dem Film »Freaky Friday«, begann sie als Fünfjährige, Gitarre zu spielen. Mit acht reagierte sie ihre exzessive Energie im Jungs-Eishockey-Team ab. Entsprechend früh musste sie sich im Rock-Camp und in der Umkleidekabine mit Ausgrenzung, blöden Witzen und »Mädchen können das nicht«-Attitüden herumschlagen. Lindsey versuchte nicht aufzufallen und feilte hart an ihrer Technik. Den Eishockey-Schläger warf sie trotzdem vor ein paar Jahren frustriert hin. Nicht so die Gitarre: Mit 15 veröffentlichte sie erste eigene Songs unter dem Namen Snail Mail, suchte sich Bandmitglieder, um ein Festival mit Sheer Mag, Priests und den Screaming Females spielen zu können. Auf dem Priests-Label Sister Polygon erschien wenig später die EP »Habit«: melancholischer Lo-Fi-Indierock mit sehnsüchtigen, frei schwebenden Gesangsmelodien und Texten, die sich in Wachstumsschmerzen suhlen, um dann weise festzustellen: »Baby, when I’m 30 I’ll laugh about how dumb it felt.«

Auch die Songs auf »Lush«, die beim Touren mit Bands wie Girlpool und Waxahatchee entstanden, thematisieren die Dramen, Zweifel und Gefühlsschwankungen des Teenagerlebens. Lindsey: »Es ist eine Ode an mich selbst, ein Baden in meinen eigenen Gefühlen.« Zugleich klingt »Lush« ausgefeilter und vielschichtiger, Lindsey Jordans Gitarrenspiel eingeschlossen. Ihre zeitweilige Gitarrenlehrerin Mary Timony (Helium, Wild Flag, Ex Hex) war hier ein wichtiger Einfluss. Als prägende Musikheldinnen ihrer Jugendzeit nennt Lindsey zudem Liz Phair und Gillian Welch. Und: »Ich frage mich immer: ›Was würde Fiona Apple tun?‹« Fiona Apple war beim Schreiben ihres Debütalbums auch erst 17 und hat seitdem stets ihr Ding durchgezogen, unabhängig von der Meinung anderer Leute. Eine Strategie, die Lindsey Jordan auch auf die Macker da draußen anwendet. »Ich sehe Seximus weiterhin überall, es ist nun mal die Realität«, seufzt sie. »Aber ich versuche mich darauf zu konzentrieren, so gut wie möglich in dem zu sein, was ich tue, und es für mich selbst zu tun. Egal, was du machst: Es wird immer ein paar wütende Typen geben.« You go, girl!