×

Lieber Leser, bitte wähle deinen Ansprechpartner aus:

Fragen an die Redaktion

Werbung auf Intro.de

Werbung im Intro Magazin

Intro Abo

Fragen zum Vertrieb

×

INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Smarter Fembot

Robyn

Dem Jahr 2010 hatte die schwedische Songwriterin wirklich den Kampf angesagt, veröffentlichte sie doch zig Songs, drei separate Alben, ein Überblicks-Album und tourte mit stetig wachsendem Erfolg. Die discoide Leichtigkeit, die sie sich dabei bewahrte, legt die Vermutung nahe, sie sei wirklich eine Art smarter Fembot, wie sie selbst behauptet.
Geschrieben am

Lässt man den Blick über Robyns Bühnenausstattung schweifen, kommt einem gleich etwas komisch vor. Was es ist, merkt man aber erst auf den zweiten Blick: zwei Schlagzeuger in einer Band.

Du liebe Güte! Aber um in den Genuss einer derartigen Performance zu kommen, muss man eben nicht immer nach Wacken oder zu einem Experimental-Jazz-Festival nach Oberschlumpfdorf im Allgäu reisen. Nein, die Postrocker Tortoise gefielen sich 2004 zum Beispiel auf der Melt!-Hauptbühne darin, ihre Muckersuperkräfte so weit auszuspielen, dass beide Drummer sogar zentral und vis-à-vis zueinander auf der Bühne standen. Ziemliches Spektakel, ziemlich viele Nerds wischten sich die Tränen aus den fettigen Haaren und Bärten.

Dass diese Percussion-Dämmerung 2011 bei Robyn eine Wiederholung finden würde, damit war im Vorfeld wohl eher nicht zu rechnen. Und doch hat sich die kleine Schwedin mit der großen Macht über das kontemporäre Pop-Spektakel genau das für ihre Bühnenshow ausgesucht. »Die Idee kam von mir«, erzählt sie in einem Interview anlässlich ihrer Beteiligung an den diesjährigen Telekom Street Gigs. »Ich fand erst mal einfach, das sieht cool aus. Und wenn beide nebeneinander dasselbe spielen, wirkt es plötzlich auch wie eine total einstudierte Choreo.« Robyn vermeidet es live ja ohnehin gern, ihre Musik zu sehr dem elektronischen Grundgerüst der Stücke anzupassen. Alles soll irgendwie künstlich und gleichermaßen irgendwie echt sein. In diesem Spannungsfeld hat sie sich zuletzt auf der »Body Talk«-Trilogie selbst als halb-bionische, halb-menschliche Kunstfigur neu erschaffen, was (nicht nur) in dem Song »Fembot« eine tanzbare Entsprechung fand: »My superbrain is a binary / In fact I’m a very scientifically advanced hot mama.«




Aber sicher doch. Wobei man natürlich bei aller elektronischen Hot-Mama’haftigkeit nicht die Hookline vergessen darf: »Fembots have feelings, too!«

Das Spiel mit Geschlechter-Stereotypen, das gleichzeitig die Auflösung jener in sich trägt – und das Ganze noch über das Primat des menschlichen Körpers erhebt. Mit dem Themenkomplex hätten zwanzig Post-Dok-Studierende ihre Habilitationen bestreiten und noch Stipendien beim Genderreferat abstauben können. Robyn hat daraus hingegen ein unwiderstehliches Empire in Pop, Disco und Charts geschaffen. Und dieses Empire ist gerade live in der Lage, das megalomanische Prinzip des Großkonzerts wieder zu etwas Schwitzendem, Intimem zu überführen. I am in love with a robot – sollen die anderen doch sagen, was sie wollen.


Robyn Live Melt! 2011
Freitag
Bench Mainstage
23:00