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Gut Ding will Weill haben

Slut

Als das Theater Ingolstadt die Band Slut letzten Sommer fragte, ob sie Brechts “Dreigroschenoper” neu bearbeiten und aufführen wolle, überlegten die Kulturpreisträger des Jahres 2003 genau eine Woche und antworteten dann entschlossen: “Wir versuchen’s.” Klar, dass es zunächst Bedenken gab, ob man ei
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Als das Theater Ingolstadt die Band Slut letzten Sommer fragte, ob sie Brechts “Dreigroschenoper” neu bearbeiten und aufführen wolle, überlegten die Kulturpreisträger des Jahres 2003 genau eine Woche und antworteten dann entschlossen: “Wir versuchen’s.” Klar, dass es zunächst Bedenken gab, ob man einen derart erhabenen und oft interpretierten Stoff angemessen adaptieren könne. Doch, so Sänger Christian Neuburger, “nachdem wir die Stücke im Proberaum eine Zeit lang ausprobiert hatten, hat es irgendwann gefunkt.” Ganz unabhängig davon, dass strenge rechtliche Auflagen zu befolgen waren, z. B. die vorgeschriebene Anzahl von sieben Musikern, musste nicht gewaltsam in die Vorlage eingegriffen werden: “Wir waren erstaunt, wie nahe die Melodien und Harmonien des Originals an unserer eigenen Musik lagen”, so Neuburger. “Außerdem hat der Intendant Slut gekauft und wollte auch Slut haben.” Die Reaktionen auf die 22 ausverkauften Abende waren durchweg positiv – sowohl seitens des jungen Indie-Publikums als auch seitens der Kritik und des normalen Theaterpublikums. Sogar vor den gestrengen Ohren der Kurt-Weill-Gesellschaft, die die Band ins Bauhaus Dessau einlud, konnte die Interpretation cum laude bestehen.

So war es nahe liegend, die 13 Stücke umfassende “Dreigroschenoper” auf einem Album festzuhalten. Die Idee dabei war, die Songs “einzig von Slut” einspielen zu lassen, also nicht wie im Theater dargeboten, und (abgesehen von einem kleinen Chor, der auch im Theater dabei war) alleine gesungen von Neuburger. Und – “andere Musik, anderes Umfeld” – erstmals wurde vom bewährten Rezept Weilheim / Mario Thaler abgewichen und mit Tobias Levin ein neuer Produzent ausprobiert. Mit Erfolg, wie Neuburger bemerkt: “Tobias hat viel herausgeholt. Er hat sich auch richtig in die Thematik eingelesen, nicht nur in das Stück, sondern auch in Sekundärliteratur, und wir haben viel herumintellektualisiert. Es war sowohl musikalisches als auch wissenschaftliches Arbeiten. Wir sind sehr glücklich mit dem Ergebnis.”

Im Herbst gehen Slut mit der “Dreigroschenoper” in großen Theatern auf Tour. Auch danach ist es möglich, dass es Stücke von Weill ins reguläre Live-Programm der Band schaffen. Neuburger: “Wir haben bei einigen Konzerten Songs aus der ‘Dreigroschenoper’ gespielt. Ich glaube, wer die Stücke nicht kannte, hätte gar nicht gemerkt, dass sie nicht von uns sind.”