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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Lookbook

Slut

Schon komisch. Jahrelang existierte da eine Kapelle im bayerischen Untergrund, veröffentlichte in aller Ruhe zwei famose Alben bei einem Indielabel, und mir nichts, dir nichts holt sie der Major, tummeln sich die Dorfkinder von Westerhofen vor ihrem Heim und die Viva-Kids im Gästebuch ihrer Heimseit
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Autor: intro.de

Schon komisch. Jahrelang existierte da eine Kapelle im bayerischen Untergrund, veröffentlichte in aller Ruhe zwei famose Alben bei einem Indielabel, und mir nichts, dir nichts holt sie der Major, tummeln sich die Dorfkinder von Westerhofen vor ihrem Heim und die Viva-Kids im Gästebuch ihrer Heimseite. (Die dotcom-Domain als Klick auf den Zaunpfahl?) Die Slut-Buben stört das nicht im geringsten. Freilich, die Wut der frühen Jahre ist weg, wie bei so vielen Bands - irgendwann hat sich’s einfach mal ausgeärgert. Brüllte der sonst so lieblich singende, nein, die Stimmbänder streichelnde Chris Neuburger – „always silent, never loud“ – damals bisweilen los, dass es die Zuhörer auf gut bayrisch riss, kommt das neue Album leichter und seichter daher, ausgefeilter natürlich, massenkompatibler zwangsläufig. Und manchmal sogar in guter Stimmung. „Lookbook“ ist eine Geschichte. Anfangs als Buch geplant, hat die akustische Komponente die optische auf ein 12seitiges Booklet zusammengedrängt. Und das nach allen Regeln Weilheimscher Produktionskunst, britischen Pops und eben Westerhofener Bandgeschichte, und dazu ungewohnt facettenreich: nur die auf den Musiksendern rauf- und runtergenudelte Hymne „It Was Easier“ erinnert an Rialto; manches, wie „Andy“ – übrigens die Schlüsselfigur, der Verfasser des „Lookbook“ –, hat den typischen melancholischen Slut-Charme; anderswo wickelt sich ganz radiokopflastig eine Decke aus elektronischen Beats um die Gänsehaut des Hörers; und ganz am Schluss, als 15. (!) Stück, eröffnet sich in nahezu epischer Breite (jaja) ein Panorama, dem man nie wieder entkommen will. „Hope“. Statt früher: „Full Of Anger, Full Of Fear“. Nein, Slut sind keine Medienstars. Nettigkeit is king. Und „Lookbook“ ist auch keine „wichtige“ Platte. Aber es ist eine wunderschöne, eine große Pop-Platte. Ach übrigens: „Slut“ ist schwedisch und bedeutet „geschlossen“. Schluss, aus.