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Gitarren als Medizin

Slowdive live in Köln

Nachdem Intro ihr selbstbetiteltes Comeback-Album auf Platz 1 seiner Jahrescharts wählte, führen Slowdive ihre neuen Songs endlich auch in Köln live vor. Ihr Konzert trotz krankheitsbedingter Schwächen ein erhebendes Shoegaze-Erlebnis.

Geschrieben am

26.02.18, Köln, Gloria

Ob sich Slowdive das auf ihre alten Tage so ausgemalt haben? Seit ihrer Reunion im Jahr 2014, spätestens aber seit ihrem Comeback-Album im letzten Frühjahr reiten die routinierten Briten auf einer Erfolgswelle. Die aktuelle Tour, die sie nach Skandinavien nun nach Deutschland führt, ist fast überall ausverkauft, so auch dieser Abend im nicht gerade kleinen Kölner Gloria Theater. Und es sind nicht nur alte Nostalgiker unter den Ticketinhabern, sondern auch neue Fans, die sich von der selbstbetitelten LP bezaubern ließen, die es letztendlich auch auf Platz 1 der Intro-Jahrescharts schaffte.

Die Anstrengungen der letzten Wochen, sicher aber auch die Kälte haben jedoch ihre Spuren bei der Band hinterlassen. Als das Quintett auf die Bühne tritt, wirkt es etwas blass um die Nase, speziell die beiden Frontleute Rachel Goswell und Neil Halstead hat die Grippe deutlich sichtbar erwischt. Der Grandezza ihrer Shoegaze-Sound-Wälle kann das zunächst wenig anhaben, auch nicht der Klasse ihrer Hits, die gerade das letzte Album zu mehreren besaß: Mit »Slomo« beginnt die Band den Reigen, in regelmäßigen Abständen streut sie »Star Roving«, »No Longer Making Time« und kurz vor Schluss »Sugar For The Pill« ein. Aber auch alte Stücke, mehrheitlich von ihrem 1993er-Meilenstein »Souvlaki«, sind Teil der Setlist.

Ergänzt werden die Songs um mehr oder weniger konkrete Visuals, die unterstützen, ohne zu überlagern. Geredet wird dabei wenig. Das scheint aber die genau richtige Entscheidung zu sein, um den Sog dieser Musik möglichst nicht zu unterbrechen. Slowdive sind in der luxuriösen Position, ihre Musik für sich sprechen lassen zu können, sie können auf aktive Posen verzichten und tun das auch. Andere Bands mögen extrovertiertere Live-Acts sein, bei Slowdive war und ist alles dem Sound untergeordnet. 

Schade ist dabei nur, dass besonders Goswell gesanglich nicht ganz auf der Höhe ist und während ihrer Parts hin und wieder unterbrechen muss. Aber wer will es ihr bei Temperaturen im beständigen Minusbereich und langen Wegstrecken von Tour-Station zu Tour-Station verdenken? Zum Glück haben Slowdive ja ihre Songs, die jede Malaise vergessen lassen können.

Slowdive

Slowdive

Release: 05.05.2017

℗ 2017 Dead Oceans