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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Slow Attack

Brett Anderson

Die Instrumentierung beschränkt sich oftmals nur auf Klavier und Gesang. Für so einen reduzierten Ansatz braucht es ziemlich gute Songs, deren Schreiber Anderson wohl gerne wäre.
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Die Instrumentierung beschränkt sich oftmals nur auf Klavier und Gesang. Für so einen reduzierten Ansatz braucht es ziemlich gute Songs, deren Schreiber Anderson wohl gerne wäre.

Es waren die Neunziger. Die Holzfäller aus Seattle hatten ihre grobschlächtigen Gitarren gerade zur Seite gelegt, weiche Typen mit feinen Gesichtszügen und androgynen Frisuren schickten sich von London aus an, die Welt zu erobern. Die Leute fingen an, "Buy British"-Aufkleber auf unsere CDs zu kleben. Suede waren Vorboten dieser neuen alten Musikrichtung. Den damenhaften jungen Mann, der im "Animal Nitrate"-Video leichtfüßig und unter der Lederjacke barbrüstig über den Bildschirm tänzelte, die Haare sich blasiert aus der Stirn streichend, wollte man mit Haut und Haaren verspeisen. Mittlerweile ist Brett Anderson reif geworden und solo unterwegs.

Ohne Bernard Butler geht leider nicht viel. Die Instrumentierung beschränkt sich oftmals nur auf Klavier und Gesang. Für so einen reduzierten Ansatz braucht es ziemlich gute Songs, deren Schreiber Anderson wohl gerne wäre. Aber nehmen Sie Scott Walker, Rufus Wainwright, von mir aus auch Jarvis Cocker, ersetzen Sie poetischen Tiefgang durch Plattitüden über Regentropfen, die an Fensterscheiben prasseln, streichen Sie dazu noch die Melodien, und Sie haben eine ziemlich konkrete Vorstellung von "Slow Attack". Diese Platte verhält sich zum Frühwerk von Suede wie "Chinese Democracy" zu "Appetite For Destruction".