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»Divide And Exit«

Sleaford Mods

Viel ist in den vergangenen Wochen in das ständig schlecht gelaunt wirkende Nottinghamer Duo Sleaford Mods ästhetisch hineininterpretiert worden. Meist wähnten die selten jungen Rezensenten in den minimalistisch unterlegten Rants von Jason Williamson das Erbe von Post-Punk - beim Boxkampf verwettet.
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Dieser hartnäckig nach hinten gerichtete Sicherheitsblick ist nur dummerweise genau das, was Sleaford Mods auch auf ihrem zweiten Album zutiefst verabscheuen. Interessanter wird die vertextete Wut gegen Altrocker im Allgemeinen, aber tollerweise eben auch gegen heilig wirkende Indie-Ikonen wie Sonic Youth, indem man Sleaford Mods in ihrer aggressiven Differenz annimmt, statt sie mühevoll in ausgelutschte Traditionen zu stellen: Die Band unterscheidet sich von so ziemlich allem, was „in“ ist oder war dadurch, dass sie sich in ihrer Anti-Haltung explizit auch den schwereren Opfern widmet. Jenen nämlich, die ihre Hörer verehren. Die humorlose Musiktrasse, die Andrew Fearn live mit einem Knopfdruck vom Rechner abfährt, um dann weiter E-Zigarette zu rauchen und Dosenbier zu trinken, stellt keine bloße Attitüde dar. Das minimalistische, unterproduzierte Geboller ist aber auch kein Ausdruck von technischer Unfähigkeit oder schlechtem Equipment. Und schon gar keine Hommage an alte Tage der Rebellion.

Es ist die zu den Texten einzig logische Drohgeste – haut ab mit eurem Loudness War, euren klinisch klingenden Plugins und euren beamtisch geführten Kack-Bands als GbR. Ja, Sleaford Mods klingen hier und da mal ein bisschen nach The Fall ohne Harald-Juhnke-Momente, nach The Prodigy auf Crack oder nach The Streets ohne Manieren. Aber die beiden über 40-jährigen Arbeiterklasse-Hobbymusiker, die sich plötzlich im Antlitz einer internationalen Karriere wiederfinden, werden euch nicht in den Armen liegen, wenn ihr ihnen das sagt. Sleaford Mods machen keine Kompromisse. Dass der Satz so schlimm nach einer PR-Phrase klingt, ist weniger Ausdruck meines verwahrlosten Schreibstils. Es ist die Schuld der vielen Bands, die das jahrelang von sich behaupten und nie auf Platte oder Bühne einlösen. Hört mehr Sleaford Mods. Und sei es nur um zu kapieren, wer ihr nicht seid oder sein wollt.

 

In drei Worten: Abgekoppelt / Kompromisslos / Außergewöhnlich

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