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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Star machine wissentlich verpaßt

Simple Ones

Mir wird zwar versichert, ich solle die Zeile nicht persönlich nehmen, jedoch richte sich der Song durchaus gegen Typen, die über Musik und die dazugehörige Szene schrieben. Nun gut! Nicht persönlich nehmen, klar! Immerhin schafft es die Band aus Memphis in „Sick And Tired“ endgültig, fr
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Autor: intro.de

Mir wird zwar versichert, ich solle die Zeile nicht persönlich nehmen, jedoch richte sich der Song durchaus gegen Typen, die über Musik und die dazugehörige Szene schrieben. Nun gut! Nicht persönlich nehmen, klar! Immerhin schafft es die Band aus Memphis in „Sick And Tired“ endgültig, frank und frei zu singen: „I’m sick and tired of all the same damn songs ..." Stop ..., sagte ich „singen“? Singen im Sinne von „Popmusiksingen“ tut man auf „Two Cups For A Tale“ sehr ungern. Auf ihrem zweiten Album - die sieben bisher veröffentlichten Singles passen auch in den Popmusikdiskurs - scheint sich der Gesang oftmals verstecken zu wollen vor Feedback, einer neuen Wendung im Stück oder der endgültigen Hinwendung zur Popmusik im besten, großartigsten Sinn. Hinter den Instrumenten werden die Texte fast flüsternd und leicht verfremdet dahergenölt. Feedback und Pop in einem Atemzug, Drogenprobleme und optimistischste Songenden in „Dealing For Now“, bedrohlich wirkende Bassläufe und die „Lollipop Kids“ am Mikro, Fragen und Antworten auf „Two Cups For A Tale“. Antworten allerdings mundfaul hingeschmissen, bevor überhaupt der erste Schluck aus der Tasse genommen ist. Klar, gelegentlich politisiere man, aber nie, ohne den persönlichen Hintergrund aus den Augen zu verlieren. Doch sei es schwierig, die Bedeutung von Songs wie „Nathan Bedford, What Has Become Of Your Tan“ oder „Archipelago“ dem neugierig um Antworten Gierenden zu vermitteln. Jetzt nur nicht persönlich nehmen! Man lebe halt in Memphis, arbeite in der Band und irgendwie sei das nichts, worüber zu erzählen es sich lohne. Und irgendwie scheint man die Originalität an dem Album verloren zu haben ... oder man trägt den Bandnamen zu Recht? Jetzt aber nicht persönlich werden! Beinahe eine 35minütige Pop-Platte haben sie produziert, mittels der sie hätten Furore machen können: Songstruktur, Melodien, Ideen, Gitarre, Schlagzeug und Bass wuchsen zu etwas Schönem zusammen. Doch jeder einzelne Song wirft auf dem Weg in den Popozean mit all seinen Unwägbarkeiten kleine Rettungsanker: Acid Rock, Feedback, Obskuritäten und Desymbolisierungen. Bevor man ein Mädchen wie dich besingt, fragt man lieber, ob es genehm sei, jemanden auf der Bühne ficken zu sehen, tanzend in einem Käfig.
Die SIMPLE ONES wissen um ihr Pop-Potential, doch ist das nicht ihre Welt. Sie kennen die Spielarten der Musikszenen, lachen jedoch darüber. Die Star Machine startet ohne sie, und sie freuen sich darüber. Nicht nur, weil der Platz für Obskuritäten gesichert sein will, sondern auch, weil man sonst zu oft mit Leuten wie mir reden müßte.