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Excellent Italian Greyhound

Shellac

Eine späte Besprechung, aber früher ging's eben nicht: Wie bei jedem Shellac-Album bisher weigerten sich Steve Albini, Todd Trainer und Bob Weston auch beim neuen, von irgendwem "promotet" zu werden. Sollen sich die JournalistInnen das Album doch wie jeder normale Fan bei Erscheinen im Laden kau
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Eine späte Besprechung, aber früher ging's eben nicht: Wie bei jedem Shellac-Album bisher weigerten sich Steve Albini, Todd Trainer und Bob Weston auch beim neuen, von irgendwem "promotet" zu werden. Sollen sich die JournalistInnen das Album doch wie jeder normale Fan bei Erscheinen im Laden kaufen. Auch ein Interview gab es für uns im Endeffekt nicht, das man vorher versuchen konnte, unter der Privat-E-Mail-Adresse von Steve Albini anzufragen - zumindest kam nie eine Antwort. Und das, obwohl wir dachten, mit unserem letztjährigen Besuch in Albinis Studio Electrical Audio (Intro #144), in dem natürlich auch "Excellent Italian Greyhound" aufgenommen wurde, das Eis der Skepsis gebrochen zu haben. Schade. Schade, aber ehrlich gesagt: Auf diesen Prinzipien-Masochismus kann man als Fan einer Band und selbst als Journalist, der darüber schreiben will, nur stehen. Oder man ist ein kompletter Idiot.

In einer Welt, in der Bands oft von mehreren Firmen gleichzeitig promotet werden und generell immer weniger Künstler Überlegungen darüber anstellen, ob das eigene Werk auf Dauer nicht zu Zeichenmüll verkommt, wenn seine Außenwahrnehmung ausschließlich dem Warencharakter geschuldet ist, bildet Shellacs Haltung ohnehin längst eine Ausnahme von der Regel. Alleine deshalb, weil die Band eine Haltung zu diesem Thema hat - egal, ob man jene nun gut findet oder für einen Indie-Atavismus in einer Welt hält, in der das Wort Indie ohnehin jegliche Bedeutung verloren hat.

Langer Rede kurzer Sinn: Hier liegt Shellacs vierter Großentwurf vor. Und alles ist wie immer. Dringlichkeit, greller Noise-Naturalismus und der beste Schlagzeuger der Welt. Die Hardcore-Fans der ersten Stunde, so hört man, seien vom Werk aber nicht hundertprozentig überzeugt. Zu viele fahrige Filler-Songs wie vor sieben Jahren auch schon auf "1000 Hurts". Und der Meilenstein "At Action Park", das beste Noise-Album der 90er, bleibt natürlich sowieso unerreichbar. Sehe ich genauso, denn ich bin Hardcore-Fan der ersten Stunde. Aber für Songs wie "The End Of Radio", "Steady As She Goes" und noch ein, zwei andere hat sich all das Warten doch gelohnt. Und für das tolle Hunde-Artwork, bei dem die LP-Version die CD wieder mit beinhaltet, auch. Shellac bleiben besser als das meiste andere in dieser Welt. Und auch wenn Steve Albini diese Meinung nicht interessiert - ich glaube fest daran.