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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

mit Welz und boskamp

Sexy Elevator Muzak 006

Werte Fahrgäste: Rock is back, hört man. But not the solution, wollen wir ergänzend hinzufügen. Deshalb hier, ganz klassisch Diaspora-mäßig sozusagen, stattdessen wieder ein ganzer Aufzug voller slicker Breaks, lässiger Loops und jazziger Flächen. Für Tänzer-Menschen und Chill-People mit latentem Ha
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Werte Fahrgäste: Rock is back, hört man. But not the solution, wollen wir ergänzend hinzufügen. Deshalb hier, ganz klassisch Diaspora-mäßig sozusagen, stattdessen wieder ein ganzer Aufzug voller slicker Breaks, lässiger Loops und jazziger Flächen. Für Tänzer-Menschen und Chill-People mit latentem Hang zu gutem Geschmack und/oder Willen zur Evolution. Geliftet werden durch Musik ... auf Sofa und Tanzfläche. Hat doch was.

Alben
P’Taah „Staring At The Sun“ (Ubiquity / Groove Attack) – Ganz großer Wurf aus Nujazzhausen a.k.a. London. Das Kollektiv um den Aktivisten Chris Brann soult sich auf dem Nachfolger zum genialen „Compressed Light“-Album in ungeahnte Höhen. Edle handmade Blue-Notes segeln über hohe Schnipsel- und funky Sample-Kunst, warme Vocals tun das Übrige. Breitwand-Cinemascope in very liebevoll. Universal Funk „Re:Done“ (April / Indigo) – Keine wirkliche Remix-Kollektion, sondern eher ein Northern-Showcase-Album. Universal-Funk-Tracks in gekonnt elektroiden Verwurstungen von Tweak, Worldless People, Swell Session, Ben Human und diversen Nordlichtern. Unterschiedlichkeit macht munter. Für frische Hirne. Bassman „Minimal Distraction“ (Fabrique / SIB Distribution) – Eine Paloma-Hälfte geht solo. Und was soll dabei schon herauskommen außer großartiger Minimal-Funk mit süffiger Dub-Note? Eben. Sparsam gesetzte Vocals sowie das ein oder andere Miles-Davis-Sample verweisen auf weiten Horizont. Sometimes we love this truly! Daniel Magg „Facets“ (Compost / Universal) – Das Compost-Label setzt mit neuem Vertrieb wieder auf Zukunft. Wordless Peoples Daniel Magg hat sich trotz seiner Solo-Aktivität einige Gäste (Minus 8 und Wolfgang Rüter an den Keys) eingeladen und feiert das dritte Jahrtausend mit einer Hommage an Detroit-Electro, Deep-House und Breakbeat. Manchmal verlässt ihn dabei – bei aller futuristischen Weitsicht – der elementar zündende Groove. Doch schnell ist die Entschädigung in Form geschickt verwobener Vocals parat. Fazit: Elektronik und Gesang ganz ohne Indietronics-Nerv. Schick. Zimpala „The Breeze Is Black“ (Lounge Records / PP Sales) – DJ BNX und seine Crew kommen aus Bordeaux. Nach diversen Ausflügen in die weite Welt der Kuschel-Erotik („Sexopolis“ auf Homebase-Label Fantomas) und etliche Chateaux Bordeaux später gibt’s nun was auf die Lounge – sorry, den Downbeat. Elektronisch soll es sein, verspielt, mit einer Prise Humor und ausgefeilt. Gelingt recht gut, landet aber nur im gesicherten Mittelfeld. Immerhin. Jay Alanski „Les Yeux Crevés“ (F-Com / Pias) – W: Monsieur Alanski, auch bekannt als A Reminiscent Drive, gefällt sich darin, emotionale Dichte und diffuse Abstraktion in wundersamen Einklang zu bringen. Dabei entstehen solche Slow-mo-Beat-Burner wie „Schmaltz“ oder „Nan“. Großes Kopfkino trifft auf Metropolen-Blues. Kein Wunder – kommt ja auch vom Montmartre/Paris. B: Nur manchmal gehen dem Mann dort anscheinend etwas die Nerven durch. Klingt aber auch super. Zum Staunen! Joakim „Fantomes“ (Versatile / PP Sales) – B: Joakim Bouaziz bildet den Abschluss unserer Franzosen-Trilogie und ist gleichzeitig unser Sorgenkind für diesen Monat. W: 80s-Samples gehen eine dauerhafte Freundschaft mit Jazz-Fraktionisten ein?! Glauben wir nicht wirklich dran. Natürlich wird auf dem Beipackzettel wieder irgendwas über Sun Ra gefaselt, und ich bin sicher, sofort finden das alle wieder ganz großartig. Ab und zu bricht die Genialität durch und dann wieder ein. B: Kommt in unsere Schublade zu Jimi Tenor. File under: die großen Unverstandenen.

Compilations
Diverse „Club Bogaloo 2“ (Spinning Wheel / Groove Attack) – Das Bogaloo im bayrischen Pfarrkirchen gilt als Mekka der internationalen Freestyle-Gemeinde. Kein Wunder, dass in dem vormaligen Pornokino mit Land-Atmo dann auch regelmäßig die entsprechenden DJs ihre Dienste feilbieten. Und im günstigsten Fall, wie hier nämlich, gleich ein paar exklusive Hommage-Tracks dalassen. Ian Simmonds, BTO Spider & Jeremiah, Russ Gabriel, der grandiose Jimpster oder Über-Keyboarder Mark De Clive-Lowe – hier wird ausnahmslos ganz erstklassig serviert. Sogar TGM / The Green Man feiert den Milchkaffee vor Ort. Auch wir wollen natürlich eingeladen werden und würdigen dieses feiste Machwerk nicht zuletzt deshalb als unsere Kopplung des Monats. Many prima Styles für different Heads. Super! Diverse „Playlist – 15 Tracks From JCR“ (JCR / Universal) – Der Titel sagt’s schon: ein Überblick über diverse schöne Highlights aus zig Jahren Kollaboration zwischen Deutschlands erster Adresse in Sachen Future Sounds Of Jazz und ähnlich gesonnenem Berliner Ausnahme-Kollektiv. Handverlesen von Letzteren. Claasen Collective, Koop, Underwolves oder Nuspirit Helsinki sowie natürlich die Jazzanovas themselves in allerlei Varianten. Fraglos zeitlos, notorisch tanzbar. Diverse „Future Sounds Of Jazz Vol. 9“ (Compost / Universal) – Wo wir gerade beim Thema sind: Das Methusalem-Alter dieser Reihe – immerhin kompiliert Label-Chief Reinboth seit etwa zehn Jahren – offenbart auch das Erfolgsrezept: Exklusivtracks, kein Ausverkauf in Richtung big names und ein gutes Gespür für das, was der Zeitgeist-Markt in der Regel ein Jahr später als „in“ up-gradet. Es wird in jedem Fall wieder elektronischer. Mit Alexander Kowalski, dem grandiosen Neu-Einsteiger Monassa und diversen Skandinavia-Tronics. Diverse „Black Nights At Garito Café II“ (Flamingo Discos / PP Sales) – Schwarze Nächte light. Auf Mallorca sind die meisten Nächte entkoffeiniert. Manchmal muss es halt doch Espresso sein. Im Garito stehen außerdem Freestyle und Deep-House hoch im Kurs. Die zahlreichen namhaften Gäste haben ihre Spuren an den Turntables hinterlassen: Dieser Energy-Mix featuret die Haute Couture der Freestylisten mit Amüsier-Garantie. Wer dazu den Booty bewegt, bleibt nicht lang allein. Dafür sorgen u. a. Teddy G, Fertile Ground im Alex-Kid-Rework, der geniale Wahoo-Remix von Jazzanovas „That Night“ und die ungeheuer floatende Mixtechnik von Garito-Resident Nacho Velasco. Stimmig! Diverse „Kitsuné – Love“ (Kitsuné / PP Sales) – Love, ein schönes Thema. In Frankreich hat dieses Motto Tradition. Wahrscheinlich wirkt diese Compilation auf dem Mode- und Musik-Label Kitsuné deshalb so authentisch. Tracks der französisch geprägten Pop/House-Schnittstelle, wunderschön vorgetragen von u. a. DJ Gregory (Member of Soha mit Julien Jabre), Ernest Saint Laurent oder Gonzales, der Daft Punks „Too Long“ seinen Stempel aufdrückt. Das „Love Pasta“-Rezept wird mitgeliefert – na, dann kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Diverse „The United Nations Of Future Music Vol. 1“ (Om / Zomba) – Kopplungen auf Om Records kann man eigentlich immer blind kaufen. Und das soll wirklich was heißen. Auch auf dieser wird wieder kräftig die Schnittstelle zwischen Lehnsessel und Discokugel ausgelotet. Mal funky, mal dubbig, mal housig, mal jazzy. Mit Rohdiamanten wie Laird und Rithma, aber eben auch mit King Britts Scuba oder King Kooba. Sehr fortschrittlich! Diverse „Milano Lounge“ (Amiata) – Ein lustiges Völkchen, diese Italiener. Style haben sie jede Menge, das wussten wir schon. Dass es aber in Mailand so viele schöne Bars und Lounges gibt, das konnten wir nur ahnen. Jetzt ist es amtlich, und man kann in diesem CD-Format-Buch diverse Ausklapp-Bildchen darüber ansehen. Während der beigefügte Silberling passende, hinlänglich bekannte Tracks von De-Phazz, Boozoo Bajou oder Tosca reinreicht sowie noch einiges an so richtig schön bizarr-naiver Italia-Ware. Been there, done that, got the T-Shirt, sollte man meinen ... Aber das Büchlein ist halt sehr cool. Diverse „Nippon Connection – The Tokyo Metro Soundtrack“ (CKP / Intergroove) – Feine Idee. Gemeinsamer Ausgangspunkt: Samples von Geräuschen der ameisenmäßigen U-Bahn in Tokio. Das Glück, sich speziell an diesem Thema abarbeiten zu können, wissen erklärte Japanologen wie Kabuki und Digital Jockey ebenso zu schätzen wie vermeintlich abstraktere Kollegen vom Schlage eines Losoul. Oder gar entspannte Jazz-Fraktionisten wie Soul Patrol. Erstaunlicherweise verwenden die meisten der Beteiligten eine ganz ordentliche Portion Gelassenheit – und das ist auch gut so. Elektro-Gesamtkunst auf höchstem Niveau. Diverse „Rewind 2“ (Ubiquity / Groove Attack) – Wer hätte gedacht, dass uns eine Compilation aus Cover-Versions und Remakes derart gefallen würde? Klassiker der Rare-Groove-, Bossa-, Soul- und Pop-Historie (Bill Withers, Grace Jones, Curtis Mayfield), frisch bearbeitet von Herbert, Joseph Malik, Roy Davies Jr. und Bossa-Novizen wie Nicola Conte oder Superbaccana. Das ist geil bis auf eine Ausnahme: „Fragile“ von Sting hat uns schon auf 80er-Tupper-Partys immer gelangweilt.

Maxis
Worldless People „Sunrise / Smooth As Silk“ (Slip’n’Slide / Kickin) – Das umtriebige Kollektiv um Daniel Magg mal für eine Maxi von Compost an Slip’n’Slide ausgeliehen. Mit „Sunrise“ geht’s Richtung geschmeidigen Samba-Floor, die B-Seite verbreitet erstaunlich deutliches Motorcity-Feeling mit viel zackigem Elektro-Fieps. Manasseh Meets The Equalizer „Pepper EP“ (Select Cuts / Echo Beach / Efa) – Langlebiger britischer Reggae-Producer macht meistens alles richtig. So auch auf seiner neuen EP, die von ziseligem Ska-Feeling und knackigen Steppern bis zu rootsiger Elektronik alles unterbringt, was irie ist. Und ein flankierendes Album triggert, das gehört werden muss. Cool Hipnoise feat. The Last Poets „C’mon Family EP“ (Select Cuts / Echo Beach / Efa) – Portugiesische Großfamilie mit Hang nach Jamaika lädt amerikanische Poetry-Legenden zum funky-wortgewaltigen Pow-Wow with a little dub. Ansonsten geht’s ruhiger und fast schon verhalten zu. Zwischen den St(üh)ilen, irgendwie. Nur ganz bisschen Reggae. Aber schön. Produziert übrigens von obigem Manasseh. Raw Deal „Eye Fly“ (Straight Ahead / PP Sales) – Straight Ahead mit einem weiteren Bonbon ihrer Sammlung – und gleichzeitig Anteaser für das im Frühjahr erscheinende Raw-Deal-Debüt. Sehr tanzbare Breakbeats mit dezentem Bossa-Einschlag auf der A. Die Flipside gefällt mit gehörigem Pop-Appeal.

PS:

GusGus „Attention“ (Underwater / PP Sales) – Endlich hierzulande in den Läden zu finden. Die Review erschien seinerzeit zum internationalen VÖ und findet sich unter www.intro.de. Attila Jahanvash „Zweier Golf“ (3Ton / Neuton) – Gepflegte und ganz schön gerade Beats. Neben dem ziemlich authentischen Tanzflur-Flair glänzt die Platte auch durch Witz und Stylertum. Der zweite Track heißt dann auch „Die Cadillac Gang“. Cooler als die Spaghetti-Bande. Diverse „Electronic Music For Heroes“ (Hydrogen Dukebox / PP Sales / VÖ 07.04.) – Hydrogen Dukebox dürfte jedem ein Begriff sein, der auf groovige elektronische, aber auch clevere Töne steht. Ein gutes Paket, um sich Label und Style zu nähern oder es weiter zu preisen, liefert „Electronic Music For Heroes“ mit u. a. Chamber, Lithium Project, Metamatics. Diverse „Club Bogaloo 2 – More Freestyle Out Of Nowhere“ (Spinning Wheel / Groove Attack) – Der Club, das Leben. An vielen Enden fügt sich das zusammen. So auch auf dieser Compilation zur Feier des fünften Jahres des Clubs Bogaloo. Das Ganze ist hier nicht zusammenlizenziert, sondern featuret exklusives Material. Von u. a. The Green Man, Jimpster, Reunion. Und bitte, don’t call it Nu-Jazz. Diverse „Badmeaningood Vol. 3 – Peanut Butter Wolf“ (Whoa) – Das ist eine Reise durch die Geschichte. Mit wechselnden Reiseleitern. Heute Peanut Butter Wolf, gestern (Vol. 1 und 2) Skitz & Volume und Roots Manuva, morgen (Vol. 4) Scratch Perverts. Daraus ergeben sich krude persönliche Mischungen davon, was HipHop groß gemacht habe. Denn Wolf zieht dabei neben Grandmaster Flash tatsächlich auch Klopper wie Iron Butterfly oder Human League. Beady Belle "Cewbeagappic" (Universal / VÖ 7.4.) - Der zweite Streich aus dem hohen Norden. Sehr smoothe Platte einer Chanteuse mit wirklich einmaliger Stimme. Geht runter wie Öl. Und das Ergebnis wird noch potenziert durch Chor-Arrangements. Trotz des Pop-Appeals bleibt die Platte ihrer Herkunft, dem Jazz treu. Popshop „Salon Bizarre“ (Raygun / Intergroove) – Wie geil das ist. Lebendigster Electro, der zwar mitunter sehr minimale Ansätze vertritt, aber dennoch nie den großen Moment versäumt. Damit lässt sich mehr als ein guter Abend verleben. Kid Loco „AnotherLateNight“ Single (Zomba) – Der alternde Milchmann auf dem Cover, dazu schepprige und gut abgehangene Beats. „Welcome to AnotherLateNight“ – neben dem Song gibt es noch einen Spoken-Word-Track mit 1a englischem Akzent. Mehrere Erasmus-Studenten helfen uns demnächst bei der Übersetzung.