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»Soil«

Serpentwithfeet

Serpentwithfeets grazile Ouvertüren zwischen postmodernen und antiken Klängen sind keine leichte Kost – aber das sollten sie auch nie sein.

Geschrieben am

Ein flüchtiger Blick genügt nicht, damit sich die Magie von Serpentwithfeets Hybrid aus orchestralem Art-Pop und 1990er-R’n’B in all seiner Pracht offenbart. Das zeigen bereits die ersten Sekunden des Album-Openers »Whisper«. Der Sänger, bürgerlich Josiah Wise, dirigiert mit schwereloser Stimme durch filigrane Instrumentierungen, bis eine Salve aus Bläsern, Orgeln und düsteren Beats, die The Haxan Cloak beigesteuert hat, in die Orientierungslosigkeit führt. Bei oberflächlicher Betrachtung wirken die Kompositionen nicht selten überfordernd und unwirtlich. Einem Publikum bedingungslos gefällig zu sein zählt allerdings längst nicht mehr zu den Prioritäten des Sängers: Dem früheren Druck, streng religiösen Lebensweisen nachzugehen, widersetzte er sich bereits mit der 2015 erschienenen Debüt-EP »Blisters«. Auf »Soil« beschreitet er seinen Weg als stolzer Queer-Mann nun selbstsicherer denn je. Trotzdem ist seine Künstler-Persona alles andere als eine Flucht vor den eigenen Wurzeln: Er nutzt auf brillante Art religiöse Essenzen, um sich auf eine Reise der Selbstverwirklichung zu begeben.

Elf Songs widmen sich den Überbleibseln seines gebrochenen Herzens, mithilfe geistreicher Komik gelingt es Wise jedoch, dass sich dennoch gelegentlich ein süßer Beigeschmack auftut: Mit clever kostümierten biblischen Bildern umschreibt er seine Begierde. Nachdem wie in »Seedless« eben noch Kirchenglocken ertönen, artikuliert Wise im nächsten Satz unverblümt sein unkontrollierbares sexuelles Verlangen. Serpentwithfeets Schamlosigkeit und seine opernhaften Spinnereien üben einen zunehmenden Sog aus, und spätestens ab dem verzweifelten »Mourning Song« lechzt man gierig nach der nächsten musikalischen und lyrischen Offenbarung. »Soil« ist ein Auftakt für den von Wise postulierten »heidnischen Gospel« und fordert die Fusion zweier Welten, die nie hätten separiert sein sollen.

serpentwithfeet

soil

Release: 08.06.2018

℗ 2018 Secretly Canadian / Tri Angle Records

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