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Ill Communication

Sensational meets Kouhei

Wo zum Teufel steckt Sensational? Skiz Fernando (a.k.a. Spectre a.k.a. The Ill Saint a.k.a. Word-Sound-Labelchef) scheint ratlos, was den Aufenthaltsort seines Freundes, Schützlings und Künstlers betrifft. Dabei hatte er für dieses Wochenende ein Sensational-Telefon-Interview versprochen und war sel
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Wo zum Teufel steckt Sensational? Skiz Fernando (a.k.a. Spectre a.k.a. The Ill Saint a.k.a. Word-Sound-Labelchef) scheint ratlos, was den Aufenthaltsort seines Freundes, Schützlings und Künstlers betrifft. Dabei hatte er für dieses Wochenende ein Sensational-Telefon-Interview versprochen und war selbst extra von Baltimore, seinem neuen Wohnsitz, nach New York geflogen, um Sensational zu helfen, einen neuen Pass zu beantragen. Denn dieser führt scheinbar wirklich ein chaotisches Leben, besitzt weder Telefon noch Handy, zieht mit seinen sieben Sachen ständig von einem Freund zum anderen oder schlägt sich sonst irgendwie durch. Das jedenfalls scheint kein Promo-Gag oder angedichtete Ghetto-Authentizität zu sein, sondern bittere Realität.

Sensational ist aber auch bekannt für einen kompromisslosen Lebensstil, bei dem Genie und Wahnsinn nah beieinander liegen. Auf seinem aktuellen Album trifft der selbst ernannte Freak-Styler auf den japanischen Noise-Meister Kouhei Matsunaga, der in der Liga der kranken Beats unter anderem bereits mit Merzbow und Rudolf Eb.er gespielt hat. Dem New Yorker MC legt er technoide Sounds unter die halluzinatorischen Texte. Das Ganze hört sich vielleicht zunächst nach schwer verdaulicher Kost an. Kennt man jedoch bereits die älteren, ziemlich sperrigen Veröffentlichungen des ehemaligen Jungle Brothers (Sensational ist als blutjunger Rapper unter dem Namen Torture an deren 93er-Album “J Beez Wit The Remedy” beteiligt gewesen), dann wirkt der improvisierte Experimental-HipHop auf diesem Album zwar recht ungehobelt, aber durchaus hörbarer und streckenweise sogar melodiös. Manchmal wackeln die ansonsten stoisch vor sich hin ratternden harten Beats zwar gewaltig, an der schrägen Wirkung von Sensationals halsbrecherischen, nasalen Lyrics ändert das jedoch nichts.

Nur einen Studiotag brauchten die beiden im vergangenen Jahr bei einer Session in Osaka für das vorliegende Album. Und das fast ohne Vorbereitung, verrät Kouhei, der letzten Endes an Stelle von Sensational per Mail erreichbar war: “Ich habe Sensational bereits 2002 getroffen, als wir ihn für eine Veranstaltung unseres Labels Flying Swimming nach Japan eingeladen hatten. Letztes Jahr war er dann im Rahmen unserer Partyreihe ‘Handshake’ wieder hier. Sensational hat erst einen Tag zuvor einen der von mir vorproduzierten Tracks (‘Fine Wine’) bei mir zu Hause hören können. Wir haben weiter nichts diskutiert. Die Stücke sind so, wie sie sind, im Studio entstanden. Für mich ist das Improvisation, ist das Noise.”

Um einen kurzen Eindruck dieser Session zu vermitteln, liegt dem Album als Bonus ein kurzes, von Skiz Fernando gedrehtes Video bei, das den Aufnahmetag dokumentiert. Die intensive Atmosphäre, die Kouhei beschreibt, lässt sich dabei aber nur erahnen: “Ich habe ein paar DAT-Tapes mit ins Studio gebracht und Sensational meine Lieblingstracks vorgespielt. Es war eine wunderbare Erfahrung, voller Spaß und guter Spannung im Studio. Ich bin wirklich stolz auf das Ergebnis.” Und das mit Recht. Denn die beiden produzieren hier wirklich einen neuen Masterplan für etwas, das man den Punkrock des HipHop nennen könnte – ungeschliffen und hart, aber voller wilder Energie.