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So war's in Köln: Fieberschübe

Scout Niblett live

Trotz einer von den Strapazen ihrer wochenlangen Tour verursachten Krankheit absolviert Scout Niblett in der Heimat ihrer Band einen Auftritt, der in seiner Düsterheit und kargen Schönheit die besonderen Qualitäten der britischen Songwriterin wieder mal herausstellt.
Geschrieben am

 

1.12.13, Köln, Gebäude 9

 

Lange Tourneen sind anstrengend. Findet jeder Musiker, egal ob er im Nightliner oder Neunsitzer unterwegs ist, egal ob er abends vor 50, 500 oder 5.000 Leuten spielt. Wenn man so eine lange Tour durchgestanden hat und dann auch noch von solch zarter Konstitution ist wie Scout Niblett, dann ist ein Schnupfen quasi vorprogrammiert. Gerade dann, wenn es kalt ist, gerade dann, wenn man seine Stimmbänder so sehr strapaziert wie die in Portland lebende Britin, die immer noch so aussieht wie gerade dem Teenager-Alter entwachsen.

Angesichts dessen kann sie froh sein, eine so gute Band neben sich zu haben wie wohl noch nie zuvor in ihrer Karriere. Dazu ist auch noch die Geschichte ihres Zusammentreffens schön: In Köln wurde sie anlässlich eines außerordentlichen Konzertes mit den hier lebenden Jan Philipp Janzen (Urlaub in Polen, Von Spar) und Miguel Ortiz-Caturani (u. a. The Royal We) zusammengebracht. Die gemeinsamen Proben und Auftritte ließen sich so gut an, dass die beiden Niblett fortan ständig auf Tour begleiteten.

 

Janzen und Ortiz-Caturani bilden an diesem Abend so etwas wie das Rückgrat der seit eh und je fragilen Songs Nibletts. Das gibt der Britin die Sicherheit und Ruhe, ohne die sie das Konzert womöglich gar nicht durchgestanden hätte. Schließlich macht es ihre wunderbar stimmungsvolle Musik nötig, sich voll zu verausgaben, vor allem gesanglich. Und das wäre angesichts ihrer deutlich sichtbaren erhöhten Temperatur kaum zu leisten.

 

Die Band interpretiert Nibletts Stücke seit Beginn ihrer Zusammenarbeit sehr rockig. Die fragilen, leisen Parts werden durch noisige Passagen aufs Wirkungsvollste konterkariert. Neben den Stücken des aktuellen Albums »It’s Up To Emma« spielt sie nur noch ein paar der Hits des wohl besten Niblett-Albums überhaupt, »This Fool Can Die Now« aus dem Jahr 2007. Währenddessen kann man bemerken, wie sehr Scout Nibletts Kraft schwindet. Die Pausen werden länger, ihre Standardfrage »Any Questions?« kommt häufiger. Aber sie hält durch. Eine Stunde lang. Und bekommt dafür den anerkennenden Applaus, den eine Musikerin verdient hat, nachdem sie wochenlang durchs kalte Europa getourt ist.