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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Alpinisms

School Of Seven Bells

Wo kommen die denn plötzlich her? School Of Seven Bells, die neue Band des Secret-Machines-Mannes Benjamin Curtis, geben dem Laptopmusik-Publikum die 90er zurück.
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Wo kommen die denn plötzlich her? School Of Seven Bells, die neue Band des Secret-Machines-Mannes Benjamin Curtis, geben dem Laptopmusik-Publikum die 90er zurück. Bedanken kann es sich bei den eineiigen Zwillingen, die der Band ihre Stimmen leihen.

Bands mit eineiigen Zwillingen? Davon gibt es nicht gerade viele. Aber Tokio Hotel und Tegan And Sara könnten einem einfallen. Und Bezug nehmen würde man im Rahmen von Intro natürlich gerne auf Letztere. Aber welche Parallelen sollten zwischen dem melodieseligen Indie-Rock der Kanadierinnen Tegan And Sara und dem kontemplativen Drone-Pop von School Of Seven Bells aus New York gezogen werden können, wenn es um Inhalte und nicht den langweiligen Gala-Aspekt der geteilten Eizelle gehen soll? Eine kleine gibt es tatsächlich: Beide Bands speisen unterschwellig einen Gutteil ihrer musikalischen Faszination aus dem Effekt, hier wirke vermeintlich nur eine Person, die sich selbst im Studio doppele und den Background zur eigenen Leadstimme einsänge. Dabei handelt es sich eben doch um zwei Musikerinnen mit zwar vermeintlich gleichen Stimmen, bei genauem Hinhören aber eben doch individuellen Stilen, Ideen, Zuwegen. Alejandra und Claudia Deheza unterhielten vor dem Aufeinandertreffen mit Benjamin Curtis, der für School Of Seven Bells seine alte Band The Secret Machines verließ, mit einem weiteren Musiker das Projekt On! Air! Library!, das auch schon versuchte, entrückte Melodien und experimentellere Klacker-Elektronik zu verknüpfen. Um es kurz zu machen: Klappte gar nicht. Jetzt aber. "Alpinisms" ist ein verhalltes, waberndes Debüt voller Kathedralen-Hall und mikroskopischen Electro-Spielereien. Eine 90er-Hommage an My Bloody Valentine oder Lush auf Codeine und Sequencer. Und dennoch hochorganisch, verdichtet und poppig. In den schönsten Momenten sogar so poppig, wie The Postal Service vielleicht gerne wären. Dass sich der Bandname von einer vermeintlich existenten südamerikanischen Taschendieb-Akademie ableitet und die Tracks als Sendschreiben zwischen den sieben imaginären Mitgliedern dieser Akademie verstanden werden sollen - diese Fantasy-Kröte muss man als Hörer leider schlucken. Kann man aber, denn Stücke wie "Iamundernodisguise" oder "Half Asleep" sind anrührende Pop-Epen. Ein offenes Telegramm an die internationale Zwillings-Akademie: Legt den neuen "Potter" beiseite und macht mehr Musik!


School Of Seven Bells "Alpinisms" (Ghostly / !K7 Distribution)