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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

»Rare«

Schnipo Schranke

Eine neue Ladung Obszönitäten-Chansons? Ja, gerne. Diesmal lassen uns Daniela Reis und Friederike Ernst noch näher an sich heran.
Geschrieben am
In der sehr sehenswerten arte-Reihe »Durch die Nacht mit ...« gab es vor einigen Jahren eine sehr ungleiche Zusammenkunft: Moritz Bleibtreu traf Oliver Pocher. Als Pocher den an Tiefsinn interessierten Schauspieler enttäuschte und diesem dessen Albernheiten zunehmend auf den Zeiger gingen, sagte er folgenden Satz: »Olli, Provokation um der Provokation willen ist nichts wert. Damit kannst du vielleicht mal ein paar Idioten begeistern, aber das war’s.« Diese tendenziell oberlehrerhafte Haltung bringt die Attitüde auf den Punkt, mit der sich Schnipo Schranke von Teilen der schreibenden Zunft von Anfang an konfrontiert sahen. Zwei Frauen mit glühenden Punkherzen sangen über Sex und stellten auch mal ungeniert Begriffe wie »Pisse« und »Sperma« in den Raum. Während die einen feierten, rümpften die anderen die Nase. Die Verklemmten dachten sich: Was erlauben die sich? Zwei Frauen, die an Piano-Stücken entlang vermeintlich vulgär werden – muss das sein? Ja, es muss, denn wir sprechen hier einerseits von einer sympathisch freien Herangehensweise, andererseits aber von dem offenbar immer noch notwendigen und wichtigen Einreißen von Emanzipationsbarrieren. Die freie, gerne auch humorvolle Haltung ist jedenfalls auch auf Album Nummer zwei wieder Mittel.

Wir hören ein gesundes Maß an Kulturpessimismus heraus, eine Abrechnung mit einer »allzeit Like-bereiten«-Generation. Man erfährt mehr über tote Katzen, die Zeit nach einer Trennung und Wissenswertes über den toten Herrn Schulz. Die Erzählungen und Geschichten sind genauso charmant, eigensinnig, derbe und oft noch pointierter als auf dem schon famosen Debüt. In der ersten Single »Murmelbahn« vermag man die Überforderung herauszuhören, die das Duo aufgrund des respektablen Fames zeitweilig wohl empfinden musste. So ist die Platte an einigen Stellen düsterer, direkter und eine Spur melancholischer. Und in der Stalker-Hymne »Geist« sogar maximal anrührend.

Schnipo Schranke

Rare

Release: 27.01.2017

℗ 2017 Buback Tonträger