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»Schmuggler«: Geiz macht geil

So war der Tatort gestern

Wir blicken zurück auf den gestrigen Krimiabend: Peter Flore widmet sich montags immer dem neuesten »Tatort«.
Geschrieben am

Vielleicht wäre es mal eine gute Idee, sich auf zwei Dinge zu einigen: 1. keine unsinnigen Nebenhandlungen mehr. 2. keine weiteren Traumszenen o.ä., die bei David Lynch im Schnittmülleimer landen würden. Hätten sich die Macher des neuesten Konstanzer Tatorts »Schmuggler« darauf bereits comitted, wären einem die Spar-Olympiade im öffentlichen Dienst und Perlmanns versteckte Sexfantasien womöglich erspart geblieben. So darf Klara Blums Stelzbockkollege (Sebastian Bezzel) aber der neuen Sekretärin ungestraft auf den Hintern gucken.

Das kleine Städtchen Kreuzlingen am Bodensee ist ein modernes Babylon: Im Fünfminutentakt greift der Zoll Schmuggler auf, die Milliarden am deutschen Fiskus vorbei zu den Eidgenossen tragen. Einmal ist es offenbar Alfred Hilsberg (samt Gattin), der den Spürhunden in die Falle tappt (UPDATE: Das war Christoph Nix, der Intendant des Konstanzer Theaters in einer charmanten Gastrolle), ein anderes Mal versteckt ein rüstiger Rentner mehrere zehntausend (nämlich zwanzigtausend) Euro schwarz im Spazierstock mit goldenem Knauf umher. Und im örtlichen Eishockeyverein stehen rund 50 Jahre Knast auf dem Eis, da die Kabine vor allem als Drogenumschlagsplatz kolumbianischen Ausmaßes dient. Aber auch die Staatsdiener halten gerne die Hand auf, wenn es was umsonst gibt: So wulfft Perlmann sich durch Konstanz, indem er beim örtlichen Restaurant »selbstverständlich aufs Haus« speist. Warum auch nicht, die Spesen hätte er - Sparzwang! - eh nicht bei der neuen Geiz-ist-geil-Sekretärin Frau Kraft (Alwara Höfels) einreichen dürfen. Aber wenigstens darf Klara Blums Stelzbockkollege (Sebastian Bezzel) der neuen Kollegin ungestraft auf den Hintern gucken.
[usercomment=http://www.intro.de/forum/plink/3/1075711636/1327873094]Julia Koschitz ist einfach wunderbar! Neulich in dem aufreibendem Suiziddrama und für mich immer unvergessen im "Letzten schönen Tag". Das war´s auch schon was mir zu dem Fall einfällt.[/usercomment]
Abseits dessen entwickelt sich aber ein für Konstanzer Verhältnisse durchaus okayer »Tatort« mit vielen Verdächtigen und netten Wendungen, da Klara Blum (Eva Mattes) - vermutlich dem Sparzwang geschuldet - auch nicht so verschwenderisch wie gewohnt nerven darf. Mehr noch, es gibt sogar einige ungequälte Lacher (»Ich habe ihnen doch gesagt, dass ich Beamter bin«) und es fehlt beim Zuschauer das gewohnte Konstanzgefühl, wonach man nach dem örtlichen »Tatort« für gewöhnlich das Gefühl hat, sich lieber dem Abwasch in der Küche gewidmet zu haben. Und gerade als man eine gute »Drei« unter den Schlussstrich setzen will, setzt das Drehbuchteam nochmal zu einem kapitalen Bock an. Stichwort: Bewegungsmelder, Bluse, Dienstwaffe. Mehr dazu unten.

Das war super: »Robert ist tot.« - »[Abwesend] Das ist ja schrecklich... Ich stell das hier mal in den Kühlschrank...«
Das war mies: »Das ist meine Waffe.« - «Ach, das ist ihre Waffe?«
Lichtblick: Julia Koschitz als überzeugende Zollbeamtin und Täterin Marie Schreiber.

Nächsten Sonntag (05.02.) ermittelt dann wieder der Ösi-Eisner mit der Bibi in »Kein Entkommen«.

Den aktuellen »Tatort« kann man noch bis nächsten Sonntag in der ARD Mediathek anschauen, aus Jugendschutzgründen allerdings nur zwischen 20 und 6 Uhr.

»Will denn niemand was zum gestrigen Tatort schreiben?«:
Im Forum diskutieren Intro-User über vergangene und aktuelle Tatorte.

Alle Texte zum Thema »So war der Tatort gestern« unter
www.intro.de/spezial/sowardertatort.