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Überlebensstrategien im Streaming-Zeitalter

Santigold live in Berlin

Dass sich Popkultur und Kapitalismuskritik nicht ausschließen müssen, beweist Santigold auf ihrem neuen Album »99¢«, das sie mit einer ausverkauften Show im Huxleys vorstellt. 
Geschrieben am
28.06.2016, Berlin, Huxleys Neue Welt  

Dass selbst eine populäre Künstlerin wie Santigold in Zeiten rückläufiger Tonträger-Verkäufe und unfairer Streaming-Modelle nicht von ihrer Musik leben kann, zeigt, in welchem Dilemma sich viele Acts heutzutage befinden. Obwohl Santi White bereits mit Pharrell Williams, den Beastie Boys und Lily Allen zusammengearbeitet hat und ihr zweites Album »Master Of My Make-Believe« immerhin Platz 21 der amerikanischen Album-Charts erreichte, muss die 39-Jährige viele »Corporate-Gigs« für Firmen und solvente Privatpersonen absolvieren.  

Umso erfreulicher ist es, dass wenigstens Santigolds Bekanntheit weiter zunimmt. Nachdem Santi White nämlich vor knapp vier Jahren im kleineren Astra auftrat, spielt sie am heutigen Abend im seit Wochen ausverkauften Huxleys. Folgerichtig steht die sympathische Amerikanerin einem erwartungsfrohen Publikum gegenüber, das nicht nur gestandene Hits wie »L.E.S. Artistes« oder »Say Aha« ausgelassen betanzt, sondern auch neues Material vom im Februar erschienenen »99¢«. Denn auch wenn sich die gelungene dritte Santigold-LP kritisch mit der Musikindustrie auseinandersetzt, versprühen Songs wie die schmissige aktuelle Single »Banshee« oder das eingängig groovende »Chasing Shadows« jede Menge Optimismus. Der überträgt sich auch auf die schon bald durchgeschwitzten und zunehmend begeisterteren Besucher.
Trotzdem bleibt es den älteren Santigold-Stücken vorbehalten, die Höhepunkte der Show zu bilden. Während das große »Disparate Youth« immer noch sprachlos zurücklässt, bittet Mrs. White zu »Creator« das Berliner Publikum auf die Bühne. Nicht wenige Fans kommen dieser Aufforderung unmittelbar nach. So sieht sich Santi White im Handumdrehen von dutzenden freudestrahlenden TänzerInnen umgeben. Dass dabei nicht eine Selfie-Flut über das Huxleys hereinbricht, überrascht sogar Santigold. Denn noch im März hatte die Mutter eines zweijährigen Sohnes in einem Interview mit dem Rolling Stone kritisiert, dass Menschen auf Konzerten Fotos von sich selbst machten, statt sich die Show anzusehen.  

Auch wenn die Intensität des Konzerts gegen Ende aufgrund einiger etwas schwächerer neuer Tracks wie »All I Got« und fehlender »Master-Of-My-Make-Believe«-Songs à la »The Keepers« ein wenig nachlässt, hat sich Santigold diese ungeteilte Aufmerksamkeit vollkommen verdient. Das liegt nicht nur an der großartigen Musik, sondern auch an der kreativen Bühnenshow der von zwei Tänzerinnen und zwei Live-Musikern begleiteten Künstlerin, die ihr hingebungsvolles Publikum mit einem elektrisierenden »Big Mouth« angemessen fulminant verabschiedet. 

Santigold

99 Cents

Release: 26.02.2016

℗ 2015 Atlantic Records UK for the world excluding North America and South America. A Warner Music Group Company