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Reverb

SANS SECOURS

Mit dem (Platitüden-) Prädikat "virtuos" soll man sparsam umgehen, und aus Österreich kann auch Gutes kommen. Ganz im Sinne der skurrilen, ihrem Debüt folgenden "Boogie Down E.P.", wo SANS SECOURS mit 70s-Hardrock- und Boogie-Adaptionen irritierten, setzen die Steiermarker jetzt ihre Strategie, jegl
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Autor: intro.de

Mit dem (Platitüden-) Prädikat "virtuos" soll man sparsam umgehen, und aus Österreich kann auch Gutes kommen. Ganz im Sinne der skurrilen, ihrem Debüt folgenden "Boogie Down E.P.", wo SANS SECOURS mit 70s-Hardrock- und Boogie-Adaptionen irritierten, setzen die Steiermarker jetzt ihre Strategie, jegliche eben gerade noch neu im Kopf des Hörers über SANS SECOURS enstehende Idee gleich wieder zu sabotieren, fort. Und dies virtuos.
SANS SECOURS setzen atmosphärische Instrumentalpassagen gegen Noise-Rock, verbinden Grunge und Alternative mit Postrock, springen mit dem countryesken "I See The Sun" ganz unbefangen in THROW THAT BEATige Limonaden-Pop-Niederungen, kombinieren dann wieder Hardcore-Riffs mit Emo-Schrammelpoprock und lassen es sich nicht nehmen, im Knochenbrecher "My Sin" noch ein paar Sekunden jazzig abzudriften. Das hat Hirn und Fuß. Und bleibt dennoch schlüssig. Denn daß hier alles hinter- und nicht übereinander geschieht, das ist gut so. Und fordert ein zu zitieren, ohne (krampfhaft) zu basteln, stilistische Ausflüge stets der darüberschwebenden Idee "Song" (oder "Track") unterzuordnen.
Der Opener "White Regatta" (Coverversion des POLICE-Klassikers "Reggatta De Blanc") beginnt mit schwirrenden FLYING SAUCER ATTACK-Schwurbelsound-Gitarren, gleitet hinein in museale Postrock-Beschaulichkeiten, und dann, dann rockt es. So einfach ist das.
Im wirklich schönsten Teil der Platte zeichnen SANS SECOURS unvermittelt, wunderbar sensibel und warm gesetzt, Instrumental-Texturen, die sie nur noch zwei Schritte entfernt von den großen, eigentlich unerreichbaren MOGWAI stehen lassen. Hätte der SANS SECOURS-Bassist beim Konzert im Münchner Backstage nicht die Stirn gehabt, als "freundlichen" Mikro-Check das Publikum (including me) daraufhin anzumaulen, daß ihm dieses nicht zahlreich genug erschienen sei, würde ich schreiben wollen: eine gute Platte, eine gute Platte. Eine Pute, eine glatte. Äh.