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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Mein neuer Freund

Sam Vance-Law im Gespräch

Alle mögen Sam Vance-Law. Wallis Bird will ihn Violine spielend mit auf Tour nehmen, Konstantin Gropper hat ihn so lieb, dass er sein Solodebüt produzierte, und Drangsal wollte seinem Kumpel unbedingt im »Prettyboy«-Video zur Seite stehen. Wie macht Sam das bloß? Hella Wittenberg hat nachgeforscht.
Geschrieben am
Tatsächlich: Es ist nicht schwer, sich Sam Vance-Law als besten Freund vorzustellen. Der in Berlin lebende Kanadier erscheint wahnsinnig pünktlich zu unserem Interviewtermin; und kaum unterhalte ich mich mit ihm, stellt sich ein wohliges Gefühl ein. Es ist die Art, wie er von seinem Innenleben erzählt und dabei einen Bezug zur Außenwelt herstellt. Seine reflektierte Offenheit lässt die Distanz der ersten Begegnung schwinden. 

Diese Gabe hat er auf seinem Album »Homotopia« verinnerlicht. Fluffig-leichte Popmelodien lullen von Anfang an ein, bis die gute Laune beim Zuhören sogar in einem breiten Grinsen gipfelt – schließlich haben seine Texte richtig Witz. »Humor in der Musik ist etwas Großartiges«, sagt Sam. »Wenn Menschen sich für ein Lachen öffnen, heißt es, dass sie genauso zugänglich für die berührenden Sachen sind. Ich wollte, dass man zuerst kichert und dann innehält, weil man sich fragt, was man da gerade Krasses gehört hat. Und dann laufen die Tränen, weil es einen unerwartet trifft.« Auf diese Weise verbindet Sam gekonnt amüsante Alltagsgeschichten mit gesellschaftskritischen Statements. Dafür ließ sich der Dandy nur allzu gerne von The Magnetic Fields inspirieren. »Die Songs von Stephin Merritt sind lustig und brutal tragisch zugleich. Sonst kriegt mich Indie-Musik nicht so.« 
Kein Wunder, denn eigentlich kommt Sam aus der Klassik. Bis zum 16. Lebensjahr probte er jeden Tag mit einem englischen Knabenchor und trat dabei fünf Mal pro Woche auf. Piano- und Violinespielen im Orchester standen ebenfalls auf dem Stundenplan. Bach und Benjamin Britten prägten also seinen Musikgeschmack. »Ich mochte auch die Musik meiner Eltern, Annie Lennox und die Beatles. Aber Klassik war allein mein Ding. Dazu kann ich heute noch jederzeit losweinen.« Walzer, Flöte und Orchester haben es schließlich auch auf sein Albumdebüt geschafft. Obwohl er sich dafür ursprünglich was anderes vorgestellt hatte:  »Ich wünschte, ich könnte Kendrick Lamar sein, würde mehr wie er über soziale Ungerechtigkeiten sprechen und ich hätte eine Gabe für diese unglaublichen Jazz-Arrangements.«

Aber sein Background ist eben ein anderer. Erst als Teenager zog Sam aus Oxford in die Heimat Kanada zurück, entdeckte unter anderem dank Buddy Mac DeMarco Gitarrenmusik und Clubs für sich – und wollte Teil dieser Szene werden. Wenn man einen Nachmittag mit Sam verbracht hat, weiß man, warum jeder ihn zum Freund haben will. Nach unserem Gespräch in seinem Neuköllner Kiez begleitet er mich sogar zur U-Bahn und macht mir abschließend auch noch ein Kompliment zu meiner Brille – ganz der charmante Kumpel, den jeder gerne hätte.

Sam Vance-Law

Homotopia

Release: 02.03.2018

℗ 2018 Sam Vance-Law, under exclusive license to Caroline International, a division of Universal Music GmbH