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Der Blumenhändler

Sam Smith

2013 war ein gutes Jahr für Sam Smith. Als Gastsänger für Disclosure und Naughty Boy gelang dem Engländer nicht nur in seinem Heimatland der Sprung an die Chartsspitze. Nadja Neqqache traf Smith, um mit ihm über sein Soloalbum »In The Lonely Hour« zu sprechen, das ihn endgültig zum Star machen soll.
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Sam Smith besitzt das, was man gemeinhin eine mannhafte Statur nennt. Kommt man dem Sänger aus Cambridgeshire jedoch etwas näher, wirkt er dank der immerroten Bäckchen und seiner ungewöhnlich hohen Stimme eher boyish. Eine sympathische Mischung. Dem Disclosure-Track »Latch« verpasste diese jungshafte Stimme jenes Quäntchen Herzschmerz, das diesen zum Hit werden ließ. Selbiges gilt auch für seinen betörenden Gastbeitrag auf der Nummer-eins-Single »La La La« des Produzenten Naughty Boy.

 

 

Zwei wichtige Meilensteine, die 2013 zum Durchbruchsjahr für Smith werden ließen. Die Krönung ereilte ihn dann zum Jahresende durch die BBC, deren Musikjournalisten ihn auf den ersten Platz der »Sound of 2014«-Liste beförderten. Jene Liste, die als das sicherste Trendbarometer der Musikwelt gilt und deren Spitzenposition in den Vorjahren Adele und Ellie Goulding belegten. Die erste Single, die Smith anschließend veröffentlichte, »Money On My Mind«, schaffte es prompt nach nur einem BBC-Einsatz binnen 24 Stunden auf 40.000 Soundcloud-Plays.

 

 

»Der Arzt hat mir fünf Tage Gesangsverbot verordnet«, erzählt Sam Smith und erklärt damit, warum unser Gespräch kurzfristig um ein paar Tage verschoben werden musste. »Das geht gerade natürlich auf gar keinen Fall. Ich toure weiter und singe jede Nacht für meine Fans.« Es ist Smith’ erste Europa-Tour. Früher sei er mit seinen Eltern oft nach Italien und Spanien in Urlaub gefahren, berichtet er, »aber nun im Auftrag meiner eigenen Musik von Amsterdam nach Köln und weiter nach Berlin reisen zu dürfen, das ist Wahnsinn.«

Dass die körperlichen Probleme am Stress, den der Über-Nacht-Erfolg für den 21-jährigen Musiker mit sich gebracht hat, liegen könnten, streitet Smith vehement ab. »Natürlich ist das für meinen Körper anstrengend. Aber es geht mir tausendmal besser, wenn ich auf der Bühne stehe und die grinsenden und klatschenden Menschen sehe, als in den Momenten, wenn ich die Bühne verlasse und alleine in der Garderobe sitze.«

 

Wenn ihm etwas zu schaffen mache, dann die Einsamkeit des Tourens. Was man ihm sofort glaubt. Smith, der, wenn es mit der Musikkarriere nicht klappen sollte, gerne einen Blumenladen aufmachen würde, strahlt bei allem Optimismus auch eine gewisse Melancholie aus. Man kann ihn sich insofern gut zwischen Rosen, Tulpen und Nelken vorstellen. So weit sind wir aber noch lange nicht, noch läuft alles nach Plan. 

 

Los ging es bei Smith bereits im Teenageralter. Schon früh wurde sein Talent entdeckt. Seine Eltern schickten ihn zum Gesangsunterricht, die Mutter sang in jeder freien Minute mit ihm. »Für mich war Singen schon immer die große Leidenschaft«, führt er aus. »Ich liebte es, wenn ich mit meiner Mutter im Auto fuhr und wir zusammen Chaka Khan oder Whitney Houston anstimmten«. So dauerte es auch nicht lange, bis die Musikindustrie anklopfte. Schon vor seinem 18. Geburtstag waren sechs Manager verbraucht, jeder einzelne hatte dem Teen den Durchbruch versprochen. »Natürlich ist für mich immer wieder die Welt untergegangen, wenn es nicht funktioniert hat«, berichtet er. »Dennoch haben mich erst all diese Erfahrungen zu dem Musiker gemacht, der ich heute bin. Sehr unabhängig und ein wenig paranoid.« Dass der so lang ersehnte Durchbruch schließlich durch Gastauftritte gekommen sei, empfindet er als großes Geschenk: »So habe ich gelernt, wie das Business funktioniert. Während ich anfangs sehr zurückhaltend war, halte ich mit meiner Solokarriere nun die Zügel sicher in der Hand.« 

 

Sam Smith »In The Lonely Hour« (Capitol / Universal / VÖ 23.05.14)