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Wut, Rock, Reggae

Sam Ragga Band

Erstaunlich eigentlich, dass das unsterbliche Phänomen Reggae hierzulande in den letzten Jahren einen Dauerlauf hat. Irgendwo mittendrin in der Germaica-Speerspitze: die Sam Ragga Band aus Hamburg. Selbige gerade in der Mauser, vom zurückhaltenden, instrumentalen Dienstleistungsunternehmen zur org
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Erstaunlich eigentlich, dass das unsterbliche Phänomen Reggae hierzulande in den letzten Jahren einen Dauerlauf hat. Irgendwo mittendrin in der Germaica-Speerspitze: die Sam Ragga Band aus Hamburg. Selbige gerade in der Mauser, vom zurückhaltenden, instrumentalen Dienstleistungsunternehmen zur organischen Band mit ganz eigener Vision. Goodbye HipHop-Flirt, hello Dancehall-Weitblick. In diesem Fall natürlich ganz ohne Bling-Bling »und den anderen handelsüblichen Super-Nuttenscheiß.« Das neue Album ›The Sound Of Sam Ragga‹ wirkt zunächst wie ein weiteres lupenreines Showcase-Ding. Aber im Telefonat mit Marc (Gitarre) wird schnell klar, dass die Zeiten als Wasserträger-Backingcombo so was von vorbei sind. Zwar lässt man einige der üblichen Verdächtigen ans Mikro (Patrice etwa), aber ein Großteil der neuen Tunes wurde von drei inzwischen festen VokalistInnen verziert. Schließlich haben die Sam Raggas mit denen fast das gesamte Jahr 2003 auf Tour verbracht. Und wer ›The Sound Of Sam Ragga‹ auch ansonsten in der Klischee-Kiste vermutet hatte, wird erstaunt sein. Nicht nur, dass sie mit der Neuinterpretation von Joy Divisions ›Atmosphere‹ eine ungewöhnliche Coverversion aufs Album geschmuggelt haben – Marcs Begeisterung für »genialen Krach« wie Sonic Youth, The Fall oder, »ganz wichtig, die Talking Heads« liefert ein ums andere Mal den befreienden Gegenpol zur Offbeat-Besessenheit der Sam-Ragga-Rhythmusgruppe. Und der gemeinsame Nenner im Bandbus oder beim Jam: Afrobeat à la Fela Kuti. Das klingt zum Glück so gar nicht nach genretypischen Scheuklappen. Stichwort Nena. Natürlich feiert die zuständige Plattenfirma, wenn die neue Single ›Schade‹ von einem Popstar mit enormer Breitenwirkung intoniert wird. Zwar schätzen die Sam Raggas das Hagener Fräuleinwunder und sind auch mit dem Song sehr zufrieden, aber bitte keine Vorwürfe Richtung eindimensional kalkuliertem Sell-out. »Da heißt es dann sicher: Die holen sich die Nena, damit sie verkaufen. War aber ganz anders. Sie hat sich uns ausgesucht, nicht umgekehrt. Wir haben uns sofort prima verstanden, und die Zusammenarbeit war große Klasse, aber eigentlich passt der Song gar nicht in unser Album-Konzept. Deshalb kann es sein, dass ›Schade‹, wenn überhaupt, dann doch nur in einem Remix mit aufs neue Album kommt.« Reggae ist ja auch Politik. Von daher hat Marc dem trägen Playstation-Mob noch so das eine oder andere Wörtchen mit auf den Weg zu geben. »Ich finde es unglaublich, dass die meisten jungen Leute tatenlos diesen unerträglichen Stillstand in der Welt hinnehmen, diese Verarschung. Klingt vielleicht blöd, aber bei uns früher hätten die Straßen gebrannt. Und ich vermisse diese Form von Wut. Die Kids sind satt und kriegen den Arsch nicht hoch. Das muss man doch mal sagen, damit endlich was passiert.« Auch das ist anno 2004 der Sound von Sam Ragga. Rewind!