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So war’s in Köln: You washed my sins away

S O H N live

Innerhalb einer Woche schaffte es sein Track »The Wheel« von den Schreibtischen einiger Musikblogger in die BBC Radio 1 Playlist. Christopher Taylor, der sich mit dem kunstvoll chiffrierten Namen S O H N schmückt, zeigt gerade, dass sein sphärisch, kühler Sound nicht nur auf dem Debüt »Tremors« einwandfrei funktioniert.
Geschrieben am

08.04.2014, Gebäude 9, Köln

 

Wer schon vergangene Woche hier war, um der kratzigen Stimme King Krules zu lauschen, der erschrickt erst einmal, als er das Gelände um das Gebäude 9 betritt. Wo vor ein paar Tagen noch hunderte Wartende das Feierabendbier in der Abendsonne genossen haben, herrscht heute gähnende Leere. Kann das sein, dass keiner kommt? Natürlich nicht. Es mag alleine am Wetter liegen, dass die Konzertbesucher das Vorab-Bierchen an diesem Dienstagabend in das Innere des Gebäude 9 verlegt haben. Puh!

Es wäre auch zu schade, wenn Christopher Taylor, der schon im vergangenen Jahr mit einer außerordentlichen EP erste Marken in der internationalen Musiklandschaft setzte, seine Live-Umsetzung des Debüts »Tremors« vor einer Handvoll Leuten präsentieren müsste.

Kurz vor halb zehn das erste Zeichen des in Wien lebenden Exil-Londoners. Ein etwa dreiminütiges Intro, das das Gebäude 9 mit wimmernden Bässen erbeben lässt, schafft Platz für das dreiköpfige Live-Gespann. Die Bühne ist in tiefes Schwarz getaucht, erste Synths und Beats erklingen. Taylor sitzt in seiner für ihn typischen Mönchskutte in der Mitte der Bühne, umgeben von weißen Leuchtstäben, die seine Kanzel in verschiedenste Farben tauchen. Der Track »Red Lines« der »The Wheel«-EP wird mit einem Übergang eingeleitet, der weit und breit seinesgleichen sucht. Überhaupt ist es an diesem Abend seine Spitzendisziplin, Songs so auszubauen, dass sie auch locker in ein R’nB oder Elektro-Set passen würden. S O H Ns elektronische Frickeleien überschreiten live sämtliche Grenzen. Analoge Drum-Maschinen, Samples, Synthies, Orgel- und Klavierelemente kommen zusammen und bilden ein Soundgefüge, das durch Mark und Bein geht. Kein Song gleicht live auch nur ansatzweise der Album-Version. Aus »Lessons« macht Taylor ein wuchtiges Elektrosample, das dem Track jegliche Monotonie nimmt, »Lights« wird lediglich von Klavierstimmen begleitet, kommt komplett ohne Beats aus und wird allein von Taylors Stimme geleitet. Auch dafür kann man S O H N an diesem Abend nur Lob aussprechen – mag die Stimme auf Platte streckenweise recht dünn klingen, steht sie der Mächtigkeit des Live-Sets in keinem Fall entgegen.

 

Für seine drei Zugaben kommt Taylor für das sehr ruhige und melancholische »Paralysed« zunächst noch einmal alleine auf die Bühne. »Artifice«, der einzige Track an diesem Abend, der definitiv auf dem Album mehr kracht, und »The Wheel« bilden den Abschluss eines grandiosen Abends.

 

Oh S O H N, you washed my sins away!