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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Rückblick: Alle Ereignisse im Live-Ticker

Melt! 2011

Das war das Melt! 2011: Unsere Autoren tippten tatkräftig mit, hier findet ihr noch einmal alle Highlights auf einen Blick.
Geschrieben am
Montag, 0:04 Uhr, Bench Mainstage
Das was Pulp hier bieten gehört zweifellos zu den Höhepunkten des Festivals. Eine Show, die trotz 30jährigem Bestehen kein wenig angestaubt wirkt und in dessen Mainfocus eindeutig Jarvis Cocker steht. Dieser ist in Bestlaune, überzeugt mit sehr eigenen Kommentaren und zieht mit schauspielerischen Einlagen alle Blicke konsequent auf sich. Bei Disco 2000 hüpfen alle mit und auch sonst ist alles so tight und professionell auf den Punkt, dass man schon jetzt von eine der unpeinlichsten Reunion der Musikgeschichte sprechen kann.

Sonntag, 23:01 Uhr, Bench Mainstage
Der wohl am heißesten erwartete Headliner des Melt! 2011 betritt die Hauptbühne: Pulp sind am start - This Is Hardcore.

Sonntag, 22:43 Uhr, Intro Zelt
Architecture in Helsinki haben nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, die Show ist ebenso passend unkonventionell. Nach zunächst sterilem Beginn, flutschen die 80s Hymnen sehr gut durch. Der beste Moment der Show: Eine einstudierte Choreographie, die alle Bandmitglieder auch als tolle Tänzer entlarvt.


Sonntag, 22:13 Uhr, Bench Mainstage
Petrus meint es weiterhin nicht gut mit dem Melt! Sonntag: Wer sich trotz sinnflutartigem Regenschauer vor der nicht überdachten Mainstage eingefunden hat, wird gebührend entlohnt. White Lies spielen ihren Smash-Hit »Unfinished Business«, das Publikum gröhlt die tieftraurigen Songzeilen textsicher mit. So let's dance like wie used to!

Sonntag, 21:03 Uhr, Intro Kneipe
Tino Hanekamp liest aus »Sowas von da« und sorgt so für die erste Schlange vor der Intro Kneipe - und jetzt sagt bitte keiner, das läge am Wetter!

Sonntag, 20:04 Uhr, Bench Mainstage
»Heute gibt’s nur einmal« ruft Frittenbudes Pogo-Bär Johannes Rögner der zuckerbunten Schaar in Regencapes vor ihm zu. Frittenbude bringen das Melt! auf Betriebstemperatur, schon jetzt stehen trotz Regens mehr Leute vor der Mainstage als gestern zu späterer Stunde bei Beady Eye – und alle tanzen! »Ihr seid jung, Melt! Wir sind alt. Aber gemeinsam sind wir abgefuckt und glücklich!« Die Botschaft kommt an, es ist Leben in der Bude.

Sonntag, 19:23 Uhr, Intro Zelt
Crocodiles-Sänger Brandon Welchez hat zwischen den Songs sichtlich Spaß am Effektpedal seines Mikros und checkt wie The Rivingtons »Papa Oom Mow Mow« durch aufgedrehte Hall- und Delay-Schleifen klingt. Geht so. Dafür aber Anwärter auf die bisher am besten angezogene Band.

Sonntag, 18:51 Uhr, Bench Mainstage
Da ist es nun, das typische Festivalwetter: Der Regen hält sich beständig - ein Glück für die Cold War Kids: Ein Song, wie »Hang me up to dry« setzt sich dann nämlich viel nachhaltiger im Gedächtnis fest. Sänger Jonnie Bo Russells markante Stimme verleiht den Songs die nötige Authentizität, gleichzeitig ist sie der Trademark-stiftende Identitätsausweis dieser kleinen, feinen Band. Bei den neuen Songs wird sie dann mal ein wenig größer, die Hymnenhaftigkeit der letzen Single »Royal Blue« sorgt für die  ekstatischsten Reaktionen im Publikum.

Sonntag, 17:04 Uhr, Gemini Stage
Ewig und drei Tage war im Vorfeld Regen angekündigt. Tatsächlich hat der real existierende Regen das Melt! erst heute erwischt und er ist mäßig, aber beständig. Einige auf dem Melt! sind verkatert, einige übernächtigt, manche womöglich am letzten Tag etwas anlehnungsbedürftig und für alle ist José Gonzáles da. Seit einer Stunde bespielt er schon sanft die überdachte Gemini Stage. Die Leute sind sehr zahlreich gekommen, manche sitzen. Und irgendwie kann man sich gerade zu Beginn dieses Sonntags nichts Schöneres vorstellen als unter leichten Prasseln des Regens unter einem Dach kuschelnd José Gonzáles zu hören. In der Nacht wird man ihm als Junip-Sänger im Intro-Zelt wieder begegnen.

Sonntag, 4:02, Bench Mainstage
Die ersten 8-Bit-Blöcke purzeln aus den Boxentürmen und man weiß: Crystal Castles sind dran. Alice Glass macht ihrer Punk-Vergangenheit alle Ehre und wütet über die ausladende Mainstage, als gäbe es kein Morgen. »Not On Love« hüllt die Zuschauer in grell übersteuerte Synthie-Akkorde - Robert Smith vermisst man dabei nicht unbedingt. 

Sonntag, 1:34 Uhr, Melt! Selektor @ Desperados Beach
Was wobblet denn da vom See her? Kann ja nur Rusko und seine Low-End-Kirmes sein. Bei dem klasse Wetter ist so ein Bassgewitter aber auch mal ganz erfrischend.

Sonntag, 0:50, Bench Mainstage
So pathetisch, so gut. Die Editors sind keine Band der kleinen Gesten. Getragen von der sonoren Stimme Tom Smiths, bekommen die Auftritte fast einen pastoralen Anstrich. Mit Verve schmeißt sich die Band in jede Hymne. Heute ist auch viel Altes dabei. Die schnittigen Neo-Post-Punk-Gassenhauer der Frühphase werden zwecks dynamischen Kalküls geschickt an die elegischen Elektronik-Passagen gereiht. Ein rundum toller Auftritt.

Sonntag, 0:30 Uhr, Gemini Stage
Sie haben ihr Herz noch auf dem rechten Fleck. Die zum Quartett mutierten Metronomy um Frontmann Joseph Mount haben ihr Markenzeichen auch mit nach Gräfenhainichen gebracht. Mit ihren blinkenden Leuchtkreisen auf der Brust, holen sie zeitgleich mit den Editors (auf der Mainstage) das britische Understatement auf die Bühne. Flink fliegen die Finger von Neuzugang Gbenga Adelekan über die Bass-Saiten. In Verbindung mit den Synthie-Sounds zwingt der selten gehörte Funk die gut gefüllte Gemini Stage zum entspannten Schwoven.

Sonntag, 0:28 Uhr, Intro Zelt
Mit »Vielen lieben Dank. Es hat Spaß gemacht. Vielen lieben Dank, war schön.« verbeugt sich Gabi Delgado mit offenem Hemd, Lederhose, Vorstandsvorsitzenden-Frisur und breitem Strahlen im Gesicht vor begeistertem Publikum. Etwas surreal, nachdem eine Stunde lang über hypnotisch betrommelten Sequenzer-Loops düsterste Parolen-Poesie durch den Raum gebellt wurde. »Schwitzt, meine Kinder.« Delgado wirkt so glücklich, dass das Publikum ihn nicht vergessen hat, wenn er bei der Verbeugung immer wieder die Arme ausbreitet wie ein Zirkusartist. Einigen hier wird DAF nichts gesagt haben, aber die Botschaft hat eben noch Gültigkeit. »Alle gegen alle« – besser kann man die aktuelle Weltwirtschaftslage eigentlich nicht kommentieren.

Samstag, 22:55, Bench Mainstage
»This is our last gig In germany, ever!« skandiert Skinner wie eine Selbstverständlichkeit in die Menge. Es scheint sich zuzuspitzen und ernst zu werden mit der finalen Bandtrennung. Was deutlich wird: Die alkoholgeschwängerte Roughness der frühen The Streets Gigs ist nur noch ein entferntes Echo. Anno 2011 ist das eine forsche Popshow im Rap-Korsett. Die ein wenig geänderten Koordinaten kommen der Show gut zu Pass - Unterhaltsam und sehr festivaltauglich ist das alles.

Samstag, 22:04, Gemini Stage
Die Sonne ist gerade untergegangen und JD von MEN, der sexieste Oberlippenflaum in Pop schmeißt ein Handtuch in die Menge. Und jene tobt. Fantastischer Gig!

Samstag, 21:46 Uhr, Bench Mainstage
Liam Gallagher steht da, wie nur er da stehen kann: Der grüne Parka umhüllt ihn wie ein Flacon, der Blick ist stoisch und fordernd zugleich. In England reicht das bereits aus, um ekstatische Reaktionen beim Publikum auszulösen - in Deutschland definitiv nicht. Doch nach einer Weile springt der Funke über, Liam tuschelt Lead-Gitarrist Gem Archer ins Ohr und für einen kurzen Moment hat man ihn gar lächeln sehen - ein sonstiges Novum. In der Schlussviertelstunde, in der Beady Eye auch mal angenehm psychedelisch flirren darf, und das Gefühl von Improvisation vermittelt, wird deutlich, dass da ein fiebrig kochendes Herz in dieser Band schlagen kann.

Samstag, 20:22 Uhr, Bench Mainstage
Patrick Wolf
steht auf dem Absperrgitter des Bühnengrabens und reckt die Faust in die Luft. Auf »Together«, den Song, den er mit dem »genius of your country« wie er sagt, Alec Empire, geschrieben hat, folgt sein Hit »The Magic Position«. Geknackt hat er die Menge im Licht der untergehenden Sonne spätestens mit dem letzten Song »The City« und dem tollen Trick, dem Publikum kurz vor der Hook »Melt! - give yourself a big applause« zuzurufen. Am Ende waren alle Hände über Kopf und die britische Multiinstrument-Diva sichtbar zufrieden mit sich und dem Festival, diesem »serious music festival« wie er es zuvor in der Intro Kneipe gekost hatte.

Samstag, 19:05 Uhr, Bench Mainstage
Die halbstarken Jungs und Mädchen von Retro Stefson teilen die Menge wie Moses das Wasser - Statt einer gewöhnlichen Wall-Of-Death gibt's nen Topless-Sprint des Tamburin-Spielers mitten durch die Crowd. Das junge Publikum kennt scheinbar keine Ermüdungserscheinungen und feiert die Band ab, als wären es die heimlichen Headliner.

Samstag, 17:33 Uhr, Bench Mainstage
"Iiiiiiiiinkonsequent" schallt es von der Hauptbühne, die Andreas Dorau gerade eröffnet hat. Unter bestem Sonnenschein strömen von überall Leute auf den noch völlig leeren Platz, viele tragen Neon-Acessoires wie Schweißbänder und anderen 80er-Modeschmuck. Kurz drauf, um 17:39 knöpft sich Max Müller auf der Bühne des Intro-Zelts knieend das Hemd auf. "Sie sind Täter, wir die Opfer" schreit er dann durch den dunklen, eher luftig besiedelten Raum. Bei allem Respekt für die Lebensleistung der legendären Berliner Band, das Wetter treibt nur wenige Leute her. Zurück um 17:54 simuliert Dorau auf der Hauptbühne einen Schwächeanfall. "Zieh doch das Sakko aus", ruft sein Drummer wenig gerührt. "Nein, das mach ich nicht.", darauf Dorau. Der Anzug sitzt, die Kamerakräne kreiseln, ZDFkultur schneidet mit, Künstler und Publikum sind bester Laune und singen von vierzig Frauen mit langen schwarzen Haaren, die die Auen durchwandern.

Samstag, 16:34 Uhr, Intro-Kneipe
Patrick Wolf
, vollkommen in rot gekleidet, erzählt von seinem Essen beim Lieblings-Chinesen und wie von seiner Ente Sojasauce auf seinen Reisepass tropfte und in der Folge schwarz anlief. Am Ende hätte man ihm fast gar nicht aus dem UK herausgelassen, um zum Melt! zu kommen. Und einen neuen Pass beantragen wäre mittlerweile schwierig, sagt er. Er gebe ca. sechs Konzerte pro Woche und sei seit mehr als zehn Jahren unterwegs, dies sei sein neunter Pass. Er befürchte, dass man ihn beim nächsten Antrag auf ein neues Dokument als Terroristen einstufe, der Pässe vertickt.

Samstag, 12:05 Uhr, Sleepless Floor
Die Sonne steht strahlend am Himmel, das Wetter hat von Freitag auf Samstag endlich auf Sommer umgeschaltet. Jacob Korn hält die Schlaflosen mit deepen House-Klassikern in Bewegung und sorgt mit Jamie XX’ aktueller Single »Far Nearer« für den ersten Gänsehaut-Moment des Tages.

Samstag, 05:33 Uhr, Bench Mainstage
Bei anderen Festivals liegen einige längst in der Kiste, nicht so beim Melt! Was hier in aller Früh und bei bereits sehr präsenten Tageslicht passiert, kann zum nachahltigen Ruf eines Festivals beitragen. Boys Noize gibt den Affen Zucker und bratzelt anderthalb Stunden alles in Grund in Boden. Die Darbietung zielt vor allem auf die pure Abfahrt ab und funktioniert vielleicht gerade im eigentlich streng verbotenen »Schlafenszeit-Kontext« am Besten.

Samstag, 02:07 Bench Mainstage
Die (gefühlte) halbe Festival-Besucherschaft scharrt sich um die Mainstage wo Paul Kalkbrenner seine immer noch beeindruckende One-Man-Show zelebriert. Da steht er hinter seinem Mischpult, wie ein Prediger, die treue Anhängerschaft hängt an seinen Lippen. Fast schon ein wenig surreal, aber definitiv unterhaltsam.

Samstag, 01:47 Uhr, Melt! Selektor @ Desperados Beach
In Yo Face! Housemeister fackelt ein gewohnt eklektisches wie aggressives Set aus New Rave, Schranz, Electro und anderen elektronischen Spielarten ab. Nicht gerade das, was man sich unter Strandmusik vorstellt – die Leute honorieren es trotzdem und raven unbeirrt gen Morgen.

Samstag, 1:42 Uhr, Gemini Stage
Menschen laufen desorientiert über die Bühne, via Loop erklingt seit fast 20 Minuten der immer gleiche, repetitive Beat. Wilkommen beim verplantesten Auftritt-Opening der noch laufenden Festivalsession. Die Franzosen von Nôze zeichnen sich dafür verantwortlich: Nicolas Sfintescu köpft eine Flasche Wodka, murmelt was von technischen Problemen und verschwindet sogar zwischenzeitlich von der Bühne. Doch die schlauen Füchse von Nôze wissen natürlich, wie man aus der Defensive und der absoluten Null-Dynamik, aufs Volltrefflichste den Hebel umlegt. Was folgt ist eine Mixtur aus treibenden Balkan-Infusionen und einigen Improvisationen, die musikalisch so gekonnt sind, dass auch der Musikkritiker mit den Ohren schlackert. Ein bisheriger Festivalhöhepunkt!

Samstag, 0:35 Uhr, Intro Zelt
Die Günter-Netzer-Frisur von Bassist Matt »Urby Whale« Owens hat sich in schwitzige Strähnen aufgelöst, während die Scheitel und Anzüge der übrigen Musiker von Noah And The Whale noch tadellos sitzen. Das Set der britischen Indie-Folk-Band um Laura Marlings Freund Charlie Fink geht mit den Singles »Five Years Time« und »L.I.F.E. G.O.E.S. O.N.« ins Finale. Im Intro Zelt tanzen Leute in Tigerfellen und mit Affenmasken auf dem Kopf. Die Kontrolle behält die Band dennoch zu jeder Zeit und lässt sich auch keinesfalls zu ausufernden Ansagen hinreißen.

Freitag, 23:35 Uhr, Bench Stage
Jonathan Pierce: Ein eitler, affektierter Gockel? Oder die Inkarnation der Großartigkeit? Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Beeindruckend in jedem Fall, wie ausladend er seinen berühmt berüchtigten Rudertanz aufführt. Fest steht: The Drums sind weniger was für die ganz große Bühne, vor den rund 10000 Zuschauern, funktionieren die Smiths-gefärbten Popsongs aber ganz gut. Ein paar neue Songs zeigen, dass die Drums auch noch in einigen Jahren bestehen könnten.

23:03 Uhr, Melt! Selektor @ Desperados
Andächtiges Lauschen statt verschwitzter Peaktime vor der Melt! Selektor Stage: Elektronika-Koryphäe und Chef-Empathiker Sascha Ring alias Apparat performt samt Band seinen ewigen Klassiker »Arcadia« vor ausgebreitetem Seepanorama. Wahnsinn.

Freitag, 22:04 Uhr, Melt! Selektor @ Desperados
Das Wasser schlägt zu: Nicolas Jaar und seine Band werkeln noch zum eigentlich anvisierten Konzerbeginn an ihrem Setup herum und wirken reichlich genervt, da kein Monitor-Sound. Nach einer halben Stunde geht es aber los, vierköpfig und vor Sternenhimmel-Visuals. Und siehe da: ein nahezu majestätisches Downtempo-Set, jazzig und druckvoll, nicht perfekt, aber mit viel Atmosphäre. Das obwohl der Sound am Desperados Beach noch immer nicht 100%ig ist. Aber das Ambiente vor der untergehenden Sonne gewinnt letztlich.

Freitag, 21:57 Uhr, Bench Stage
Der Bass brummt unsubtil und die Menge wirft alles von sich - wir befinden uns inmitten des ekstatischen Sets von The Naked and The Famous. Auf Platte gerne auch mal feingliedrig, wird die Musik der Neuseeländer Live zur dumpf ballernden Bespaßung - und somit 1a festivaltauglich. Optisch auch alles kataloggerecht: Sängerin Alisa Xayalith mimt das kunstaffin-verschwurbelte Role-Model, die männlichen Parts vermitteln eine queere Ästhetik. Großartig für den Moment, von Halbwertszeit sprechen wir an anderer Stelle.

Freitag, 20:16 Uhr, Bench Stage
»Thank you, Electropopnewwaveaficionados«, meint Swans-Sänger/Gitarist Michael Gira nicht ohne spöttisches Lächeln zum Publikum, das seinerseits mit spöttischem Lächeln applaudiert. Über beiden schwebt jeweils die Gedankenwolke: »Was für Freaks!«. Die meisten Mitglieder der No-Wave-Band aus New York sind beinahe drei Mal so alt wie ihre Zuschauer (abseits der wenigen Nerds), die ungebrochenen Mutes auf den leider etwas zu leise geraten Krach zu tanzen versuchen. Ein unterhaltsames Schauspiel und ein echtes Statement der musikalischen Vielseitigkeit beim Melt! Am Ende des Sets haben sich beide Parteien lieb gewonnen und auch eine Taube probiert auf oben auf den Bühnenaufbauten im Takt zu zucken.


Freitag, 20:07 Uhr, Melt! Selektor @ Desperados
Die Bühne am Desperados Beach ist offen! Und zwar nach vorne und nach hinten. Jamie Woon schiebt sich mit dreiköpfiger Band so smooth durch sein Set, als sei er Jack Johnsons Bruder am Strand von Ipanema. Aber: er kann was. Nämlich eine wunderbar Melange aus R'n'B, Pop und Dubstep mit starker Gesangsstimme. In der Mitte des Sets spielt er »Night Air«, und spätestens da tanzen alle am Strand. Am Ende noch »Lady Luck« in einer anstubstenden Up-Tempo-Version und ein Solo-Stück, in dem Woon den Soul-Crooner gibt. Breit aufgestellt und doch angenehm dezent, dieser britische Whitey!

Freitag, 17:46 Uhr, Intro-Zelt
Die Gewinnerband unseres Heimspiel-Contest hat den Abend im Zelt eröffnet. Wilhelm Tell Me im kleinen Schwarzen sehen so gut aus vor dem roten Samt.