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Black Sabbath & Soulfly live

Roots Bloody Sabbath

09.06.05, Dortmund, Westaflenhalle Ozzy hat in letzter Zeit in erster Linie durch spektakuläre Stürze als durch musikalische Aktivitäten von sich reden gemacht. Doch nach seiner Genesung steht einer erneuten Reunion-Tour von Black Sabbath nichts mehr im Weg. In Original-Besetzung präsentiert sich
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09.06.05, Dortmund, Westaflenhalle

Ozzy hat in letzter Zeit in erster Linie durch spektakuläre Stürze als durch musikalische Aktivitäten von sich reden gemacht. Doch nach seiner Genesung steht einer erneuten Reunion-Tour von Black Sabbath nichts mehr im Weg. In Original-Besetzung präsentiert sich die Urknall-Metal-Combo anno 2005 und das meint natürlich jene Konstellation, in der Sabbath von 1969-1978 zu hören waren: Tony Iommi, Geezer Butler, Bill Ward und eben Ozzy Osbourne.

Nicht annähernd old-schoolig ist das Vorprogramm: Soulfly. Womit Ozzys Managerin/ beste Frau von allen, Sharon, einmal mehr einen richtigen Riecher bewiesen hat. Betrachtet man die letzten Ozzfest-Line-Ups, haben auch da alles andere als abgehalfterte Zombie-Bands Revue getanzt, es gaben immer einen guten Querschnitt der Szene mit einem festen Newcomer-Anteil. Und die Resonanz auf die Festivals hat ihr Recht gegeben - von ihren sonstigen medialen Aktivitäten ganz zu schweigen.

Soulflys Max Cavallera wummert sich durch das Material seiner vier Alben, wobei vor allem 'Roots Bloody Roots' von seiner Ex-Band Sepultura hängen bleibt. Zwei Kuttenträger neben mir legen auch direkt mal einen Kniefall hin. Sepultura-Die-Hard-Fans oder doch eine ehrwürdige Geste für den heiligen Hallenboden auf dem Black Sabbath den europäischen Tourstart zelebrieren werden? Soulfly knüppeln sich derweil weiter durch Ethno-Rhythmen und simple Hardcore-lastige Riffs und Cavallera tautologisiert 'Back To The Primitive'. Wuchtig, aggressiv und letzter Konsequenz ein Resultat dessen, wofür die Hauptband den Grundstein gelegt haben.

Was die Grundsteine im Einzelnen waren, wird, als die Hallenlichter erlöschen, mit einem Riff-Medley vom Band demonstriert. Einige Zwischenrufe von Backstage unterbrechen die Musik. War das Ozzy? Oder doch eher sein Ghost-Singer von dem man munkelt? Spekulationen erübrigen sich, als der Madman himself harschen Schrittes, mit angewinkelten Armen und diabolischen Grinsen auf das Mikro in der Bühnenmitte zu steuert. 'NIB', vom allerersten, selbst betitelten Album, ist der Opener. Nach den ersten Akkorden ist klar, hier wird Musikgeschichte abgefeuert. Wo wäre das ganze Genre ohne die doomige Schwere in jedem einzelnen BS-Riff, wo, ohne einen Ozzy Osbourne? Wäre er als Schatten seiner selbst auf die Bühne gekommen, man hätte es ihm nicht verdenken können. Abgebissene Fledermaus-Köpfe, Unmengen harter Alkoholika, Tonnen von Pailletten und Kubikmeterweise Haarspray hat dieser Körper mehr weniger als mehr verkraftet, von den Wagenladungen Prozac und Co. in den darauffolgenden Jahren mal abgesehen. Doch Ozzy versprüht heute Charisma, das Heimtrainer lässt grüßen, er ist wieder da - treibt seine Wassereimer-Spielchen mit dem Publikum, reißt die Arme in die Luft, zeigt sich in bekannten Posen (siehe 'Volume 4'). Zwischenzeitlich nimmt er die Hand an den Mund, blickt sich fragend um, als rutsche er für einen Moment doch noch aus dem Hier und Jetzt, um im nächsten Augenblick die Massen anzustacheln und das Publikum ami-like in Superlativen zu loben ("You are the fucking craziest crowd!"). 'Dirty Woman', 'Fairies Wear Boots', 'After Forever', 'Sabbath Bloody Sabbath', ausschließlich Material aus den Jahren bis Mitte der 70er. Legendäre Riffs, unzählige Male gehört. Und es ist überaus beeindruckend einen Song wie 'War Pigs' im Original vom Original zu hören. Wenn es eine Band schafft, nach etlichen Jahren auch eine Generation zu begeistern, die zumindest zu weiten Teilen ihre Enkel sein könnten, hat eine Reunion durchaus ihre Berechtigung. Geld hin oder her, Schnickschnack. Dank Frau Osbourne steht eine weitere Trophäe im Rock'n'Roll-Wandschrank, von der zu erzählen noch in Jahrzehnten lohnt.