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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Todesterritorium Westdeutschland

Rolf Dieter Brinkmann

Spätestens, seit Jochen Distelmeyer "Die Zwiebeln im Kühlschrank / alles macht weiter" sang und sich damit unübersehbar auf Rolf Dieter Brinkmanns Vorwort zu seinem Gedichtband "Westwärts 1 & 2" bezog, ist der "westdeutsche" Dichter auch für Popkids eine messbare Größe. Schon zuvor war von der Liter
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Spätestens, seit Jochen Distelmeyer "Die Zwiebeln im Kühlschrank / alles macht weiter" sang und sich damit unübersehbar auf Rolf Dieter Brinkmanns Vorwort zu seinem Gedichtband "Westwärts 1 & 2" bezog, ist der "westdeutsche" Dichter auch für Popkids eine messbare Größe. Schon zuvor war von der Literaturkritik stets darauf verwiesen worden, dass Popliteratur in Deutschland nicht mit Stuckrad-Barre und Kracht, sondern eben mit Brinkmann begonnen habe. Dabei könnten die Ansätze der beiden Generationen, abgesehen von ihrem Bezug auf Alltagskultur, nicht unterschiedlicher sein: während die "Neuen" weitestgehend affirmative Leichtigkeit und poppige Stylishkeit verbreiten wollten, fühlte sich Brinkmann, wie die amerikanischen Beatniks, vom grit and dirt der Straße, und, nicht zu vergessen, vom sprachlichen und typographischen Experiment angezogen.

Im Kölner Rhenania versucht vom 29.09. bis zum 19.11. eine Ausstellung mit begleitenden Lesungen, Filmen und Performances, den 1975 bei einem Autounfall gestorbenen Köln-Bewohner von verschiedensten Seiten zu durchleuchten. Neben einer Dokumentation von Leben und Werk des 1940 in Vechta geborenen Autors wird auch ein sozio-historischer Kontext hergestellt, indem die Entstehung zahlloser alternativer Kleinverlage in den 60ern, Brinkmanns deutsche Weggefährten wie Fauser und seine angloamerikanischen Vorbilder wie Burroughs gewürdigt und sich auf diese beziehende künstlerische Arbeiten präsentiert werden.

Gespannt darf man sein, ob das angespannte Verhältnis des zutiefst maskulinen Beat-Schriftstellers zu Westdeutschland im Allgemeinen und Köln im Speziellen in der von der Stadt Köln und fast allen namhaften städtischen Kulturinstitutionen, darunter auch der c/o pop, unterstützten Reihe auch zur Sprache kommen wird. Sonst sprechen eben die Gedichte, wie "Einer jener klassischen", in dem es heißt "für einen Moment eine Pause in dieser Straße, die niemand liebt und atemlos macht, beim Hindurchgehen. Ich schrieb das schnell auf, bevor der Moment in der verfluchten dunstigen Abgestorbenheit Kölns wieder erlosch."

Alle Infos zu "Außerordentlich und obszön - Rolf Dieter Brinkmann und die Popliteratur" finden sich hier.