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Overpowered

Róisín Murphy

Auf dem Album finden sich nicht nur zu Ende gedachte Hochglanzschmissigkeit, sondern auch jene magischen Moloko-Momente, findet Thomas Venker.
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Wenn ich den Namen Róisín Murphy höre, muss ich immer an Linus Volkmann denken. Und das kommt so: Wir waren im Herbst 2001 gemeinsam in London, um an einer epochalen Pulp-Titelgeschichte zu arbeiten. Für diese wurden wir auch zu Jarvis Cockers Geburtstagsparty eingeladen, auf der neben Boy George vor allem Róisín Murphy als unersättliche Tänzerin auffiel. Ziemlich drüber war sie allerdings auch - sonst hätte sie uns wohl nicht das Gefühl geschenkt, nur mit uns zu den Indiehits, die Jarvis mit Pulp-Kumpel Steve Mackey auflegte, zu tanzen.

Warum ich das erzähle? Nun, wir gaben zu diesem Zeitpunkt keinen Pfifferling mehr auf sie. Moloko war gerade in Schutt gegangen, sie offensichtlich mehr damit beschäftigt, ihren Körper zu ruinieren, als neue Popentwürfe auszutüfteln. Würden Popstars in Aktien gehandelt und könnten sich Musikjournalisten solche leisten, dann wären an diesem Abend alle Murphy-Aktien verbrannt worden.

Umso erfreulicher war 2005 das Solodebüt 'Ruby Blue'. Es hatte gedauert, aber sie hatte sich überraschenderweise dann doch noch aus dem Schlamassel herausgezogen. Davon zeugte ebenfalls ein grandioser Melt!-Auftritt in jenem Sommer und eine daran anschließende lange Tanznacht zum Set von Erobique und Justus Köhncke. Und auch 2007 scheint sie ihr Leben im Griff zu haben: 'Overpowered' klingt sehr konzentriert. Zunächst verblüfft der glattere Sound im Vergleich zum Solodebüt; produziert hat diesmal nicht Matthew Herbert, sondern Eiji von Bugz In The Attic. Aber glatt muss ja nicht per se schlecht sein. Vor allem, wenn man zum richtigen Zeitpunkt dagegenzusteuern weiß.

So bratzt beispielsweise gleich im Titelstück die 303 dezent, aber wirkungsvoll und dreht sich im Hintergrund euphorisierend ein Sample aus dem Tiga-Hit 'Sunglasses At Night' - überhaupt wurde für 'Overpowered' hervorragend gesamplet. Und auch Murphys Gesang stimmt. Mal gibt sie die Diva und croont sich in die Höhe, dann wieder singt sie auf Straßenniveau oder schwelgt in Barstimmung. Auf dem Album finden sich nämlich nicht nur zu Ende gedachte Hochglanzschmissigkeit, sondern auch jene magisch-melancholischen Momente, welche die großen Moloko-Hits immer so ausgezeichnet haben.