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Desert

Robert Babicz

Bleeps ROBERT BABICZ Desert & M2 Sinnecore (beide Mille Plateaux / EFA) & ASMUS TIETCHENS A-Menge (Ritornell / EFA) Daß mit Robert Babicz (a.k.a. Rob Acid) und Panacea gleich zwei Hauptprotagonisten des Frankfurter Labelkonsortiums Force Inc. / Mille Plateaux / Ritornell / Force Tracks /
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Autor: intro.de

Bleeps ROBERT BABICZ Desert & M2 Sinnecore (beide Mille Plateaux / EFA) & ASMUS TIETCHENS A-Menge (Ritornell / EFA) Daß mit Robert Babicz (a.k.a. Rob Acid) und Panacea gleich zwei Hauptprotagonisten des Frankfurter Labelkonsortiums Force Inc. / Mille Plateaux / Ritornell / Force Tracks / Position Chrome ihren “normalen” Kontext verlassen, um sich weg von straighten Technopumpern (Babicz) und darken D’n’B-Monstern (Panacea) hin zur Mille Plateaux’schen Kunstschule zu bewegen, fordert zur Reflexion über das System elektronischer Musik an sich auf: Beliebigkeit, Ambition oder Mut? Babicz läßt sich zunächst im digitalen Niemandsland treiben. Seine dronigen Soundscapes klingen wie ein Wüstensturm, der sich in aller Gelassenheit über eine Stadt hermacht, um sie sich ganz langsam anzueignen. Die konzeptionelle Stringenz dieser elektroakustischen Produktion zeigt sich ab dem siebten Stück (“Babybel”), mit dem das Album plötzlich in “Clicks & Cuts & Synthesizer”-Sounds übergeht – was sich so auch im Coverlayout widerspiegelt, wo die Tracks 1 bis 6 und 7 bis 12 jeweils eine Einheit bilden. Panacea schimpft sich heuer M2. Ein Name, dessen Bedeutung mir verschlossen bleibt. Da die Tracks 1 bis 12 namenlos sind, vermute ich nicht allzuviel Konzept dahinter. Der Schritt vom Breakbeater zum Klangbreaker ist eigentlich gar kein so großer. Die Wirkung bleibt dieselbe: homogene, auf Linearität basierende Hörerwartungen werden gebrochen, der Klangraum als solcher im traditionellen Sinne wird in Frage gestellt - Cut und weiter. Interessanterweise fühlt sich der Graphiker im Nebenraum an die Postrocker von Trans AM erinnert (konkret an deren Stück “Access Control” auf “The Surveillance”). M2 kultiviert eine Vorliebe für die extreme Unterbrechung und ruft damit die Allegorie zwischen dem Break in der Gitarrenmusik und dem digitialen Rauschen in der Elektronik in Erinnerung – ein zu vertiefendes Thema. Der Schnitt macht’s. Sinnecore eben – und auch Bedeutung. Asmus Tietchens wurde von Labelmogul Achim Szepanski auf Ritornell verfrachtet – die Trennung verstehe ich noch nicht so ganz, hat wohl steuerliche Gründe. “R2D2” tönt es abermals von nebenan. Eine sehr vereinfachte, geradezu simplifizierende Aussage angesichts dieser Transformationen und Modulationen des beliebten Sinustones – aber gar nicht mal so untreffend, zumindest peripher, zumal die Graphikabteilung sich auch bemüht, mit “Vogelgezwitscher” (zu “Drei Teilmengen”, dem mit 36 Minuten längsten der drei Stücke) am Ball zu bleiben. Am selbigen ist definitiv auch Tietchens, der in der Tradition von Labels wie rastermusik-noton oder Künstlern wie Ikeda und Bretschneider steht. THOMAS VENKER