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Intensive Care

Robbie Williams

& Babyshambles Down In Albion rough trade & Madonna Confessions On A Dance Floor Warner> Das ist mal Star-Power am Stück. Und was für Stars! Drei, die sich in vielem unterscheiden, die sich aber geeint finden unter einem ganz speziellen
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Babyshambles
Down In Albion
rough trade
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Madonna
Confessions On A Dance Floor
Warner

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Das ist mal Star-Power am Stück. Und was für Stars! Drei, die sich in vielem unterscheiden, die sich aber geeint finden unter einem ganz speziellen Revolverblatt-Fetisch – und zwar unter dem Begriff des Skandals. Dabei sind Robbie und Madonna natürlich Meister und Meisterin des produktiven Skandals. Ihre Eskapaden, das Spiel mit Sex’n’Nacktheit, empörten stets die ganz biederen Blöcke. Aufschreie gab es für “Rock DJ” bis hin zu “Like A Prayer” oder “Open Your Heart”. Der große Rest des Publikums würdigte aber sehr wohl, dass hier nur die Ästhetik von Grenzübertretung benutzt wurde und sonst alles ganz korrekt im Rahmen blieb. So spektakulär lässt man sich Aufmerksamkeitsgenerierung gefallen. Und so wurden Körper und Skandal zum Markenzeichen der beiden, festigten immer weiter ihre Funktion im medial verbreiteten Global-Pop. Weiß man ja. Wie sehr der Begriff des Skandals performativ, also durch die Definition der Handelnden geprägt ist, zeigte sich bei Madonnas vorigem Album. Denn dort brach die Pose des Skandals zugunsten eines echten zusammen und potenzierte damit nicht Promo-Potenzial, sondern schmälerte es nachhaltig. Gemeint ist das erste Video des Albums “American Life”, in dem sie nicht nur grenzwertig rappt, sondern in dem auch ein Panzer mit ihr drauf rumdonnert – während zur selben Zeit gerade der Irak-Krieg aufzieht. Madonna nimmt daraufhin sofort alles zurück. Sie habe zwar provozieren wollen, hört man, aber doch nicht wirklich. Skandal darf eben nicht skandalös werden – sonst ist er nicht mehr verwertbar im Pop –, so denken wir Megastars, Madonna, George Michael oder Robbie halt. Von so viel Taktik und Spielregeln hält Pete Doherty natürlich nichts. Seine Skandale sind zwar auch Teil der eigenen Marke, aber längst nicht ordentlich oder strukturiert oder liebenswert. Und gerade deshalb für die Indie-Posse auch glaubwürdiger – allen Tourabsagen zum Trotz. Als tragische, zugeknallte, arrogante und genialische Figur poltert er durch die bösartige Skandalpresse. Die hat wenig Respekt vor dem Typen neben Kate Moss, aber dem macht das nichts, ist er doch selbst sein ärgster Feind und Beinsteller. Denn kurz bevor die Libertines zum absoluten Selbstgänger avancierten, zog er ab (mit dem geklauten Mobiliar seines Ex-Band-Partners Barat und Vorstrafen im Gepäck). Dass er eine neue Band würde breaken und durchhalten können, glaubt keiner so recht. Und doch erstaunt Pete schon mal, dass es seine Babyshambles in recht kurzer Zeit zu einem Album brachten. Und das bringt sogar was. Der Bass hoppelt versiert wie in einem Kriminalhörspiel, die Stimme von Pete sprechsingt zwischen Mike-Skinner-Slang und Joe Strummers Working-Class-Sexiness, der Beat hält sich clever zurück, um dann immer mal wieder auf der staubtrockenen Snare zu explodieren (“La Belle Et Le Bête”) oder mit dem Schellenkranz gar an die stilistische Durchtriebenheit von Cornershop zu erinnern (“A’rebours”). Den Gaga-Anteil, die Unzurechnungsfähigkeit, kann man sich in die Geste von Band und Songs mitunter reindenken – aber streng genommen ist das alles nicht weirder als bei ähnlichen Acts der Insel, die man deswegen nicht gleich als manisch und kaputt kommuniziert. Okay, bei ein, zwei Schunkelmelodien denkt man, hoppla, jetzt kippt er im Rhythmus weg wie Shane McGohan einst bei den Pogues. Aber wie man auch will, “Down In Albion” ist vieles: schwer cool, arrogant, verrotzt, aber sicher kein Nischenwerk aus der Mülltonne zwischen Vollrausch und Vollkater zusammengekotzt. Überraschend gut, ja, fast skandalös gut. p. s.: Ach so. Madonna und Robbie haben ja auch neue Alben. Unqualifizierte Meinung gefällig? Robbie Williams war mit “Escapology” zwar ungeahnt erfolgreich, songmäßig aber schon längst nicht mehr so auf den Punkt wie mit Hits à la “The Road To Mandalay”, “Eternity” oder gar “Angel”. Ich wollte schon bei der letzten Platte, dass Robbie sich eher darauf konzentriert, der nächste James-Bond-Darsteller zu werden. “Intensive Care” – das erste echte Album mit Songwriter Duffy – zeigt, dass er sich verästeln möchte, jeder Song dabei aber immer noch den Pflug der Radiotauglichkeit zu ziehen hat. Eine unbefriedigende Paarung. Und Madonna? Die Stilikone kauft teuer das Sample von Abbas “Man After Midnight” frei für die erste Single, und ihr Zwang zur Neuerfindung bei jeder Platte mündet diesmal in die Disco. Immerhin Disco – das birgt doch auch dieses Versprechen der androgynen Tanzfläche. Insofern treffend auch Ali G., der sein Alter Ego Borat bei den MTV-Europa-Music-Awards über ihren Auftritt sagen ließ: “Respekt für MTV, dass sie den Abend von einem Transvestiten eröffnen lassen!” Aber nichts gegen Madonna. Diese Platte hier ist eben einfach so gut wie jeder ihrer Filme ...