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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Ein Hörspiel

Release

Sie mögen Nirvana, Xavier Naidoo und die Toten Hosen. Doch was sie dann gemeinsam mit Schneider TM einspielen, hört sich ganz anders an. Das Hörspiel von Paul Plamper, Marion Czogalla und Beat Halberschmidt basiert auf den Besuchen von Schneider TM in der JVA und JAS Berlin. Zusammen mit den jungen
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Sie mögen Nirvana, Xavier Naidoo und die Toten Hosen. Doch was sie dann gemeinsam mit Schneider TM einspielen, hört sich ganz anders an. Das Hörspiel von Paul Plamper, Marion Czogalla und Beat Halberschmidt basiert auf den Besuchen von Schneider TM in der JVA und JAS Berlin. Zusammen mit den jungen Gefangenen, Jungen wie Mädchen, hat Schneider TM Songs eingespielt, also Sozialarbeit im klassischen Sinne betrieben. Die erste CD enthält das eigentliche Hörspiel, Ausschnitte aus Gesprächen mit den Jugendlichen über ihre musikalischen Vorlieben, die Gründe, warum sie im Gefängnis sitzen, und gemeinsame Proben an den Songs. Auf der zweiten CD sind Videos, Hörspiel-Schnipsel und die fertigen Songs versammelt. Als Musik haben sich die Jugendlichen wie kaum anders zu erwarten Deutschrap ausgewählt, der von Schneider TM jedoch sehr stark elektronisch nachbearbeitet wurde. Das musikalische Ergebnis zeugt von einer sensiblen Annäherung, die eine innere Spannung zwischen Gefängnis-Rap und Frickel-Elektronik aufbaut, ohne dabei jedoch eine der beiden Seiten zu erdrücken. Beides ist in diesem Projekt wichtig: die gegenseitige Annäherung, also der Entstehungsprozess, und das musikalische Ergebnis. Wer das nämlich bloß unter sozialen oder voyeuristischen Aspekten interessant findet, diskreditiert die durchaus ernst zu nehmenden musikalischen Bemühungen aller Beteiligten. Leicht war es sicher nicht, die Stücke zu entwickeln, denn am Anfang stand noch ziemliche Distanz: "Bist du bekannt ein bisschen?" fragt ein Jugendlicher Schneider TM und meint gleich enttäuscht: "Warum kenn ich dich dann nicht?" Dass es trotz verschiedener Erwartungshaltungen und unterschiedlicher Sozialisation möglich ist, kreativ Musik zu machen, wird dank dieses Projektes erfahrbar. Denen, die keiner mehr hören möchte, eine Stimme gegeben zu haben - und zwar eine andere Stimme als jene, die in den Nachmittags-Talkshows ertönen -, gehört zu den großen Verdiensten dieses Hörspiels.