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Draußen leise, drinnen laut

Reeperbahn Festival

21.-23.09 – Hamburg. 207 Bands auf insgesamt 21 Bühnen mehr oder weniger rund um die Hamburger Amüsiermeile Reeperbahn; das klingt erst mal ganz gut. Gerade wenn die illustre Runde von Hamburger Premium Acts wie Tocotronic, Tomte, Blumfeld und Die Sterne angeführt, und durch internationale Gäste vom
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21.-23.09 – Hamburg. 207 Bands auf insgesamt 21 Bühnen mehr oder weniger rund um die Hamburger Amüsiermeile Reeperbahn; das klingt erst mal ganz gut. Gerade wenn die illustre Runde von Hamburger Premium Acts wie Tocotronic, Tomte, Blumfeld und Die Sterne angeführt, und durch internationale Gäste vom Kaliber Matthew Herbert, Nouvelle Vague oder The Rapture vervollständigt wird. Dass dann doch der eine oder andere Füller zwischendrin zu finden war, wird einige Leute davon abgehalten haben, sich die nicht unbedingt wahnsinnig günstigen 3-Tages- oder 1-Tagestickets zu kaufen. Nur dank der noch kurzfristig eingeführten Abendkassenkarten für einzelne Venues wurden 9000 zahlende Besucher vermeldet. Zum kostenlosen Open Air Konzert von Tomte am Eröffnungsabend auf dem Spielbudenplatz kamen dann immerhin gleich 10.000 Zuschauer. Letzte Chance für Festival-Hater wie mich, ein bisschen Rock-Großveranstaltungs-Flair zu genießen. Leider kam bei den Zuschauern jenseits der ersten drei Reihen nicht viel davon an. Aufgrund von für diesen Aufführungsort eher ungewöhnlichen behördlichen Lärmschutzauflagen mussten Hits wie "Korn und Sprite" oder "Schrei den Namen meiner Mutter" in Zimmerlautstärke dargeboten werden.

Danach fiel die Auswahl schwer. Eine Menge Pflichttermine überschnitten sich an diesem sicherlich interessantesten Festivalabend. Aus Neugier ging’s zu den schrägen Vögeln Wolke aus Köln, die bei ihrem kurzen Auftritt sehr schöne neue Stücke zum Besten gaben. Gleich im Anschluss und glücklicherweise nur fünf Schritte entfernt im Molotow dann die großartigen Amusement Parks On Fire. Die bei Tomte fehlenden Dezibel wurden hier gleich vielfach nachgeliefert, und sorgten dafür, dass ich an diesem Abend doch noch mit Klingeln in den Ohren einschlafen durfte. Natürlich unvorstellbar, dass diese Band leugnet, je von My Bloody Valentine und Swervedriver gehört zu haben. So schön ging wimpiger Gesang seit 1991 nicht mehr in Gitarrenlärm unter. Später am Abend gab es dann noch die irrwitzige Bühnenshow der Krawallmacher von Deichkind mit Hüpfburg, Hometrainern und Crowd-Surfing im Schlauchboot. Und als Tags drauf so ungefähr zur selben Zeit ein wieder mal großartiger Tocotronic Auftritt mit einem im Feedbacklärm untergehenden "So jung kommen wir nicht mehr zusammen«"zu Ende ging, wusste ich: Einen besseren Abschluss kann es für diese Veranstaltung nicht geben, auch wenn ich die Chance gehabt hätte, wahrscheinlich noch gut 90 weitere Bands zu sehen.