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INTRO – Über 27 Jahre dein Magazin für Popkultur und Kontrollverlust. Der aktive Betrieb ist eingestellt. Hier findest du weiterhin das gesamte digitale Archiv 1992-2018.

Stadium Arcadium

Red Hot Chili Peppers

Zuletzt gab es eine schöne Formulierung, die besagte, “Stadium Arcadium” sei Album Nummer drei der neuen RHCP-Zeitrechnung. Mmh, das klingt sinnstiftend, historisierend und muss natürlich gleich geklaut werden. Jene neue Zeitrechnung nimmt dabei Bezug auf Frusciantes Rückkehr, die seinerzeit so eind
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Zuletzt gab es eine schöne Formulierung, die besagte, “Stadium Arcadium” sei Album Nummer drei der neuen RHCP-Zeitrechnung. Mmh, das klingt sinnstiftend, historisierend und muss natürlich gleich geklaut werden. Jene neue Zeitrechnung nimmt dabei Bezug auf Frusciantes Rückkehr, die seinerzeit so eindrucksvoll „Californication“ zu einer der wegweisenden Platten ihrer Karriere werden ließ. Okay, also quasi das schwierige dritte Album. Darüber zeitnah zum VÖ eine Aussage zu treffen, gestaltet sich nicht gerade leicht. Denn vorab hieß es, man könne mal eine Minute eines neuen Stücks (remember „One Hot Minute“) aufs Handy gesendet bekommen. Harter Tobak: Eine Minute als Maßstab? Als Motiv in der Literaturwissenschaft heißt das „pars pro toto“. Also einen Scheibenwischer für das ganze Auto halten. Wohl dem, der soviel Phantasie hat. Obwohl dem Fan noch weniger Zeit zugemutet wurde. Der bekam im Vorfeld nämlich über die Bandwebseite lediglich 20 Sekunden der ersten Single „Dani California“ präsentiert. Glücklicherweise befand sich aber unser Premium-Reporter Heiko Behr vor Ort und konnte doch tatsächlich der Gesamtheit lauschen. Der Eindruck ist dabei folgender: Der Battle zwischen Bombast-Funky-Town-Songs alter Prägung („Blood Sugar Sex Magik“) und spannungsreicher Selbstbeschränkung („Californiaction“) endet offiziell unentschieden. Kiedis lässt sich sogar dahingehend zitieren: „Im Studio stand plötzlich an, wollen wir zurückgenommen oder in ganz großem Stil rocken. Letztlich haben wir uns für beides entschieden.“ Das macht „Stadium Arcadium“ damit nicht zu einem Fanal für eine Richtung, sondern liefert eine Breitband-Show dessen, was man an den irrwitzigen Heinis in den letzten, ach, fast zwanzig Jahren zu schätzen weiß. Songs mit souligen Frauenchören („Hump De Bump“) geben dem alten 90er P-Funk eine moderne Entsprechung, während sich Stücke wie „Strip Me Down“ sehr am Flea-Appeal entlanghangeln und poppige Bridge- und Mitsing-Refrain-Parts durch kleine Fallstricke kongenial aufmotzen. „Stadium Arcadium“ ist sicher nicht der Wegweiser ins ganz neue Red-Hot-Universe sondern eine Quintessenz des bisher Erreichten. Status Quo? Vielleicht? Aber in jedem Fall eine der Konsens-Platten der hellwachen Weirdos.