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Red Bull Music Academy: Workshops in Indien

Same same, but very different

Ihre erprobte Kombination aus Workshops, wechselseitiger Inspiration und wilder Feierei schickt die Red Bull Music Academy bereits seit elf Jahren um die Welt.
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Ihre erprobte Kombination aus Workshops, wechselseitiger Inspiration und wilder Feierei schickt die Red Bull Music Academy bereits seit elf Jahren um die Welt. Dieser Tage macht eine Delegation auch in Indien Halt, um dort für die Bewerbung zur nächsten Großveranstaltung in London im Februar zu werben - und einmal mehr die These von Musik als universeller Sprache in Echtzeit nachzuerleben. Same same, but very different mit DJ Dixon...

Drei Workshops waren ausgerufen, in Bangalore, Delhi und Mumbai, jeweils unterstützt von der Grammy-nominierten indischen Jazzlegende Louiz Banks (Foto). In der Hauptstadt weisen monströse Hochbahnbaustellen auf die bevorstehenden Commonwealth Games. Die internationale Terrorparanoia wird, auch im Nachtleben, hinter feschen Fantasieuniformen versteckt.

Und neben dem Essen brennt vor allem die Sonne mit einer Intensität, die selbst einheimische Entouragen gerne mal ohne jede Vorwarnung umkippen lässt. Wie man überhaupt all die jüngst noch mal Oscar-prämiert hochgekochten Klischees in mindestens fünf Dimensionen reingedrückt bekommt. Auch Aravind Adigas "White Tiger" wird selten entkräftet. Im Gegenteil: alles erscheint noch bunter, lauter, verschwitzter, langsamer. Lediglich Bhangra und Bollywood sind im Kreise der Workshopteilnehmer tendenziell guilty pleasures - Rebellion gegen verwöhnte Cricketjungstars und den Rest des Establishments bedeutet hier eher Metal.
Klarer Höhepunkt ist in dieser Hinsicht die Band Kryptos, die zum Workshop in Vollbesetzung und Justice-Uniform anrückt, musikalisch aber glücklicherweise eher den frühen Iron Maiden verpflichtet bleibt. Wie gesagt, very different... Die Fragen aus dem Auditorium sind zwar ähnlich dem Rest der Welt - wie bekomme ich eigentlich die Welt dazu, genau meinem Scheiß Gehör zu geben? - aber schon bei simplen Genre-Fragen werden die Unterschiede wieder und wieder offenkundig. "Wenn mich jemand fragt, was ich spiele, sage ich immer ‚House', auch wenn ich natürlich weiß, dass der Berliner Taxifahrer da was komplett anderes drunter versteht", räsoniert der Edelplattenleger und Labelchef (Innervisions) Steffen "Dixon" Berkhahn, der dem Tross als Gastdozent angehört. "Nach diesen Tagen würde ich das mit den Berliner Taxifahrern unbedingt auch auf Indische DJs erweitern. Immer wieder überraschend zu erleben, wie unterschiedlich dieses Wort so verwendet werden kann."

Und so geht es weiter auf der immer wieder in Zeitlupenlöcher fallenden Achterbahnfahrt, die einen die Welt im Sekundentakt überdenken lassen könnte. Und die aus Selbstschutz immer ausgeblendet wird, von nahezu allen, mit denen man spricht. Aber dann sind 33 (!) Interviews mit lokalen Medien später eben auch diese Momente, in denen die Glühbirnen über 50 workshoppenden Köpfen aufleuchten. Wenn zwei komische Deutsche mit Laptops und der freundliche alte Jazztyp zusammen jammen, ja, mit Computer und ohne Proghouse-Geballer. Und man zu allem Überfluss trotzdem dazu wippen kann. "Red Bull Music Academy 2009 kommt mir grad vor wie Goethe Institut 2002. Aber hier zu fliegen, der ganze Flash - der Scheiß lohnt sich, trotz allem. Echt." Und ja, in den Headquarters wartet man schon gespannt auf die Bewerbung des Mundorgelspielers aus Delhi.

Auch wer hierzulande Interesse hat, im Februar 2010 als Academy-Student nach London zu reisen, informiert sich unter www.redbullmusicacademy.com oder kommt vom 08. bis 12.07. zur Red Bull Music Academy Week ins Watergate, Maria und WMF in Berlin. 24/7 mehr Musik gibt's übrigens bei redbullmusicacademyradio.com.